Der unersättliche Werbemogul

Erste Analysten sorgen sich, dass sich Martin Sorrell bei der Übernahmeschlacht um den britischen Marktforscher Taylor Nelson Sofres (TNS) verheben könnte, schreibt „Advertising Age“. Das jüngste Angebot, umgerechnet 1,35 Milliarden Euro, sei nicht zu überhöht, bewege sich aber in diese Richtung, zitiert das Blatt einen Analysten. Der Börsenkurs von WPP sei nach früheren Zukäufen eingebrochen. Dennoch: Sorrell konnte das Ruder immer herumreißen. Ein Blick auf den „Firmenjäger“.

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Gäbe es für Hartnäckigkeit einen Preis, wäre Sir Martin vermutlich ein Daueranwärter: Dreimal hat er den Aktionären von TNS ein Angebot unterbreitet, dreimal wurde es abgelehnt. Dennoch ist er fest entschlossen, WPP zum größten Marketing-Service-Konglomerat aufzubauen. Dafür braucht er TNS. Einige Analysten befürchten nun, dass er sich hierbei verkalkulieren und unvernünftig werden könnte, um seinen Willen durchzusetzen – ausgerechnet er, der Stratege, der stets alle Firmendaten und Zahlen parat haben soll.

Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass Sorrell viel Geld in die Hand nimmt, um ein Unternehmen zu kaufen. Mit seiner Akquisitionslust hat er WPP zur weltweit zweitgrößten Werbeholding nach der Omnicom Group aufgebaut. Lieber wäre ihm natürlich der erste Platz. Das äußert er so nicht unbedingt und sagt vielmehr, dass ihn die schiere Größe nicht interessiere. „Er verkneift sich aber nicht die Anmerkung, dass WPP einen höheren Gewinn und bessere Margen (als Omnicom) erwirtschaftet“, schreibt die „Frankfurter Sonntagszeitung“
Mehr als 100 Unternehmen sind unter dem Dach vereint, darunter die Agentur Ogilvy & Mather, die sich seinerzeit erbittert gegen die Übernahme gewehrt hat, sowie die Agenturen Young & Rubicam oder Grey. Dass er dabei nicht gerade zimperlich vorging, ist bekannt, und zeigt sich jetzt auch bei der Bieterschlacht um TNS. Sorrell streute etwa Gerüchte, wonach in Nürnberg Arbeitsplätze abgebaut würden, sollte die Fusion zwischen der GfK und TNS zustande kommen. Die GfK dementierte – und doch blieb etwas davon hängen. Genug jedenfalls, um den Stadtrat in Nürnberg zu alarmieren und gegen die Fusion stimmen zu lassen.

Mit seiner Unnachgiebigkeit hat sich Sorrell einen gewissen Ruf erarbeitet – und Respekt. Nicht ohne Grund wird er für die „vielleicht wichtigste Person der Werbeszene“ („FAS“) gehalten. Im aktuellen Ranking des „Guardian“, in dem jedes Jahr die für Großbritannien wichtigsten Medienmenschen in einer Top 100 aufgelistet werden, landete Sorrell soeben auf Platz 13 – vor ihm ist dort kein anderer Vertreter der Werbebranche zu finden. Damit verbesserte er sich selbst innerhalb eines Jahres um 30 Plätze: 2007 stand er noch an Rang 43. Im Bereich Werbung steht er sogar an dritter Stelle – vor ihm sind nur die Google- und Microsoft-Chefs.

Sorrells Interesse konzentriert sich nicht mehr auf die klassischen Agenturen, sondern vielmehr auf das Internet und die Marktforschung. Darin sieht er die Zukunft. Er will TNS mit seinem eigenen Marktforschungsinstitut Kantar zusammenlegen und so den Branchenprimus Nielsen angreifen. Käme die Übernahme zustande, stünde Kantar im internationalen Ranking an zweiter Stelle. TNS ist weltweit die Nummer drei der Marktforscher, die GfK die Nummer fünf. Bei einer Fusion der beiden Konkurrenten würde das neu gegründete Unternehmen TNS-GfK auf Platz zwei rücken, Kantar bliebe der vierte Rang – eine Position, die ihm unmöglich schmecken kann.

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