House & Gottschalk sind die Quotenkönige

Rechtzeitig vor dem Start der neuen TV-Saison im September beginnt MEEDIA eine neue mehrteilige Serie mit Analysen zur Saison 2007/08. Das erste Ergebnis: Die beliebtesten Fernsehsendungen der Deutschen sind "Wetten, dass..?" und "Dr. House". "Wetten, dass..?" ist die erfolgreichste Sendung im Gesamtpublikum, "Dr. House" gewann bei den 14- bis 49-Jährigen. Für die große Überraschung sorgte RTL-Doku-Soap "Bauer sucht Frau", die sich im Gesamtpublikum vor den "Tatort" auf Rang 2 schob.

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Als Grundlage der Saison-Analyse hat MEEDIA exklusiv für alle Formate der großen acht Sender – Das Erste, ZDF, RTL, Sat.1, ProSieben, Vox, RTL II und kabel eins – Durchschnittswerte errechnet. In die Wertung kamen alle Sendungen, von denen in der TV-Saison 2007/08 (1. September – 6. Juni) mindestens sechs Ausgaben ausgestrahlt wurden. Heraus kam ein Gesamtranking mit insgesamt 1175 Formaten. Im ersten Teil der Serie veröffentlichen wir nun die 50 zuschauerstärksten Sendungen – sowohl für die 14- bis 49-Jährigen als auch für das Gesamtpublikum. Die Top 25 des Gesamtpublikums sieht so aus:

Die größte Überraschung ist wie gesagt die RTL-Doku-Soap „Bauer sucht Frau“. Ihr gelang es, im Gesamtpublikum Platz 2 hinter „Wetten, dass..?“ und noch vor dem „Tatort“ zu erobern. 7,55 Mio. schauten den Landwirten beim Flirten zu; 7,45 Mio. waren es beim „Tatort“ im Durchschnitt. Platzhirsch Thomas Gottschalk hat sich mit „Wetten, dass..?“ Platz 1 gesichert. Auf den Rängen 4 und 5 folgen die ARD-Hitserie „Um Himmels Willen“ und der Quiz-Klassiker „Wer wird Millionär?“.

Im Gegensatz zum jungen Publikum befindet sich das Genre der deutschen Serie im Gesamtpublikum keineswegs in einer Krise: Mit „Um Himmels Willen“, „In aller Freundschaft“, „Der Dicke“, „Tierärztin Dr. Mertens“, „Der Alte“ und „Der Bergdoktor“ finden sich sechs deutsche Serien in der Top 25, mit dem „Tatort“, dem „Polizeiruf 110“ und den Rosamunde Pilcher- sowie den Inga-Lindström-Filmen zudem auch noch vier deutsche Reihen. Aus dem Ausland schafften es nur „Dr. House“ und „CSI: Miami“ in die Liste.

Ganz vorn ist zudem eine Übermacht des Ersten zu beobachten: 9 der Top-15-Sendungen stammen von dort. Die Übermacht fällt aber in sich zusammen, wenn man sich die Plätze 26 bis 50 anschaut:

Auf einmal liegt nicht mehr Das Erste vorn, sondern das ZDF: Mit 19 von 50 Formaten führt der Sender vor RTL (16), dem Ersten (13), sowie ProSieben und Sat.1 mit jeweils einer Platzierung. Die Dominanz der deutschen Fiction weitet sich im zweiten Teil der Top 50 sogar noch aus. Mit „Der letzte Zeuge“, „Ein Fall für zwei“, „SOKO Leipzig“, „Donna Leon“, „Kommissar Stolberg“, „Die Rosenheim-Cops“, „Alarm für Cobra 11“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Der Kriminalist“, „SOKO 5113“, „Küstenwache“ und „SOKO Rhein-Main“ befinden sich auf den Plätzen 26 bis 50 insgesamt zwölf weitere Serien und Reihen aus Deutschland. Die beiden einzigen Sat.1- und ProSieben-Sendungen sind ausgerechnet Fußball-Übertragungen. Als einzige Talkshow hat es „Anne Will“ immerhin auf Platz 40 geschafft, das Nachrichten-Ranking führt die 20-Uhr-„Tagesschau“ unangefochten vor „heute“ und „RTL aktuell“ an, die beide fast gleichauf liegen. Überraschend zudem: Platz 48 für „Plusminus“.

Kommen wir nun zur werberelevante Zielgruppe und damit zu einem völlig anderen Erscheinungsbild der Top 50:

Dort gab es in der TV-Saison 2007/08 nämlich einen Machtwechsel: Erstmals ist „Wetten, dass…?“ nicht mehr das zuschauerstärkste Format. Mit 3,68 Mio. jungen Zuschauern muss es sich RTLs Star-Mediziner „Dr. House“ geschlagen geben, der im Durchschnitt 3,73 Mio. 14- bis 49-Jährige begeisterte. Die weiteren Plätze der Top 5 gehen an „Deutschland sucht den Superstar“, „Bauer sucht Frau“ und „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (alle RTL).

Im Gegensatz zum Gesamtpublikum wird die Misere der deutschen Serien und Reihen hier offensichtlich: „Tatort“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und „Alarm für Cobra 11“ sind die einzigen Vertreter der deutschen Fiction zwischen zahllosen Doku-Soaps, Castingshows und immerhin vier US-Serien. Wie sehr die Geschmäcker bei jungem und älterem Publikum auseinander gehen, zeigt sich auch bei einem Vergleich der Top-25-Listen: Nur zehn Sendungen finden sich in beiden Rankings. In einem Vergleich zwischen 14- bis 49-Jährigen und Über-50-Jährigen gäbe es noch weniger Übereinstimmungen. Der Rest der Top 50 des jungen Publikums sieht so aus:

Auch hier gibt es kaum deutsche Fiction – nur „Polizeiruf 110“ und „Post Mortem“ konnten sich aus dem Genre auf den Rängen 26 bis 50 platzieren. Mit „Psych“, „Desperate Housewives“, „CSI: NY“, „Navy CIS“, „Grey’s Anatomy“, „Criminal Minds“, „Bones“, „Primeval“ und „EUReKA“ wird der zweite Teil der Top 50 hingegen von Lizenzserien dominiert. Kein Wunder also, dass die Privatsender jede noch so kleine Serie aus den USA einkaufen und kaum noch eigene Mehrteiler produzieren.

Auffällig auch die Misere, in der die Comedy zu stecken scheint. Fanden sich vor Jahren mit „Ritas Welt“, „Mein Leben & ich“, „Nikola“ und einigen anderen noch zahlreiche Comedyserien ganz weit vorn, gibt es inzwischen keine einzige deutsche Sitcom mehr in den Top-50-Charts. Mit „Hallo Taxi“, „Wunderbar“ und „Mario Barth präsentiert“ haben es insgesamt nur drei Humor-Programme in das MEEDIA-Ranking geschafft. RTL dominiert die Senderwertung in der Zielgruppe deutlich: Sage und schreibe 32 der Top-50-Formate stammen von RTL, ProSieben brachte zehn Programme in die Liste, Das Erste und Sat.1 jeweils drei, Vox und das ZDF je eine.

In den kommenden Tagen folgen weitere Teile der MEEDA-Serie zur TV-Saison 2007/08: Welche Serien, welche Nachrichten und welche Shows waren besonders erfolgreich? Welche Neustarts sind gefloppt, welche wurden Hits? Wie heißen die heimlichen Quotenstars und welche Produktionsfirmen sind die erfolgreichsten des Landes? – Das sind nur einige der Fragen, die MEEDIA beantworten wird.

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