Viral-Werbung sorgt für Horror in England

Shocking, seltsam, skurril – In England tauchten derzeit an öffentlichen Plätzen und bei Promi-Events unheimliche Menschen ohne Gesicht auf. Die Zeitgenossen tragen hautfarbene Latexmasken mit winzigen Atem- und Gucklöchern. Was steckt dahinter? Offenbar eine abgefahrene Viral-Marketing-Kampagne für eine Auto-Marke. Viral-Marketing erlebt derzeit einen wahren Boom im Internet. Von Levi’s über Gatorade bis BMW Mini - viele Marken setzen auf Viral-Videos im Netz.

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Gesichtet wurden die Gesichtslosen u.a. bei Elton Johns White Tie & Tiara Ball, im Kaufhaus Harrods, beim Tennisturnier in Wimbledon und bei der Henley Regatta auf der Themse. Very creepy, dieses Viral-Marketing. Nochmal zur Erklärung: Viral-Marketing bedeutet, dass die Werbe-Botschaft nicht über klassische Kanäle wie TV, Radio, Print oder Plakat gestreut wird. Stattdessen wird ein möglichst lustiger, provozierender oder sonst wie interessanter Film gedreht oder eben eine Aktion gestartet, die sich über Mund-zu-Mund-Propaganda verbreiten soll. Fachchinesich: WOM – Word of Mouth.

Im Zeitalter des Web2.0 funktioniert das meist über kurze witzige und skurrile Videos, die via YouTube verbreitet werden. Die Marke spielt in den Videos oft gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die Macher setzen darauf, dass die Viral-Spots von den Internet-Nutzern selbst weiterverschickt werden und sich wie ein Virus verbreiten. Vorteil: keine Schaltungskosten, man erreicht für klassische Medien schwer zugängliche Zielgruppen (Jugendliche!) und man hat die Gelegenheit, seine Marke mit einem gewissen Coolness-Faktor aufzuladen. Nachteile gibt’s auch: keinerlei Kontrolle, wer die Videos anschaut und ob oder wie überhaupt die Markenbotschaft rüberkommt.

Bisher wurde Viral-Marketing im Netz vor allem von Firmen eingesetzt die ein junges, trendiges Image haben oder anstreben, beispielsweise von der Jeansmarke Levi’s, der BMW-Marke Mini oder dem Handy-Hersteller Samsung. Ein Viral-Video des Fitness-Drinks Gatorade, in dem eine Baseballspielerin mit einem unmöglichen Sprung einen Ball fängt, schaffte es, tagelang eine Spitzenposition bei den Videos des Social-News-Dienstes Digg einzunehmen. Über 6.700 Nutzer haben das Video über Digg verlinkt. Bei YouTube wurde das Ball-Girl-Video mehrfach eingestellt und kommt insgesamt auf weit über 1 Mio. Klicks. Die Marke Gatorade taucht dabei fast überhaupt nicht auf. Lediglich am Ende des Clips steht eine Flasche des Getränks unscheinbar neben dem Ball-Mädchen. Dafür dass der Name der Marke im Netz penetriert wurde, sorgten Blogger und Kommentatoren, nachdem „durchgesickert“ war, dass es sich bei dem irren Sprung um einen Werbegag handelt. Gut möglich, dass es die Marketing-Leute von Gatorade selbst waren, die diese „Enthüllung“ online platziert haben.

Aber zurück zu den Menschen ohne Gesicht in England. Das Weblog io9 meldet, dass es sich hierbei um eine Viral-Marketing-Aktion für einen neuen Lotus-Sportwagen handelt. Auf der Website www.facelesspeople.com findet sich nämlich ein Lotus-Logo mit Link auf die Hersteller-Site der Autofirma. Auf der Faceless-Site ist zu lesen: „True Character will emerge in..“ gefolgt von einem Countdown. Wahrscheinlich wird heruntergezählt, bis das Wägelchen der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Eine reichlich seltsame Kampagnenidee, die freilich ihre Wirkung nicht verfehlt. Wie man unter anderem an diesem Artikel sehen kann…

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