Dunkle Wolken über Condé Nast

Der us-amerikanische Verlag Condé Nast steht wie kein zweiter für Hochglanz-Titel wie "Vogue", "GQ" und "Vanity Fair". In einer großen Analyse hat die "New York Times" Chairman Si Newhouse porträtiert, und Fragen zur Zukunft des Hauses gestellt. So sei die Nachfolge des 80-jährigen Newhouse ungeklärt, Titel wie "Cargo" und "Vitals" seien Flops, eine klare Online-Strategie nicht zu erkennen und die Kosten schlicht zu hoch. Saus und Braus könnten bald vorbei sein und viele fürchten die Katerstimmung.

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Nach wie vor wird bei Condé Nast viel Geld in die Hand genommen. Im vergangenen Jahr startete der Verlag in den USA mit dem Wirtschaftstitel „Portfolio“ eines seiner teuersten Magazine überhaupt. Laut „New York Times“ erwarten Condé-Manager bei „Portfolio“ ein Minus von mindestens 150 Mio. Dollar in den nächsten vier bis fünf Jahren. In Deutschland soll alleine die Markteinführung der „Vanity Fair“ den Verlag laut Branchenschätzungen weit über 50 Millionen Euro gekostet haben. Frühstens 2009 soll die deutsche „VF“ schwarze Zahlen schreiben. Condé-Nasts-Deutschland-Statthalter und Vice President International, Bernd Runge, dürfte die italienische „Vanity Fair“ als Vorbild gehabt haben. Die wurde vor fünf Jahren ebenfalls mit wöchentlicher Erscheinungsweise eingeführt, hatte im vergangenen Jahr über 6.000 Anzeigenseiten und brachte über 100 Millionen Dollar Umsatz für Condé Nast. Die hoch gelobte amerikanische „VF“ dagegen war jahrelang ein Verlustbringer und schreibt erst seit Mitte der 90er Jahre schwarze Zahlen.

Teure Projekte wie die „VF“ sind zu einer Gewohnheit, fast zu einem Markenzeichen bei Condé Nast geworden. Nun geht im Hauptquartier in New York die Sorge um, dass sich dicke Verlustbringer, astronomische Gehälter für das Führungspersonal und Party-Extravaganzas in einer Zeit des medialen Umbruchs und der damit einhergehenden rückläufigen Anzeigenumsätze bald nicht mehr finanzieren lassen.

Bisher war Condé Nast stets auf der Seite der Gewinner. Luxusprodukte und ANzeigen hierfür boomen nach wie vor, auch wenn es der allgemeinen Wirtschaft schlechter geht. Im Verlag gibt es aber laut „New York Times“ lebhafte Diskussionen, wie lange sich das Geschäft mit Luxus-Anzeigen noch vom rückläufigen Markttrend abkoppeln kann. Erste Versuche, auch außerhalb des Luxus-Segments Fuß zu fassen sind Magazine wie „Domino“ oder das Einkaufs-Heft „Lucky“, die breitere Käuferschichten ansprechen.

Condé Nast ist ein Tochterunternehmen von Advance Publications, einem amerikanischen Zeitungs- und Kabelkonzern, der bisher Durststrecken des Magazin-Hauses durch gute eigene Umsätze ausgleichen konnte. Das Zeitungsgeschäft steckt in den USA aber mitten in einer Krise und Kabelfernsehen gerät durchs Internet auch stärker unter Druck.

Was den Managern bei Condé Nast zusätzlich Angst macht, ist eine fehlende Nachfolge-Regelung für Altmeister Si Newshouse. Die „New York Times“ beschreibt den 80-Jährigen als immer noch fitten älteren Herrn mit einem feinen Gespür für Details und Themen, der mit legeren Hosen und Pulli in den Verlag kommt. Fit mag er ja sein und noch ein langes Leben sei ihm zu gönnen – aber bei einem 80-Jährigen ist die Frage nach einer Nachfolge-Regelung durchaus legitim.

Sein Bruder Donald, der die Geschäfte bei Advance leitet, ist auch schon 79. Sis Neffe Jonathan kümmert sich von London aus um die internationalen Magazine. Donalds Sohn Steve managt das Internet-Geschäft. Keiner von beiden scheint große Lust zu haben, in die Fußstapfen des Alten zu treten. Alle gehen fröhlich davon aus, dass schon alles so bleibt wie es ist. Im Top-Management, im Anzeigengeschäft, beim Geldausgeben. Ein riskantes Spiel mit dem Status quo.

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