Hildmann stellt die Weichen für die Zukunft

Noch nicht einmal sechs Monate ist es her, dass bei BBDO die Zeit um acht Jahre zurückgedreht wurde. Bei Deutschlands Agenturkonzern Nummer eins mit fünf großen Geschäftsfeldern (die BBDO-Werbeagenturen, Internet-Spezialist Interone, Direktmarketer Proximity, PR-Riese Pleon und Callcenter-Anbieter Sellbytel), zwölf Standorten in Deutschland und etwa 3000 Mitarbeitern zog im Februar 2008 wieder Anton Hildmann, 65, in die Chefetage.

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Der Anton Hildmann, der bereits von 1990 bis 1999 die Geschicke von BBDO leitete und der dafür sorgte, dass BBDO so ist wie jetzt: Annähernd 50 Einzelagenturen und über 100 Mitarbeiter im Top-Management. Ein Umsatzriese, dessen Brutto-Honorarumsätze sicherlich die 1-Milliarde-Euro-Marke überschreiten – wegen des Sarbanes-Oxley-Gesetzes darf aber das zur US-amerikanischen Omnicom-Gruppe gehörende Unternehmen keine Bilanzen mehr veröffentlichen.

Nur Hildmann hat den Überblick über die komplizierten Agenturstrukturen, die er mit aufgebaut hat. Manche sagen auch „chaotisch“ dazu. Und er hat die kritische Masse der Chefs im Griff, er hat viele von ihnen auf ihre jetzige Position gehievt. Die, die sich in der Zwischenzeit einen Namen gemacht haben, sind mittlerweile weg. Zum Beispiel die Chefetage von BBDO Düsseldorf: CEO Dickjan Poppema, Kreativchef Ralf Zilligen, Beratungschef Carl-Philipp Mauve. Gekommen ist, als Chef von Interone, Frieder Kornbichler. Der war während Hildmanns erster Amtszeit bei BBDO, wechselte 2007 zu DDB – da war Hildmann als Non-Executive Chairman unter Vertrag.

Nach Anton Hildmann war keiner seiner Nachfolger als CEO der BBDO-Gruppe länger als vier Jahre auf dem Chefsessel. Hildmanns Favorit bei seinem Ausscheiden 1999, der Unternehmensberater Uwe C. Schmidt, wurde geschasst, bevor er seinen Job überhaupt antreten konnte. Rainer Zimmermann von der PR-Tochter KohtesKlewes (heute Pleon) hielt sich da besser, ging aber 2004 nach vier Jahren freiwillig wieder in die PR-Sparte zurück. Danach kam Olaf Göttgens, der seinen Job sehr gut erledigte. So gut, dass ihn 2006 die Mercedes Car Group abworb, um ihn zum Marketingchef zu machen. Klaus-Peter Schulz, der nächste CEO, ein ausgewiesener Media-Spezialist, hatte es da schwerer. Im vergangenen Sommer wurden Gerüchte über eine Absetzung von der US-Agenturführung noch schwer dementiert, um ihm dann im Februar doch zu kündigen. Kein schöner Zug.

Hildmann ist wieder da, aber hauptsächlich, so meldet der Flurfunk, um seine Nachfolge mal ein bisschen dauerhafter zu klären. Mit 65 Jahren wird Hildmann wohl keinen Zehnjahresvertrag mehr ausgehandelt haben. Das heißeste Gerücht: BBDO will Jung von Matt, Holger Jung und Jean-Remy von Matt – mit Option auf den BBDO-Deutschland-Thron. Ob die beiden Hamburger Kreativ-Querköpfe das Risiko eingehen, steht in den Sternen. Aber auch die beiden prominentesten Werber Deutschlands stehen jenseits der 50 und es heißt nicht erst seit gestern, dass auch sie nach Nachfolgern für ihre Agenturgruppe suchen. Ob die Lösung BBDO heißt? Noch gibt es nicht einmal offizielle Verhandlungen. Aber noch hat Hildmann auch geschätzte drei Jahre Zeit, um seine Nachfolge zu regeln. Diesmal endgültig.

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