Yahoo: der unendliche Übernahme-Krimi (sb 2bilder)

Neues Kapitel im Übernahme-Krimi um Yahoo: US-Medienberichten zufolge hat Microsoft jetzt einen neuen Anlauf gestartet und setzt dabei auf ein Bündnis mit Time Warner (AOL) und Murdochs Medienkonzern News Corp. (MySpace). Das „Wall Street Journal“ veröffentlicht unterdessen bislang geheime Details des sechsmonatigen Verhandlungsmarathons. Besonders pikant: Die Firmenchefs Steve Ballmer und Jerry Yang waren dem Abschluss schon zum Greifen nahe.

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Seit dem Scheitern der Verhandlungen lief es für beide Firmen nicht gut: Die Aktie von Yahoo büßte seit Mitte Mai 27 Prozent ein und auch das Microsoft-Papier fällt, allerdings, seit Jahresbeginn kontinuierlich. Innerhalb der letzten sieben Monate verzeichnete die Aktie ein Minus von 18 Prozent. Verständlich, dass Ballmer deshalb alles versucht, positive Ergebnisse zu produzieren. Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es auch nicht, dass Ballmer laut „Wall Street Journal“ einen weiteren, bislang geheimen Versuch unternommen haben soll, den Yahoo-Aufsichtsrat zu überzeugen.

Ballmer soll den Aufsichtsrats-Vorsitzenden Roy Bostock angerufen haben, um ihm Gespräche über einen gemeinsamen Deal mit weiteren Partnern vorzuschlagen. Das für vergangenen Montag vereinbarte Meeting platzte jedoch, weil Ballmer kurzfristig absagte – ohne Begründung. Die Yahoo-Führungsriege ging davon aus, dass der Microsoft-Chef keine potenten Investoren und Partner von seinem Konzept überzeugen konnte.

Zuvor hatte der Nachfolger von Bill Gates wohl versucht, MySpace und AOL eine Zusammenarbeit schmackhaft zu machen. Microsoft wollte lediglich die Suche, die Partner hätten das Portal-Geschäft und die Web2.0-Töchter wie „Del.icio.us“ oder „Flickr“ haben können.

Aber auch bei Yahoo scheint entgegen den öffentlichen Verlautbarungen das Interesse an einem Verkauf des Gesamtunternehmens groß gewesen zu sein. Noch im Mai habe, so das „Wall Street Journal“ Jerry Yang Microsoft signalisiert, dass man zum Verkauf des Unternehmens für 33 Dollar pro Aktie bereit sei. Ballmer lehnte ab. Offenbar gab es im Mai mehrere Treffen zwischen Ballmer und Yang, bei dem Details einer Vereinbarung besprochen wurden.

Die Meetings fanden wie in einem Agentenfilm statt. Mal traf man sich heimlich im ehemaligen Anwaltsbüro von Bill Gates Vater oder in einem Konferenzraum am Airport. Zu diesem Treffen trug Ballmar sogar ein Poloshirt in Yahoo-Lila. In der Mitte dieser Verhandlungsrund zogen sich die beiden CEOs in Jerry Yangs Privatjet zum Gesprächen unter vier Augen zurück. Die restlichen Teilnehmer saßen im Heck des Fliegers und hörten ihr Chefs laut lachen. Sogar zu einer Runde Golf trafen sich die Wirtschafts-Kapitäne (Handicap der beiden übrigens: Ballmer 15, Yang 10). Die Stimmung zwischen den Bossen, so Teilnehmer gegenüber dem „WSJ“, sei „entspannt bis fröhlich“ gewesen. Als Ballmer später anrief und Yang mit den Worten „We are done“ begrüßte, dachten die Yahoo-Vorstand zunächst, dass Microsoft die Forderungen Yangs angenommen habe. Das Gegenteil war der Fall.

Diese Anekdoten und die Chronologie der Ereignisse legen die Vermutung nahe, dass die Microsoft-Yahoo Verhandlungen weniger am Unwillen beider Partner scheiterten, sondern eher zu einer Never-Ending-Story voller Missverständnisse wurde. Bleibt die Frage: Woher hat das „Wall Street Journal“ all diese exklusiven und internen Informationen? Techcrunch-Blogger Michael Arrington vermutet, dass Yahoo-Mitarbeiter gezielt mit den Journalisten gesprochen haben, um den Eindruck zu erwecken, dass nicht Jerry Yang und das aktuelle Management für das Scheitern verantwortlich sind. Denn genau dieser Eindruck bei den übermächtigen Groß-Aktionären könnte die Jobs der Yahoo-Vorstände retten.  

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