Erbitterter Kampf um den Nachrichtenthron

Während ARD und ZDF das Nachrichtengeschäft im Gesamtpublikum noch dominieren und lediglich Peter Kloeppels "RTL aktuell" Gefahr bringt, bröckeln die Zuschauerzahlen der Öffentlich-Rechtlichen bei den 14- bis 49-Jährigen ungebremst. In der Nachrichten-Top-Ten des jungen Publikums finden sich schon sechs Formate aus dem Privat-TV, die "RTL II News" sind mittlerweile populärer als die "Tagesthemen". Ganz bitter sieht es in allen Zuschauergruppen für das "Nachtmagazin" aus.

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Im Gesamtpublikum ist die Welt für ARD und ZDF noch relativ in Ordnung. Die „Tagesschau“ war in der TV-Saison 2007/08 mit durchschnittlich 5,38 Mio. Zuschauern die unangefochtene Nummer 1 des Genres. Auch die 19-Uhr-„heute-„Nachrichten“ liegen – wenn auch recht knapp – noch vor der privaten Konkurrenz. 3,98 Mio. sahen „heute“ im Durchschnitt, 3,94 Mio. „RTL aktuell“:

Wie unser Ranking zeigt, dominieren ARD und ZDF auch auf den weiteren Plätzen: Das „heute-journal“ liegt mit recht guten 3,37 Mio. Zuschauern deutlich vor den „Tagesthemen“, dahinter folgen verschiedene Nachmittags-Ausgaben von „Tagesschau“ und „heute“. Dazwischen schieben konnten sich lediglich die „Sat.1 Nachrichten“ (zuvor: „Sat.1 News“) und die ProSieben-„Newstime“.

So weit, so gut. Interessant wird es aber bei einem Blick auf die Nachrichtenquoten der 14- bis 49-Jährigen. Dort wird nämlich die teilweise dramatische Situation der öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen deutlich. Der Sieger, „RTL aktuell“, ist dabei gar nicht mal die große Überraschung – auf dem Platz befand sich Peter Kloeppels Sendung auch in den vergangenen Jahren schon. Interessanter wird es, wenn man sich den Vergleich mit der Saison 2006/07 anschaut: Während „RTL aktuell“ dabei im Durchschnitt 90.000 junge Zuschauer gewann, gingen der „Tagesschau“ auf Platz 2 durchschnittlich 110.000 Seher bei den 14- bis 49-Jährigen verloren. Der Rückstand auf „RTL aktuell“ ist mit 300.000 jungen Zuschauern so groß wie nie zuvor. Da hilft auch das Standardargument der ARD, man zeige die „Tagesschau“ ja auch auf ganz vielen anderen Sendern, wie den Dritten, Phoenix & Co. und insgesamt sei die Zuschauerzahl doch viel höher, nichts. Würde „RTL aktuell“ auf 15 anderen Kanälen ausgestrahlt, gäbe es auch dort noch mehr Zuschauer.

Wie Sie in unserer Tabelle sehen, sieht es ab Platz 3 noch dramatischer für die Nachrichten von ARD und ZDF aus: Das „RTL-Nachtjournal“ hatte in der abgelaufenen TV-Saison mehr Zuschauer als das „heute-journal“, vor den „Tagesthemen“ finden sich sogar auch noch die ProSieben-„Newstime“, die „RTL II News“, die korrekterweise eigentlich eher als Boulevard-Magazin statt als Nachrichtensendung bezeichnet werden müssten, sowie die „Sat.1 Nachrichten“. Die „Tagesthemen“, die wie eine MEEDIA-Analyse kürzlich gezeigt hat, von Jahr zu Jahr Zuschauer verlieren, fällt mit nur noch 500.000 Zuschauern im Alter von 14 bis 49 damit langsam in Richtung Bedeutungslosigkeit.

Dass aber auch aufgesetzte Jugendlichkeit nichts gegen die Zuschauermisere der öffentlich-rechtlichen News ausrichten kann, zeigt das Beispiel „Nachtmagazin“. Die Sendung des Ersten, die mit einem jüngeren, lockeren Ansatz gerade auch jüngeres Publikum anlocken soll, ist bei den 14- bis 49-Jährigen die erfolgloseste Nachrichtensendung der ARD, liegt mit nur 180.000 jungen Zuschauern, einem Marktanteil von 4,9% und dem 21. Platz weit außerhalb unserer Top 15. Selbst die „RTL-Nachtjournal“-Wiederholungen um 3 Uhr nachts haben mehr Zuschauer. Nicht nur das: Mit dem pseudo-jüngeren Ansatz vergrault man anscheinend auch die Älteren: Mit 8,3% ist das „Nachtmagazin“ auch im Gesamtpublikum die erfolgloseste Nachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Außer „RTL aktuell“ profitiert aber kaum eine andere Nachrichtensendung der Privaten von der ARD- und ZDF-Schwäche. So haben z.B. auch die „Sat.1 Nachrichten“ nach ihrer Umbenennung und der Verlegung auf 20 Uhr Zuschauer verloren. Es scheint also, als würde das jüngere Publikum die vergleichswiese inaktuellen Nachrichtensendungen im Fernsehen allmählich aufgeben und sich seine Informationen lieber aus dem schnelleren Internet holen.

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