Yahoo-Kompromiss: Putschist ist an Bord

Nach dem Kompromiss zwischen Yahoo und seinem Aktionär Carl Icahn zeigte sich Yahoo-Chef Jerry Yang zuversichtlich. Der "proxy contest" sei nun passé, man könne sich wieder auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Hat er Grund, optimistisch zu sein? Wollte Yang sich selber Mut machen? Carl Icahn bewies in der Vergangenheit, dass er aus einer Minderheiten- Position großen Einfluss über ein Unternehmen auszuüben versteht. Yahoo, insbesondere Jerry Yang sollten sich auf einschneidende Änderungen gefasst machen.

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Obwohl er nur fünf Prozent hält, gesteht Yahoo seinem Aktionär Icahn nun einen Sitz im von acht auf elf Mitglieder erweiterten Aufsichtsrat zu. Zwei Mitglieder wählt Yahoo zudem aus einer Liste mit neun Namen aus, die Icahn vorschlägt. Einen Tag nach dem Kompromiss lässt sich aus der Perspektive des „Wall Street Journal“ ein nüchterner Blick auf die möglichen Folgen werfen.

Wie der kämpferische 72-Jährige trotz einer kleinen Beteiligung die Geschicke eines Unternehmens beeinflussen und steuern kann, zeigt das Beispiel Blockbusters Inc.. Icahn besaß 14 Prozent an der Videoverleih-Kette, über einen proxy contest (Kampf um Stimmrechte) schaffte er es, in den Vorstand aufgenommen zu werden und drei Sitze zu kontrollieren. Seither, so „WJS“ geschieht bei Blockbusters kaum etwas ohne seinen Segen.

Icahn schreckte nicht davor zurück, Entscheidungen über Monate hinauszuzögern oder ganz zu blockieren. Mittlerweile haben der CEO und der größte Teil der Managementspitze das Unternehmen verlassen. Die Vorstandsitzungen finden nicht mehr im Konzernsitz in Dallas statt, sondern in New York. Icahn verlässt ungern seinen Wohnsitz an der Ostküste. Insider sagen, er seine Stärke sei Investieren, nicht Firmenstrategie oder Management.

Bei Motorola erzwang Icahn ebenfalls über einen proxy contest, dass zwei ihm loyale Vertreter in den Vorstand gelangten; außerdem hatte er Einfluss bei der Ernennung eines neuen Leiters der Mobil-Sparte.

Carl Icahn selbst kennt seine Macht genau: „Ich glaube, dass auch die Position einer Minderheitsbeteiligung sehr bedeutend sein kann“, sagte er kurz nach dem Yahoo-Kompromiss.

Dabei fallen die Forderungen des Aktionärs gerne unbescheiden aus. Kurz nachdem Microsoft am 15. Mai sein Übernahmeangebot zum Preis von 33 Dollar pro Aktie zurückgezogen hatte, startete Icahn seine Kampagne gegen die Yahoo-Führung. Er sprach öffentlich von „Sabotage“, wollte den gesamten Vorstand auswechseln, um einen „erfahreneren“ Ersatz für Yang zu finden habe er bereits Gespräche geführt.

Von seinen Vorstellungen ist Icahn auch nach der Einigung mit Yahoo nicht abgerückt. Er wird den Verkauf des gesamten Unternehmens oder zumindest der Internet-Sparte an Microsoft weiter verfolgen. Der Kompromiss erlaube ihm, „dem Unternehmen dabei zu helfen, sein ganzes Potential zu erreichen“. Dazu gehöre es, Yahoos „Vorsprung im Online-Geschäft weiter auszubauen und die Gewinne für die Aktionäre zu steigern“.

Unverhohlen erfreut zeigte sich Icahn darüber, dass „jede bedeutende Transaktion vor einer endgültigen Entscheidung mit dem gesamten Vorstand abgesprochen wird“. Es ist die strategische Mischung aus verdecktem und offenem Agieren, die den Aktionär für das Yahoo-Establishment so gefährlich macht.

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