Tour de France: Doping für die Quote

Der Profi-Radsport bekommt das Doping-Problem nicht in den Griff. Trotzdem übertragen ARD und ZDF live von der 95. Tour de France. „Die Kontrollmechanismen bei der Tour sind jetzt klar“, begründet ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender das Engagement der Sender gegenüber MEEDIA. Mit an Bord ist der geläuterte Doping-Sünder Jörg Jaksche, der die Position vertritt: „Es sind immer noch die gleichen Leute, die an den Hebeln sitzen“, erklärt Jaksche bei „Spiegel Online“.

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Im letzten Jahr hatten die Öffentlich-Rechtlichen die Live-Übertragung noch wegen des Doping-Falls von Patrick Sinkewitz abgebrochen. Jetzt muss „der Kampf gegen Doping auf vielen Ebenen weiter geführt werden“, heißt es ehrgeizig in der offiziellen Programm-Information von ARD und ZDF. Dazu wollen die Sender eine kritische Berichterstattung anbieten, die insbesondere das Doping thematisiert. Dabei wäre ein positiver Doping-Befund während der Tour laut Brender noch kein zwingender Ausstiegsgrund. „Es kann auch ein Indiz dafür sein“, so der ZDF-Chefredakteur, „dass die Veranstalter einen guten Job machen.“

Die Voraussetzung für die Live-Übertragung sei jedenfalls dieselbe wie im letzten Jahr: „Die Ausrichter müssen willens und in der Lage sein, Doping zu unterbinden.“ Der exklusive ZDF-Interview-Partner und Doping-Kronzeuge Jörg Jaksche ist da anderer Meinung. Kontrolleure und Renn-Teams seien in einer Art „Stockholm-Syndrom“ miteinander verbunden: „Wenn ich dafür bezahlt werde, jemanden zu kontrollieren, sollte ich dann meinen wichtigsten Auftraggeber auffliegen und meine Geldquelle versiegen lassen?“ fragt sich Jaksche und bleibt skeptisch: „Ich teile den Optimismus nicht, dass die Tour de France 2008 die sauberste Tour aller Zeiten wird. Es gibt sicherlich Teams, die auf Doping verzichten. Andere werden nur die Art, wie sie dopen, ein wenig verändern.“

Immerhin: Die Kontrollen wurden verschärft. Die ausgelosten Fahrer werden unmittelbar nach dem Rennen von acht Mitarbeitern der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) direkt zum Test begleitet. Außerdem hat die veranstaltende Verlagsgruppe ASO Titelverteidiger Alberto Contador und sein Astana-Team von der Tour ausgeschlossen – ein Indiz dafür, dass es die Veranstalter diesmal wirklich ernst meinen. „Wir haben nichts gegen Contador. Aber wir haben im März die Ausschluss-Entscheidung gegen Astana wegen der 2006 und 2007 vom Team begangenen Fehler gefällt“, sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme. Der ebenfalls unter Doping-Verdacht stehende Tour-Zweite vom letzten Jahr und diesjährige Favorit für das „Maillot Jaune“, Cadel Evans, darf hingegen starten – so richtig konsequent ist man also nicht beim französischen Radsportverband FCC. Auch Alejandro Valverde, den Jörg Jaksche neben Cadel Evans und Denis Mentschow zu den Tourfavoriten zählt, soll beim Dopingarzt Eufemiano Fuentes Kunde gewesen sein.

Trotz aller Bemühungen der Veranstalter – die Skepsis bleibt zumindest in Deutschland groß, ob der Radsport sein Dopingproblem in den Griff bekommt. T-Mobile hat sich aus dem Sponsorengeschäft zurückgezogen und Gerolsteiner finanziert dieses Jahr zum letzten Mal ein Rad-Sport-Team. In den USA hingegen steigen die Sponsoren- und Werbegelder wieder. Der US-Sport-Sender Versus freut sich beispielsweise über drei neue Werbeverträge. Und solange ein rentables Geschäft mit der Tour zu machen ist, wird im Fernsehen live übertragen, Doping hin oder her. „Die alljährliche Diskussion über Doping im Radsport, die Haltung von Medien und Öffentlichkeit und die stets um ihr Sendungsbewusstsein ringenden Sender offenbaren einen Abgrund von Heuchelei“, bilanziert Hans Leyendecker in der „Süddeutschen Zeitung“.

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