Krisenstimmung bei den Frauen-Weeklies

Ein weiteres dramatisches Quartal für die wöchentlichen Frauenzeitschriften: Über 900.000 Hefte weniger verkauften die 34 von der IVW gemessenen Zeitschriften - ein heftiges Minus von 7,7%. Größte Verlierer: Bauers "Alles für die Frau" mit einem Verlust von 32,2%, Springers "Frau von heute" (-25,1%) und Burdas "neue woche" (-17,1%). Größte Gewinner des Quartals: Interviewmagazin "Galore" mit einem Plus von 129,1%, "LandLust" mit einem Zuwachs von 85,1% und "auto tests" (+64,9%).

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„LandLust“ verkauft damit nun 317.085 Stück – ein neuer Rekordwert für das sympathische Magazin. Nach absoluten Zahlen gerechnet sieht die Liste der größten Gewinner etwas anders aus. Hier liegt das Supplement „rtv“ vorn, das seine verkaufte Auflage aufgrund des Deals mit der „WAZ“ – „rtv“ liegt seit Beginn des Jahres acht „WAZ“-Ablegern bei – im Vergleich zum zweiten Quartal 2007 um 1,66 Mio. (21,1%) steigern konnte. Zu den großen Gewinnern gehört zum wiederholten Male auch Axel Springers „TV Digital“: Das Programmie legte um 172.850 verkaufte Hefte (9,3%) zu. Die komplette Top Ten der größten IVW-Gewinner des zweiten Quartals sieht damit so aus:

Auch auf der Verlierer-Seite befinden sich nach absoluten Zahlen gerechnet ein paar Programmzeitschriften auf den vorderen Plätzen. „TV Movie“ büßte im Vergleich zum Vorjahr 166.821 verkaufte Hefte (9,1%) ein und liegt nun bei 1,66 Mio., die wöchentlichen Titel „Auf einen Blick“, „Hörzu“ und „TV Hören und Sehen“ verloren zwischen 95.000 und 70.000 Stück. In der Top Ten tauchen drei Vertreter des Verlierer-Segments der wöchentlichen Frauentitel auf: „Alles für die Frau“, „Frau von heute“ und „Neue Post“. Möbelhändler Ikea hat unterdessen rund 2 Mio. Exemplare weniger von seinem Magazin „Family Live“ verteilt und führt damit die Verlierer-Liste an. Auch hier wieder die komplette Top Ten:

Zur Verdeutlichung der Situation im Markt der wöchentlichen Frauenzeitschriften zeigen wir die Top 20 des Segments:

Wie Sie sehen, haben 19 der 20 Titel bei der verkauften Auflage eingebüßt, sechs davon sogar mit einem Minus im zweistelligen Prozentbereich. Einzig „Freizeitspass“ kam mit einem Mini-Plus von 0,6% glimpflich davon. Ein Grund für die Krise in der Branche: Die Frauen-Weeklies sind wie kaum ein anderes Segment abhängig vom Einzelverkauf am Kiosk. Geben die Menschen insgesamt weniger Geld aus, um zu sparen, leiden solche Titel am schnellsten.

Nicht ganz so dramatisch, aber auch nicht gut sieht es bei den aktuellen Zeitschriften und Magazinen aus. Auch hier sind die Verlierer in der Überzahl:

Neben dem „Focus“, dessen Plus von 5,7% wir bereits an anderer Stelle thematisiert haben, gewannen auch „InTouch“ und „Neon“ hinzu. „Neon“ schubste damit sogar die „Revue“ aus der Top Ten, die in Kürze auf dem Friedhof der Zeitschriftenbranche landen wird. Keinen Platz in der Top Ten hat weiterhin auch „Vanity Fair“. Da das Condé-Nast-Magazin seine Auflage erst seit dem dritten Quartal 2007 von der IVW ausweisen lässt, liegen dort zwar keine Vorjahresvergleichswerte vor, die 190.585 verkauften Hefte sind allerdings ein paar weniger als in den beiden vorigen Quartalen.

In der Top 20 der Publikumszeitschriften führt wie seit vielen Jahren unangefochten die „ADAC Motorwelt“ – trotz eines kleinen Verlustes von 0,4% mit weiterhin mehr als 13 Mio. verkauften bzw. an die Mitglieder versendeten Heften. „rtv“ könnte auf Platz 2 liegend demnächst erstmals die 10-Mio.-Mauer durchbrechen:

Bereinigt um die vielen Mitgliederzeitschriften, kostenlosen Magazine und Supplements ergibt sich ein klarer Blick auf die am Kiosk erhältlichen Titel:

Allen Unkenrufen zum Trotz wird die Liste also weiterhin sehr stark von Programmzeitschriften dominiert. Allein auf den ersten acht Plätzen finden sich sieben TV-Magazine – nur die „Bild am Sonntag“ hat sich dazwischen gedrängt. Auch in dieser Top 20 sind die Verlierer in der deutlichen Mehrheit. 15 der 20 Bestseller haben im zweiten Quartal Auflage verloren, nur fünf – „TV 14“, „TV Digital“, „TV Direkt“, „Focus“ und „Computer Bild“ haben zugelegt.

