Gratis-Blätter: Post lässt nicht locker

Die Deutsche Post will ihre Pläne, eine Gratispostille auf den Markt zu bringen, partout nicht aufgeben. Nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ hat die Deutsche Post inzwischen in allen deutschen Großverlagen um Partner geworben – die bislang heftige Ablehnung der Verleger scheint zu schwinden. Offiziell will sich kein Beteiligter äußern. Aber trotz der aggressiven Töne der vergangenen Wochen: "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wer zuerst zieht", zitiert die "FTD" einen Verlagsmanager.

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Erst vor wenigen Wochen, im Mai, musste Jürgen Gerdes, Briefvorstand der Deutschen Post, seine Pläne für das kostenlose, durch Werbung finanzierte Wochenblatt „Online Aktuell“ beerdigen. Heftigste Proteste hatte sein Vorpreschen ausgelöst, kein Wunder, die deutschen Verleger fürchteten um die Anzeigenerlöse in ihrem Stammgeschäft, das ihnen Eindringling Gerdes streitig machen wollte. Denn in einem Punkt sind sich die oft zerstrittenen Verleger einig: Jeder Tag ohne Gratiszeitung ist ein guter Tag. Ein Kernsatz, den sie alle unterschreiben würden, egal, ob im Axel Springer Verlag, bei Burda, Bauer oder bei der WAZ Mediengruppe. Gratiszeitung ist ein Reizwort, das man besser nicht zu häufig ausspricht. Zumal sich die Verleger bislang der Unterstützung aus der Bundespolitik sicher sein konnten.

Im Mai gab Gerdes anscheinend noch klein bei, jetzt setzt er zum neuerlichen Vorstoß an, unter geänderten Vorzeichen. Die Deutsche Post hat ihre Strategie geändert, sie weiß, dass sie eine Gratiszeitung nicht gegen den Widerstand der Verlager auf dem Markt etablieren kann, jetzt sucht sie Verbündete. Wie die „Financial Times Deutschland“ erfahren hat, hat die Deutsche Post in den vergangenen Wochen in allen großen deutschen Verlagen die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit geprüft. Zum einen bei der Anzeigenvermarktung, aber auch im redaktionellen Bereich. Jürgen Gerdes hat aus seinen aggressiven Frühjahrs-Attacken gelernt und will beim zweiten Versuch, die gelbe Gratispostille zu etablieren, die Verleger keinesfalls brüskieren.

Zumindest das ist gelungen: Von „bröckelnden Mauern“ in der Branche ist die Rede, auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) scheint seine rigide Abwehrhaltung gegen die Post-Offensive aufgegeben zu haben. Die chronische konjunkturelle Krise der klassischen Printmedien zwingt die Verleger, auch über unkonventionelle Lösungsmöglichkeiten nachzudenken: Eine davon ist das bisherige Tabuprojekt Gratispostille. Die Konzepte dafür sind längst ausgearbeitet. Wenn das erste Gratisblatt auf den Markt kommt, wird es dort nicht lange ohne Konkurrenz bleiben.

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