MySpace setzt auf Downloads und Mobile

Das Facelift Mitte Juni war erst der Anfang: Stück für Stück soll die Social Community – ähnlich Yahoo – zur persönlichen Startseite ausgebaut werden. Eine wichtige Rolle neben Web-TV-Serien und Musik-Downloads spielen Mobile-Angebote, mit denen MySpace bereits jetzt erste Erlöse erzielt. Joel Berger, Managing Director von MySpace Deutschland, spricht im MEEDIA-Interview über kommende Features, das Selbstbild von MySpace und künftige Einnahmequellen.

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MySpace galt bisher eher als „Kiddie-Portal“. Im Juni wurde die Seite relauncht. Will man nun mehr ältere User ansprechen?

Nein, nicht unbedingt. Wir haben mit dem Relaunch keine Änderungen in unserer Zielgruppe vorgenommen, sondern wir wollten einfacher zu nutzen sein. Das alte Design war jetzt ein paar Jahre drauf und sah nicht mehr so richtig frisch und aktuell aus. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, zu aktualisieren. Unser Durchschnittsalter ist in Deutschland etwa 25, die meisten Nutzer sind in der Altersgruppe 22 bis 23 Jahre. Weltweit ist es im Grunde nicht viel anders.

Hat der Relaunch schon positive Auswirkungen gehabt?

Ja, wir haben interessanterweise einen Anstieg der Aktivität unserer Nutzer feststellen können. Die User kommen öfter zurück auf die Plattform, weil man offensichtlich besser navigieren kann als in der alten Variante. Dadurch, dass wir den Registrierungsprozess verbessert haben, gibt es weniger Abbrecher als vorher. Das ist sehr schön, denn als eines unserer großen Ziele wollen wir die Verweildauer auf der Plattform verbessern.

War der Relaunch Schuld daran, dass MySpace im Juni aus der IVW gerutscht ist?

Ja, denn die IVW misst mit einem Zähl-Pixel, der auf jeder Seite drauf sein muss. Der war bei uns in die Navigation integriert. Dadurch, dass wir die Navigation geändert haben, ist in der neuen Version das Pixel rausgeflogen. Ab Relaunch wurde für etwa drei Wochen das Pixel nicht ausgeliefert, also gleich null Zähler in der IVW, und wir wollten nicht nur den halben Monat ausweisen. Es ist jetzt wieder drin, den Juli werden wir also auf jeden Fall ausweisen können. Es fehlen dann zwar auch noch ein paar Tage, aber das ist jetzt halt so.

MySpace-Gründer Tom Anderson sagte kürzlich in einem Interview, er wolle MySpace zur „Startseite des Web-Browsers machen“, ähnlich wie Yahoo. Was ist damit gemeint?

Die Idee ist im Grunde, dass wir in Kollaboration mit anderen Websites alle Inhalte, die für unsere Nutzer relevant sind, auch auf MySpace holen können. Wir haben ein Programm, wo man kleine Anwendungen oder Widgets einbinden kann, beispielsweise News oder Bilder von anderen Seiten. Oder man kann sich Feeds auf sein MySpace-Profil ziehen, ähnlich wie bei iGoogle oder Pageflakes, wo man sich seine eigene persönliche Seite zusammen bauen kann. Man muss dann nicht mehr an zehn verschiedene Plätze gehen, um sich seine Informationen zu holen. Dafür gibt es Applications und ein Projekt namens „Post-To“, das schon relativ viele deutsche Sites eingebaut haben. Auch YouTube, Clipfish und MyVideo haben jeweils einen MySpace-Button unter ihren Videos, mit einem Klick kann ich diese Videos auf meine MySpace-Seite stellen.

Gibt es Projekte zur Profil-Integration in andere Social Networks?

Wir starten jetzt gerade ein Programm mit Yahoo und Ebay namens „Data Availability“, also Datenverfügbarkeit. Darüber kann man seine Profil-Daten auch auf diesen Plattformen hinterlegen. Das wird so aussehen, dass ich per Knopfdruck meine MySpace-Daten zu Yahoo oder Ebay bringe, ich muss dort also nicht alles neu eingeben.

Wird man später auch seine Nutzerdaten auf andere Social Networks übertragen oder seine Profildaten über openID austauschen können?

Die Grenze bei diesen Überlegungen ist immer der Datenschutz. Uns sind Datenschutz und der Schutz des einzelnen Nutzers extrem wichtig, insofern darf man es auch nicht übertreiben mit den Exportierbarkeiten. Die „Data Availability“, die wir jetzt mit Yahoo und Ebay starten, ist ein erster Schritt, wo wir auch sehen wollen, inwieweit so etwas überhaupt gewünscht ist. Wenn sich das sozusagen als „Killer Application“ herausstellen sollte, bin ich sicher, werden wir auch in eine solche Richtung gehen können. Aber im Sinne des User-Schutzes ist es erstmal nicht geplant.

Wird es einen weiteren Relaunch geben, wenn diese Tools stehen, oder soll Stück für Stück „nachgerüstet“ werden?

Stück für Stück – der Relaunch ist mit dem neuen Design noch nicht abgeschlossen. Im Grunde ist es ein ständiger Relaunch, wir fügen immer mal wieder neue Funktionen hinzu und verbessern bereits vorhandene.

Egal, wo man hinguckt, Video-Inhalte spielen eine immer größere Rolle. MySpace setzt mit der Soap-Serie „They call us Candy Girls“ auf Web-TV, ab 22. Juli gibt es die neue Serie „Preußisch Gangstar“, die im Hip-Hop-Milieu spielt. Ist das nur der Anfang?

