„Wir verzerren den Wettbewerb nicht“

Die MEEDIA-Analyse hat es gezeigt: Google liebt Welt Online. Kein Nachrichtenportal wird von Google-News häufiger verlinkt. Die Konkurrenz diskutiert über die Erfolgsgründe des Springer-Portals und vermutet, dass hinter dem "Welt"-Erfolg eine Vielzahl listiger und hinterlistiger Kniffe steckt. Im MEEDIA-Interview räumt Robert Bosch, Mitglied der "Welt"-Verlagsgeschäftsführung, mit den Vorwürfen auf: "Die Unterstellung, wir würden den Wettbewerb verzerren, entbehrt jeglicher Grundlage".

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Die aktuelle MEEDIA-Auswertung von Google-News zeigt: Kein
Nachrichtenportal wird so gut gefunden und verlinkt wie Welt Online?

Genau darum geht es uns. Die User sollen uns finden. Werden sie nicht fündig, sind sie enttäuscht. Und niemand möchte enttäuscht werden.

Die Konkurrenz schaut neidisch auf die „Welt“ und glaubt, dass sie sich besonders listiger oder sogar hinterlistiger Kniffe bedienen.
Die Unterstellung, wir würden den Wettbewerb verzerren, entbehrt jeglicher Grundlage. Ich bin allerdings der Auffassung, dass es die Pflicht eines aktuellen Mediums ist, seine Informationen so breit wie möglich  zugänglich zu machen.

Was machen Sie besser als die Konkurrenten?
In allererster Linie haben wir ein umfangreiches Content-Angebot. Darin sind wir konsequent. Darüber hinaus beachten wir notwendige Kleinigkeiten: Die Seite muss richtig vertaggt sein, die Description-Texte müssen übereinstimmen und auch die Titeltags müssen sitzen. Dann geht es noch darum, eine Seitenstruktur zu schaffen, die der Suchmaschine hilft, die Seite zu finden.

Welt Online gilt als Content-Maschine. Kein Konkurrent produziert so viele Texte.
Das stimmt. Unsere Site bietet täglich bis zu 300 neue Meldungen. Da sieht auch Google: Hier passiert viel.

Versuchen Sie ein besonders breites Angebot zu produzieren, um möglichst viele, spitze Zielgruppen zu erreichen? Also den sogenannten Longtail-Effekt?
Nein. Das ist ein Effekt aus der Newsroomstruktur und unserer Online-First-Strategie. Wir haben 400 Journalisten, die für unsere Zeitungsgruppe arbeiten. Die sorgen täglich für jede Menge hervorragenden Content.

Es hält sich das Gerücht, dass bei Ihnen direkt in der Redaktion spezialisierte Suchmaschinen-Optimierer sitzen. Stimmt das?
Das ist schlichtweg falsch und ein sehr dummes Gerücht.

 
Dafür sind die Redakteure dann aber wenigstens aufwändig geschult?
Vor allem wissen sie, wie die Leser im Internet suchen. Und jeder Redakteur hat schließlich den Wunsch, dass seine Artikel gelesen werden. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein Redakteur berichtet über die Uhrenmesse in Basel. Wenn er nun die Headline „Navigationsgeräte durch Zeit und Raum“ wählt, dann wird der Artikel sicher von jemandem gefunden, der bei Google „Navigationsgeräte“ eingibt – aber ganz sicher nicht von einem Uhrenfan. Die Folge wäre, dass dieser Leser unglücklich wäre, weil er nicht findet, was er sucht. Google wäre unglücklich, weil man den Nutzer nicht zufrieden stellen konnte. Und der Redakteur wäre unglücklich, weil sein Artikel nicht gelesen wird.

Wie muss die Headline dann lauten?
Es müssten zumindest die Worte „Armbanduhr“, „Uhrenmesse“ oder „Basel“ vorkommen. Dafür braucht man keine großen Schulungen. Da reichen journalistisches Grundverständnis und gesunder Menschenverstand.

 
Stellen Sie da Ihr Licht nicht unter den Scheffel? Das klingt so, als ob ihre Leute intuitiv alles richtig machen, während die Konkurrenz zu dumm dazu wäre?
Wir schauen nicht so sehr auf die Konkurrenz. Unsere Redakteure haben den Ehrgeiz, besonders gut auffindbare Artikel zu schreiben. Dazu stellen wir das wohl modernste Content-Management-System bereit, das es uns ermöglicht, sauber programmierte Seiten hochzuladen.

 
Was ist also ihr Geheimrezept?
Wir haben kein Geheimrezept. Unser Erfolg ist das Zusammenspiel eines ganzen Orchesters: Er basiert auf einer konsequenten Umsetzung von „Online First“, dem Newsroom mit 400 Journalisten, die täglich bis zu 300 Meldungen publizieren, und einer ausgereiften Technik. Wichtig ist, dass unsere Redaktion gute Texte mit gut auffindbaren Überschriften schreibt.

 
Lohnt sich der ganze Aufwand? Verdient Welt Online Geld?
Die Welt-Gruppe ist eine Medienmarke über alle Kanäle hinweg und wir sagen mit Stolz: Sie ist nachhaltig profitabel.

Was ärgert Sie an der Diskussion um den „Welt“-Erfolg am meisten?

Dass viele Leute SEM von SEO nicht auseinander halten können. Nebenbei gesagt: Unser finanzieller Aufwand für Suchmachinen-Marketing liegt unter einem Prozent unseres gesamten Marketing-Etats. Dazu ärgert mich noch, dass SEM-Traffic nicht so viel Wert sein soll wie normaler Traffic. Das Gegenteil ist der Fall: Traffic aus Suchmaschinen-Marketing ist zum Teil sogar wertvoller. Zumindest, wenn ich das richtige Suchwort belege. Ein Beispiel: Wenn ich „Detroit Motorshow“ belege und der Nutzer findet dann einen Artikel dazu inklusive Galerie und Messe-Highlights, dann sind alle glücklich. Der Nutzer hat seine gewünschten Informationen gefunden. Die Seite hat einen Besucher mehr. Und unsere Werbekunden erreichen exakt ihre Zielgruppe.

Dann ist es ja richtig dumm, dass sie nur so wenig Geld für SEM ausgeben?
Das Geheimnis liegt im Einkauf. Das lohnt sich nicht um jeden Preis.

Das Interview führte Alexander Becker.

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