Der Aufstieg des James Murdoch

James Murdoch, Sohn von Medienzar Rupert, ist dabei, sich vom Image des Nur-Sohns zu befreien. Als viertes Kind hat er es gewiss nicht leicht gehabt. Da dürfte ihm die aktuelle "Media Top 100"-Liste des britischen "Guardian" eine Genugtuung sein. Die britische Tageszeitung kürt mit Hilfe einer Jury jedes Jahr die 100 einflussreichsten Medienmanager von Großbritannien. In diesem Jahr schaffte es James Murdoch auf Platz 2 hinter den Google-Gründern. Sein Vater Rupert landet hinter seinem Junior auf dem 5. Platz.

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Der Grund dafür ist einfach: James kümmert sich um das komplette Europa- und Asien-Geschäft der News Corp. Also auch um die Zeitungen in England („The Times“, „The Sun“ u.a.) und den Pay-TV-Sender BSkyB – traditionell einer der wichtigen Ertragsbringer in Murdochs Medienreich.

Derweil ist Papa Rupe in Übersee beschäftigt, wo er sein neuestes Spielzeug, das „Wall Street Journal“ umkrempelt. Der Einfluss seines Sohnes ist mittlerweile auch in Deutschland zu spüren. James war es, der im Januar als Mehrheits-Aktionär beim Bezahl-Kanal Premiere eingestiegen ist und am Premiere-Stammsitz in Unterföhring bei München seither ein gewichtiges Wort mitredet.

Dass dieses so kam, hätte noch vor wenigen Jahren niemand für möglich gehalten. Stets galt James´ älterer Bruder Lachlan als der Lieblings-Sohn des Alten und als designierter Thronfolger bei News Corp.. Aber große Erwartungen können manchmal auch zu groß werden. Lachlan trat 2005 von allen Führungspositionen in der News Corp. zurück und zog mit seiner Familie nach Australien, wo er eine eigene Firma im Immobilien-Sektor gründete. Dieser Rückzieher von Lachlan ermöglichte den Aufstieg von James.

Als Teenager hatte der sich keineswegs als kommender Firmenlenker empfohlen. James Murdoch galt als rebellisch und als 15-jähriger Praktikant beim „Sydney Daily Mirror“ fiel er vor allem auf, als er es mit Foto in die Konkurrenz-Zeitung schaffte, weil er bei einer Pressekonferenz auf dem Sofa eingenickt war. James Murdoch besuchte die Highschool in New York und studierte Film in Harvard, verließ die Uni aber ohne Abschluß. In Harvard befasste er sich vor allem mit Underground-Magazinen und zeichnete Comics. Nach seinem Abgang gründete er mit Freunden das Hip-Hop-Musik-Label Rawkus Records. Eine Streber-Karriere kann man ihm also nicht vorhalten.

1996 trat James dann bei News Corp. als Verantwortlicher für das Internet-Geschäft ein – damals noch nicht der große Ertragsbringer. Im Jahr 2000 heiratete er Kathryn Hufschmid, die mittlerweile für die Clinton Klima Initiative arbeitet und mit der er zwei Kinder hat, und zog mit ihr nach Hongkong. Dort führte er die Geschäfte von News Corps defizitärem Star Television. Drei Jahre später berief ihn Rupert ins Direktorium von BSkyB, wo er ein Jahr später den Chefposten übernahm. Der Aufstieg von James führte zu einigem Aufruhr bei den Aktionären von BSkyB. Dem Murdoch-Clan, der den Sender mit einer Sperr-Minorität kontrolliert, wurde Vettern-Wirtschaft vorgeworfen. Die Kritik verstummte aber bald, als James den Sender souverän führte.

Ende 2007 schließlich folgte der Träger des Schwarzen Karate-Gürtels seinem Vater als Chairman von BSkyB und übernahm die Kontrolle über das komplette Europa- und Asien-Geschäft des Konzerns. Ganz klar: Jetzt ist er der Kronprinz im Murdoch-Reich.

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