Ballmer: Microbook statt Microhoo

Nach den gescheiterten Verhandlungen mit Yahoo überrascht Microsoft jetzt mit einem neuen Premium-Partner im Internetbereich: Facebook. Der Softwarekonzern gab gestern im Hauptquartier in Redmond bekannt, dass man die bestehende Zusammenarbeit erweitern werde, wie die „New York Times“ berichtet. Microsofts Übernahmepläne für Yahoo sind damit endgültig vom Tisch. Das machte CEO Steve Ballmer unmissverständlich klar: „Mit Yahoo sind wir fertig. Wir haben uns nichts mehr zu sagen.“

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Angesichts des fallenden Aktienkurses wirkt das Ganze wie ein Schnellschuss. In der letzten Woche verlor das Microsoft-Papier acht Prozent, weil die Konzernergebnisse nach eigenen Schätzungen unter den Markterwartungen bleiben werden. Gleichzeitig einigte sich die Yahoo-Führung mit Großinvestor und Microsoft-Freund Carl Icahn, so dass die angestrebte Komplett-Übernahme der zweitgrößten Suchmaschine der Welt in weite Ferne rückte.

Ballmer musste also handeln. Die Not ist groß bei Microsofts Internet-Sparte. Seit acht Quartalen macht der Softwareriese hier Verluste. Im letzten Finanzjahr verlor man ganze 1,23 Milliarden US-Dollar, doppelt soviel wie 2007. Das entspricht etwa 5,5 Prozent des gesamten operativen Ergebnisses des Konzerns.

Jetzt soll Mark Zuckerbergs Facebook helfen. Dazu baut das Social Network eine Web-Suche und Text-Anzeigen von Microsoft auf seinen Seiten ein. Bislang laufen lediglich graphische Microsoft-Anzeigen auf Facebook. Die erweiterte Kooperation solle in den nächsten Monaten umgesetzt werden, sagte Satya Nadella, Senior Vice President bei Microsofts Such- und Anzeigen Gruppe.

Um Marktführer Google attackieren zu können, sollen weitere 500 Millionen US-Dollar in die Online-Sparte investiert werden. Allerdings wurde den Analysten in Redmond nicht erklärt, wie das Geld verwendet wird. Diese reagierten mit Unverständnis: „Die erzählen uns, dass sie 500 Millionen Dollar ausgeben wollen und dann sagen die wir erklären euch später wofür“, wunderte sich Charles DiBona, Analyst bei Sandford C. Berstein. Er hatte das unternehmen positiv mit „outperform“ bewertet.

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