Video ist ein sehr, sehr starkes Thema im Internet allgemein, aber eben auch in Social Networks. Video wird nicht nur zur Unterhaltung genutzt, sondern auch zur Selbstinszenierung, was ein wichtiger Bestandteil von MySpace ist. Man stellt sich dar und zeigt seinen Freunden, wer man ist oder wer man sein will, und dazu ist Video gut geeignet. 70 Prozent aller Videos werden auf individuellen Nutzer-Profilen geguckt, nicht auf der Videoseite.

Der Erfolg der Serie „Candy-Girls“ war groß …

Sogar sehr groß. Wir hatten bestimmte Ziele, als wir damit angefangen haben: Wir wollten mehr Nutzer haben, und wir hatten dann auch einen direkten und deutlich darauf zurückzuführenden Anstieg in den Neuregistrierungen. Es gab insgesamt mehr Traffic auf der Seite – unser zweites Ziel; und als drittes wollten wir einen starken Case für die Vermarktung haben, um ein Zeichen in Richtung Monetarisierbarkeit zu setzen. Auch das ist uns mit Levi’s sehr gut gelungen. Letztes Ziel war es, etwas mehr mediale Aufmerksamkeit für MySpace zu erlangen, um zu zeigen, dass wir lokal angekommen sind in Deutschland. Wir sind in der AGOF mit 4,6 Millionen Uniques und in der IVW, aber bei vielen Werbetreibenden war noch nicht ganz durchgesickert, dass wir hier sind und was wir eigentlich machen. Ich denke, mit drei Seiten im „Spiegel“ für „Candy Girls“ und vielen anderen großen Publikationen sind wir ganz gut gelandet.

Stichwort Monetarisierung: Schreiben Sie schon schwarze Zahlen?

Wir dürfen ja nie über Zahlen reden, da wir Teil von News Corp. sind. Aber wir sind schon sehr zufrieden, wie es läuft.

Womit wollen Sie künftig Geld verdienen? Es gibt ja bereits eine Vielzahl von Kooperationen, unter anderem mit Brigitte.de, Bym.de und Gala.de für den „MySpace Laufsteg“ oder Band- und Musikpromotion.

Wir sind zu hundert Prozent werbefinanziert. Im Herbst werden wir unser Musik-Joint-Venture starten, mit den großen Plattenfirmen Warner, SonyBMG und Universal. Man wird Musik dann downloaden können. Wir wollen Musik aber auch auf allen anderen Wegen monetarisieren, sprich: Musikvideos mit Werbung oder Pre-Listenings von CDs mit Werbung oder gesponsert. Generell stützen wir uns sehr stark auf Werbung als Haupteinnahmequelle. Was wir in Deutschland auch schon viele Male sehr erfolgreich gemacht haben, sind sogenannte „Branded Communities“, die wir für Werbetreibende aufgebaut haben. Das hat mit Jägermeister  angefangen, inzwischen haben wir schon 30 von diesen Communities für alle großen Werbetreibende gebaut, von Wrigley’s über McDonald’s bis hin zu Vodafone. Wir werden das auch weiterführen, dieses grundsätzlich neue Kommunikations-Tool des Community-Marketings oder Social Marketings, das hier in Deutschland noch nicht so ganz verbreitet ist.

Wie sieht sich MySpace im Vergleich zu Wettbewerbern wie Facebook oder Yahoo?

Ich denke, dass wir mit MySpace relativ einzigartig positioniert sind. Wir haben drei Säulen: Die Kommunikation und die Interaktion – also das klassische Networking, das man bei vielen Seiten findet –  ergänzen wir um den Bereich Selbstinszenierung. Ich stehe also nicht nur mit Foto und meinen Hobbys da, sondern ich kann mein Profil auch sehr individuell gestalten. Und wir sind ein Tool für Entdeckungen, also man findet bei uns neue Musik, neue Filme, neue Literatur, Kunst, Kino, Fotografie. Ich glaube, dass wir so ein sehr nachhaltiges Modell haben, weil wir damit mehr Dinge anbieten als eine vergleichbare Community.

Welche Features kommen demnächst?

Generell gibt es eine Hinwendung zu Mobile. Wir haben jetzt gerade die iPhone-Application gelauncht, in den nächsten Wochen kommen relativ viele weitere hinzu. Unter anderem eine neue WAP-Site und Anbindungen an Operator-Portale. Da wird sich viel tun, weil wir glauben, dass mittelfristig sehr viele Zugriffe auf MySpace über mobile Geräte kommen werden.

Eine Technik, die sich derzeit noch nicht jeder leisten kann in Ihrer relativen jungen Zielgruppe.

Ja, das ist sicher einer der limitierenden Faktoren, dass die mobilen Flatrates noch nicht so weit verbreitet sind. Aber Coca Cola kauft bei uns bereits mobile Reichweite, von daher gibt es schon signifikanten Traffic und somit auch schon die ersten Erlöse.

Herr Berger, Sie haben ein eigenes MySpace-Profil. Wofür nutzen Sie die Seite persönlich?

Ich nutze sie in erster Linie geschäftlich, obwohl das im Grunde ein bisschen widersprüchlich ist. Einfach um zu sehen, ob alles funktioniert. Aber ich mache auch relativ viele private Sachen. Ich bin natürlich in einer Altersgruppe, wo nicht alle meine Freunde auch auf MySpace sind. Aber es sind doch einige, und da macht es Spaß, sich zu vernetzen und zu schauen, was der andere gerade so treibt.

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