Weitere interessante Aspekte der IVW-Publikumszeitschriften-Auflagen im Schnelldurchlauf:

– Während die 14-täglichen Programmzeitschriften sogar leicht hinzugewannen, büßten die wöchentlichen Klassiker erneut ein – um 3,2%.

– Im Gegensatz zu den wöchentlichen Frauentiteln liegen die 14-täglichen Magazine („Brigitte“, „Freundin“, „Für Sie“ und „Glamour“) äußerst stabil im Markt. Die letztgenannten drei gewannen, „Brigitte“ verlor 0,9%.

– Bei den monatlichen Frauenzeitschriften gehören drei junge Titel zu den größten Verlierern: „Jolie“ (-22,1%), „Young“ (-20,3%) und „Celebrity“ (-12,5%).

– Der Niedergang der „Bravo“ ist – zumindest in diesem Quartal – gestoppt: 442.967 Hefte gingen pro Ausgabe über die Ladentische, 3,1% mehr als im Vorjahreszeitraum.

– Verlierer gibt es bei den Jugendzeitschriften dennoch zu Hauf: „Sugar“ büßte dramatische 66,1% ein, das „Gute Zeiten, schlechte Zeiten Magazin“ 47,8%. Deutlich gewonnen hat dagegen „Hey!“: 38,3%.

– Bei den Kinderzeitschriften verloren einige Klassiker im zweistelligen Prozentbereich: „Barbie“, „Bibi Blocksberg“, Biene Maja“, „Bob, der Baumeister“, „Käpt’n Blaubär“, das „Schlumpf Magazin“ und „Wendy“.

– Aufwind hingegen im Markt der Gartenzeitschriften. Fast alle Titel verkauften mehr Hefte als im Vorjahr, am meisten profitierten „Gärtnern leicht gemacht“ (+20,5%) und „Grün“ (+20,7%).

– Der positive Trend der Ess-Zeitschriften geht zu Ende: „Essen & Trinken“ verlor wie die Mehrheit der Konkurrenten deutlich.

– Bei den Musikzeitschriften verlor das Axel-Springer-Trio „Rolling Stone“, „Musikexpress“ und „Metal Hammer“ zwischen 2,0% und 10,2%, „Visions“ holt mit einem Plus von 35,8% hingegen kräftig auf.

– Licht und Schatten bei den Automagazinen: „auto tests“ gehört wie erwähnt zu den größten Gewinnern des Quartals, Marktführer „auto motor und sport“ verliert hingegen 4,3%.

– „kicker“ und „Sport Bild“ profitieren kein bisschen von der Fußball-EM. Dem Montags-„kicker“ gingen 1,6% der verkauften Auflage abhanden, der „Sport Bild“ sogar 5,0%.

– Dramatsiche Situation bei den Video-, Audio- und Fotozeitschriften: „Audio Video Foto Bild“ verlor heftige 26,2%, ebenso das „DVD Magazin“. „autohifi“ büßte 14,7% ein, „SFT“ 10,5%.

– Bei den Wissensmagazinen gewannen vor allem „Spektrum der Wissenschaft“, „Welt der Wunder“ und „Zeit Wissen“ deutlich, bei den Reisezeitschriften „Geo Special“.

– Das Segment der Computer- und Videospielezeitschriften rast weiter in Richtung Abgrund: „Bravo Screenfun“ verliert 60,5% (!), „PC Action“ 21,5%, „PC Games“ 20,4%, „Computer Bild Spiele“ 17,5%, „GameStar“ 14,9% und „GamePro“ 14,8%.

– In der Wirtschaftspresse ist die Lage insgesamt in Ordnung. „Wirtschaftswoche“ und „Capital“ gewinnen leicht, „Brand Eins“ deutlich. Große Verlierer: „Wertpapier“ (-12,5%) und „Guter Rat“ (-9,1%).

– Bei den Wochen- und Sonntagszeitungen verlieren „Zeit“ (-2,3%) und „Welt am Sonntag“ (-0,6%), die Auflage der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ist noch nicht bekannt.

Zum Schluss noch der Blick auf die überregionalen Tageszeitungen, deren Auflagen bereits bekannt sind:

Hier überwiegen also die Gewinner – wenn auch knapp mit 4:3. Die „Bild“ hat mit 2,8% ähnlich deutlich wie die „FTD“ und die „taz“ verloren, die anderen vier haben einmütig zwischen 1,0% und 1,5% hinzugewonnen.

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