„Berliner Zeitung“ verliert 15.000 Abos

Die umstrittene Unternehmenspolitik und der Wirbel in den Medien zeigen nun auch ihre Wirkung in der Leserschaft: Ausgerechnet die "Berliner Zeitung" ist der größte Verlierer bei den IVW-Auflagen der Tageszeitungen. So gingen innerhalb eines Jahres 14.975 Abonnenten verloren - ein heftiges Minus von 11,4%. Hinzu kommt ein Schwund beim Kioskverkauf von 1.050 Exemplaren oder 5,3%. Auch dem Rest der Branche geht es nicht gut: Der Auflagen-Verlust der Tageszeitungen liegt bei rund 2,2%.

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6,2% ist das Gesamtminus der verkauften Auflage der „Berliner Zeitung“. Ohne eine erhöhte Verteilung von Bordexemplaren und gesteigerte Sonstige Verkäufe hätte es noch wesentlich bitterer ausgesehen für das Hauptstadtblatt. Wie dramatisch dieser Verlust im Abonnentenstamm ist, zeigt auch die Tatsache, dass zuvor vier Jahre nötig waren, um 15.000 Abonnenten zu verlieren – und nun nur eins. Überdurchschnittlich hoch verloren haben auch alle ostdeutschen Tageszeitungen, wie der erste Teil unserer IVW-Tabelle zeigt, in der wir die Auflagen aller wichtigen Tageszeitungen aufgelistet und nach Bundesländern sortiert haben:

Mit 4,0% und 4,2% verloren vor allem die „Mitteldeutsche Zeitung“ und die „Schweriner Volkszeitung“ deutlich. Aber auch die sieben anderen großen Zeitungen aus dem Osten liegen mit ihren Verlusten von mindestens 2,9% noch unter den Verlusten des Gesamtmarktes (2,7%). Etwas besser sieht es für die wichtigsten Zeitungen im Norden aus: Die meisten Blätter verloren dort weniger als 2% ihrer Verkauften Auflage aus dem Vorjahresquartal. Dem „Hamburger Abendblatt“ gingen beispielsweise 1,6% abhanden, der „Hamburger Morgenpost“ 0,4%, der „HAZ“ 1,7% und der „sh:z“ aus Schleswig-Holstein 1,0%:

In NRW verloren die WAZ-Mediengruppe und der vom Verlag Lensing-Wolff dominierte Verbund Mediaregion Ruhrgebiet/Westfalen 2,4% bzw. 2,5%. Auflagen für die einzelnen Zeitungen werden dort leider nicht mehr ausgewiesen. Über den größten Erfolg, wenn man ein Minus so bezeichnen darf, kann sich wohl die „Rheinische Post“ freuen: Ein Verlust von 347 verkauften Exemplaren (-0,1%) ist in der aktuellen Marktsituation absolut okay. Den einzigen tatsächlichen Gewinner finden wir in der dritten Tabelle der großen Regionalzeitungen: das Duo „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“:

823 verkaufte Zeitungen pro Ausgabe wurden in Stuttgart gewonnen, ein Plus von 0,4%. Schaut man sich die genauen Zahlen an, wird aus dem Mini-Plus aber auch hier ein kleines Minus: Der Zugewinn kommt durch Bordexemplare zustande. Dennoch, neben dem Norden sind anscheinend auch im tiefen Süden die Zeitungsleser besonders treu: Die sechs verkaufsstärksten Zeitungen aus Bayern und Baden-Württemberg verloren maximal 1,3% ihrer Aufage. Da nun also auch für die überregionalen Zeitungen die kompletten Auflagenzahlen, inklusive Abos, Einzelverkauf, Bordexemplare, etc. vorliegen, lohnt auch hier noch ein Blick:

Die Gewinne von „Frankfurter Allgemeine“, „Welt“ und „Handelsblatt“ hatten wir schon in unserer ersten IVW-Analyse vor einer Woche erwähnt, das Plus der „Frankfurter Rundschau“ war da noch nicht bekannt. Was ebenfalls noch nicht bekannt war, ist die Tatsache, dass kaum einer dieser Gewinne ein echter Erfolg ist. So gewann die „FAZ“ laut IVW 4.937 Exemplare hinzu. Betrachtet man nur die harte Auflage aus Einzelverkauf und Abos gingen allerdings 1.350 verkaufte Zeitungen verloren. Ähnlich das Bild bei der „Süddeutschen“, „Welt“ und „Welt Kompakt“: Schwindende Abos und Kiosk-Verkäufe, deutlich gesteigerte Bordexemplare. Bei den Axel-Springer-Blättern, deren Auflagen für „Welt“ und „Welt Kompakt“ leider nicht getrennt ausgewiesen werden, bestehen inzwischen nur noch 64% der verkauften Auflage aus Einzelverkauf und Abos – der Rest sind Bordexemplare und Sonstige Verkäufe.

Richtig dramatisch sieht es bei der „Frankfurter Rundschau“ aus. Das Plus von 1,1% ist nämlich sehr trügerisch. Das Blatt verlor innerhalb eines Jahres 2,7% seiner Abos und im Einzelverkauf sogar 16,9%. Eine Abstrafung der Leser für den Relaunch und die Formatänderung? Aber wie kommt denn dann ein Plus bei der verkauften Auflage zustande? Durch 19,8% mehr Sonstige Verkäufe und 29,8% mehr Bordexemplare. Heftige Zahlen. Ein tatsächliches Plus gibt es hingegen beim „Handelsblatt“: Dort stiegen Abos und Kiosk-Verkäufe, während die Bordexemplare sogar leicht zurückgeschraubt wurden. So sieht eine gesunde IVW-Entwicklung aus.

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