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Klinsmann sperrt Kamera-Teams aus

Schon die erste Pressekonferenz geriet zu einem Eklat: Jürgen Klinsmann, neuer Trainer des FC Bayern München, setzt die angekündigte Einschränkung der Medienfreiheit beim deutschen Dauermeister gewohnt konsequent um. Was an der Säbener Straße in München in dieser Saison getestet wird, dürfte die Fußball-Berichterstattung in Deutschland nachhaltig verändern: Die Vereine wollen immer stärker darüber bestimmen, wer wie zu berichten hat und so kritische Stimmen verhindern.

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Jürgen Klinsmann ist bekannt dafür, dass er Interviews dann am liebsten mag, wenn sie zu Ende gehen. Oder gar nicht stattfinden. In München stieß er jahrzehntelange Regeln gleich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt um: Die Fotografen durften auf der Pressekonferenz, auf der der schwäbische Amerikaner seine Ziele in München verkündete, nur die ersten drei Minuten ihre Arbeit verrichten. Das kennt man von Popstars und Schauspielern, aber nicht von deutschen Fußballtrainern. Die Begründung: Das Blitzlichtgewitter und die Kamerageräusche störten den Kurzzeit-Bundestrainer in seiner Konzentration. Die 30 Fotografen konterten blitzschnell: Mit einem Bildboykott. Sie zogen geschlossen ab.

„Ich finde es gut, dass es bei den Fotografen Einigkeit gab. Drei Minuten halte ich für zu kurz, man muss mit dem Verein sprechen“, sagt Markus Gilliar, Fotografensprecher des Verbandes deutscher Sportjournalisten. Hans Rauchensteiner, der seit 36 Jahren die Bayern fotografiert, ist empört: „Wir lassen uns nicht alles gefallen. Wir sehen darin unsere Arbeitsmöglichkeiten beschränkt. Sonst gehen wir künftig gar nicht mehr hin.“

Klinsmanns Auftritt ist aber viel mehr als eine allergische Reaktion auf Medien, die er schon als Spieler auf Distanz zu halten wusste. Sie verdeutlichen die neue Ausrichtung der Medienarbeit beim als FC Hollywood bekannten Rekordmeister. Sie ist deutlich restriktiver ausgerichtet als bisher und orientiert sich an der englischen Premier League, in der nur Medien zum Zug kommen, die ihren Beitrag zur Finanzierung der Liga leisten. Schon vor Monaten war angekündigt worden, dass die Besuchsmöglichkeiten des Bayern-Trainings eingeschränkt werden sollen – was empörte Reaktionen nach sich zog. Bewirkt haben sie wenig: Beim nichtöffentlichen Training des Rekordmeisters dürfen ab sofort nur noch die Kameras vom hauseigenen Internetsender FCB TV filmen – Medienpräsenz und damit auch kritische Töne sind nicht erwünscht beim FC Bayern. Außerdem müssen sich Medienvertreter nun mindestens 24 Stunden im Voraus für Pressekonferenzen akkreditieren, und die werden auf ein Zeitfenster von 45 Minuten beschränkt. Am liebsten wäre es den Verantwortlichen an der Säbener Straße, wenn nur noch der FC Bayern den FC Bayern filmt, fotografiert und interviewt, dann hätte man auch die mediale Kontrolle.

Die, so glaubt der FC Bayern, braucht er, um die höchst ambitionierten Ziele mit Klinsmann zu erreichen: „Zwei nationale Titel und dass wir in der Champions League bis zum Schluss dabei sind“, gibt Klinsmann als Saisonvorgabe aus. Dafür hat er die Säbener Straße zu einer Oase der Ruhe umbauen lassen, abgeschirmt von der Öffentlichkeit sind die Bayern-Stars neuerdings dazu verpflichtet worden, den ganzen Tag hier zu verbringen. Jeder Spieler soll jeden Tag besser gemacht werden, „das ist meine Philosophie“, sagt Klinsmann. Eines ist klar: Wenn Klinsmann seine Ziele nicht erreicht, werden nicht nur kritische Stimmen aufkommen. Die restriktive Medienpolitik könnte zum Boomerang werden.

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