Streik im Montgomery-Reich

Der Protest wird zum Widerstand: Heute treten die 67 Mitarbeiter des Berliner Magazins „tip“ zwei Stunden lang in einen Warnstreik. Ihre Kollegen von der „Berliner Zeitung“, der Netzeitung und der Hamburger "Mopo“ werden in einem Solidaritätsstreik ebenfalls gegen den geplanten Abbau von 150 von 930 Stellen mitprotestieren. Sie gehören, genau wie der „tip“, zur BV Deutsche Zeitungsholding des angelsächsischen Investors David Montgomery, der die Rendite steigern will.

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„Berliner Zeitung“ und Co. gehören zu Montgomerys internationaler Mecom-Gruppe. Die Warnstreiks sind die Zuspitzung in einem Konflikt, der seit Monaten schwelt. Im Mittelpunkt steht Josef Depenbrock, in Personalunion Geschäftsführer der Holding und Chefredakteur der „Berliner Zeitung“. Depenbrock gilt im eigenen Haus als eiskalter Vollstrecker der auf Profitmaximierung ausgerichteten Pläne Montgomerys. Obwohl „Berliner Zeitung“ Gewinn abwirft, soll auch dort gespart und Personal abgebaut werden, um die Rendite nach oben zu treiben In einem der kuriosesten Prozess der deutschen Mediengeschichte hatten Redakteure der „Berliner Zeitung“ vergangene Woche vergeblich per Gerichtsbeschluss versucht, Depenbrock die Ausübung beider Funktionen untersagen zu lassen.

Der heutige Warnstreik, zu dem der Deutsche Journalisten-Verband Berlin, der Verein Berliner Journalisten und die Gewerkschaft Verdi aufgerufen habe, ist nun ein weiterer Ausschlag auf der nach oben offenen Eskalationsskala. Bislang hat es die Geschäftsführung des „tip“ abgelehnt, Tarifverhandlungen aufzunehmen. Die Gewerkschaften fordern, dass beim „tip“ betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen und die für die Zeitschriftenbranche geltenden Tarifverträge übernommen werden und ein Redaktionsstatut abgeschlossen wird.

Gleichzeitig zu den Protesten der Angestellten tagen heute die Gesellschafterversammlungen der Unternehmen der BV Deutsche Zeitungsholding, um über den geplanten Stellenabbau zu beraten.

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