Harter Schlag gegen DFL und Kirch

Das Bundeskartellamt hat der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eine eindeutige Absage erteilt: Das von DFL und Leo Kirchs Unternehmen Sirius vorgeschlagene Vermarktungsmodell der Fußball-Bundesliga genüge nicht kartellrechtlichen Anforderungen. Die Reaktionen auf die Entscheidung des Kartellamts fallen höchst unterschiedlich aus. Während WDR-Intendantin Monika Piel die jetzige Entwicklung lobt, hagelt es Kritik von Seiten der Vereine.

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„Das ist ein Schlag ins Kontor für den deutschen Profifußball“, poltert Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Ähnlich harsch äußern sich Verantwortliche anderer Vereine über die Absage des Bundeskartellamts. Kein Wunder: Für die deutschen Fußballclubs wird die Entscheidung deutliche finanzielle Einbußen in den nächsten Jahren bedeuten.

Erfreut zeigte sich hingegen WDR-Intendantin Monika Piel: „Das ist ein Glückstag für alle Fußballfans.“ Der stellvertretende Chefredakteur des Fußballmagazins „Elf Freunde“ betrachtet die Situation differenzierter. Vor allem kleine Vereine hätten mit Einnahmeverlusten zu rechnen, für die Zuschauer sind die Vorgaben des Kartellamts aber sicher die „angenehmste und einfachste Variante“. Bislang nicht äußern wollte sich auf Anfrage von MEEDIA HSV-Boss Bernd Hoffmann. Er hatte als einziger im Vorfeld die Zentralvermarktung von DFL und Kirch kritisiert und dafür auch Anerkennung geerntet.

Schon seit Monaten brodelt der Streit um die Vermarktung der Fußball-Fernsehrechte. Die heutige Entscheidung dürfte die DFL und Leo Kirch hart treffen: Das vorgelegte Modell entspreche nicht den kartellrechtlichen Anforderungen einer angemessenen Verbraucher-Beteiligung, so der Präsident des Kartellamts, Bernhard Heitzer. Konkret heißt das: Ein Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, sportlichen und Zuschauerinteressen im Sinne der Kartellis ist durch die Zentralvermarktung von DFL und Sirius nicht gewährleistet.

Streit hatte es besonders um die Sendezeiten der Spielzusammenfassungen im Free-TV gegeben. Das Kartellamt forderte eine Ausstrahlung vor 20 Uhr; Sirius wollte die Samstagsspiele jedoch exklusiv im Bezahlfernsehen vermarkten und erst spät abends im frei empfangbaren Fernsehen senden.

Ebenso kritisch sah das Kartellamt das Vorhaben, den Sendern vorgefertigte Live-Berichterstattung anzubieten. Meinungs- und Pressefreiheit könnten dadurch eingeschränkt werden. Vor allem aber könnten durch die aufgesplitterte Vermarktung die Rechte wesentlich teurer werden – und dieser Preisanstieg würde dann an den Zuschauer weitergegeben.

In den letzten Tagen setzte die DFL alles daran, doch noch eine Einigung mit dem Kartellamt zu erreichen und besserte nach. Ihre Vertragsvarianten konnten jedoch nicht überzeugen: „Mit dem neuen Vorschlag der DFL hätten sich die Rahmenbedingungen deutlich zulasten der Verbraucher verschlechtert“, so Bernhard Heitzer.

Die Entscheidung des Kartellamts hat für alle Seiten weitreichende Folgen: Die deutschen Proficlubs fürchten um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Leo Kirchs vollmundiges Versprechen an die Vereine, drei Milliarden Euro in den kommenden sechs Jahren einzunehmen, wird hinfällig. Ob der Medienmogul überhaupt noch mit im Boot bleibt, ist höchst fraglich.

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