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Fußball-Rechte: Kirch in der Kartelli-Klemme

Das Bundeskartellamt bleibt hart. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ will die Aufsichtsbehörde einer zentralen Vermarktung der Fußballrechte durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) nur unter Auflagen zustimmen. Voraussetzung: Berichte über die Erstligaspiele müssen zeitnah nach Abpfiff der Spiele für ein breites Publikum verfügbar sein. Das würde das Geschäftsmodell des Medienunternehmers Leo Kirch gefährden, der im Free-TV erst spätabends Übertragungen erlauben will.

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Dass Bundesliga-Fußball einem breiten Fernsehpublikum zugänglich sein muss, galt über Jahrzehnte als unumstößliches Gesetz, das präsentierende Medium, die „Sportschau“ als unantastbares Kulturgut. Ab der Saison 2009 aber will die DFL mit ihrem Medienpartner Sirius, der Leo Kirch nahe stehenden Firma, die Samstagsspiele exklusiv im Bezahlfernsehen vermarkten. Im frei empfangbaren Fernsehen sollen sie erst am späten Abend gezeigt werden. Ein Plan, der nicht nur Deutschlands Fußballfans auf die Barrikaden ruft, sondern auch das Bundeskartellamt seit nunmehr zehn Monaten beschäftigt.

Nun soll die Wettbewerbsbehörde in einem Brief an die Beteiligten signalisiert haben, dass sie die Zentralvermarktung, für das Amt eine Art Kartell, nur unter der Bedingung weiter zulassen wolle, wenn die Bundesligaspiele nicht für einen exklusiven Zuschauerkreis im Pay-TV verschwinden.

Für Kirch und Sirius hätte diese Einschränkung weit reichende Folgen, sie würde den Rechteverkauf erheblich einschränken. Der bislang bevorzugte Plan von DFL und Sirius, die Einnahmen in einer Rechteauktion zu steigern, wäre damit gescheitert. Für die kommenden sechs Jahre hat Sirius der Liga drei Milliarden Euro zugesagt, ein Versprechen, dass dann nicht mehr zu halten wäre. „Möglichweise“, mutmaßt die „Süddeutsche Zeitung“, „wäre der gesamte Vermarktungsvertrag hinfällig.“

Die Entscheidung des Bundeskartellamts würde nicht nur mittelfristig das derzeitige Modell zementieren und dafür sorgen, dass die Samstagsspiele in der „Sportschau“ der kulturelle Wochenend-Höhepunkt vieler Deutschen blieben. Sie würde auch das Vorhaben Kirchs verhindern, mit dem Verkauf von exklusiven Fußballrechten zum letzten Comeback auf die große Medienbühne anzuheben. Zu offiziellen Stellungnahmen waren die Beteiligten nicht bereit, offenbar hoffen sie darauf, dass das Bundeskartellamt seine Haltung noch einmal überdenkt.   

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