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Hits und Flops im EM-Konkurrenzprogramm

Mit sehr unterschiedlichen Ansätzen haben die Sender, die mit der Fußball-EM nichts zu tun hatten – also fast alle – in den vergangenen Wochen ihre Prime Time bestritten. Manch Sender hat sich von vornherein aufgegeben und lieber nur 27 Jahre alte Filme gezeigt, die wenigstens keine Kosten verursachen, wenn man während der EM schon kein Geld verdienen […]

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Mit sehr unterschiedlichen Ansätzen haben die Sender, die mit der Fußball-EM nichts zu tun hatten – also fast alle – in den vergangenen Wochen ihre Prime Time bestritten. Manch Sender hat sich von vornherein aufgegeben und lieber nur 27 Jahre alte Filme gezeigt, die wenigstens keine Kosten verursachen, wenn man während der EM schon kein Geld verdienen kann. Die anderen (Sat.1) haben sogar ein paar eigenproduzierte TV-Movies als Free-TV-Premiere verfeuert – damit die Mini-Quoten der anscheinend nicht sehr Erfolg versprechenden Filmchen nicht im Herbst, wenn es wichtig ist, stören. Und wieder andere Sender haben einfach so weitergemacht, als wenn nichts wäre. „Dr. House“, „CSI: Miami“, „Die ultimative Chart Show“ – im Sommer zeigt man ja eh nur Wiederholungen. Und welcher dieser Ansätze war nun der beste? Welcher Sender konnte dem EM-Fußball im direkten Konkurrenzprogramm am meisten Paroli bieten?

Zur Beantwortung dieser Frage habe ich mir alle Quoten derjenigen Sendungen herausgesucht, die gegen eins der Prime-Time-Spiele antraten, deren Sendezeit also zu größten Teilen zwischen 20.45 Uhr und 22.30 Uhr lag. Deren Marktanteile in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen habe ich dann mit den Sender-Durchschnittswerten der vergangenen zwölf Monate verglichen. Das Ergebnis: 217 Sendungen zeigten RTL, ProSieben, Sat.1, Vox, RTL II, kabel eins, sowie Das Erste und das ZDF wenn sie gerade nicht mit Fußball dran waren, gegen die EM-Spiele – und nur 25 davon landeten über den jeweiligen Normalwerten ihrer Sender. Betrachtet man sich die Top Ten der Anti-EM-Programme, so bleibt als Fazit nur eins: Die beste Strategie gegen die EM ist „Business as usual“. „Tatort“, „Dr. House“, „Ghost Whisperer“, „Criminal Intent“. Auf den ersten zehn Plätzen des Rankings finden sich neun Sendungen, die auch außerhalb von Europameisterschaften auf ihren Sendeplätzen laufen. Selbst die zehnte der Sendungen, „Into the Blue“, ist als Spielfilm auf dem Sonntags-Prime-Time-Slot von ProSieben keine übermäßige Überraschung:

Zur Erklärung der Tabelle: Der „Tatort“ am 22. Juni hatte im Ersten einen Marktanteil von 10,1% bei den 14- bis 49-Jährigen, obwohl EM-Fußball im ZDF lief. Diese Zahl liegt 32,9% über dem Normalwert des Ersten (7,6%) – in unserer Tabelle ergibt sich also ein Erfolgs-Index von 132,9. Interessant ist auch, dass kabel eins mit drei Sendungen die meisten Vertreter in der Top Ten unterbringen konnte.

Schauen wir jetzt noch auf die Flop Ten derjenigen Formate, die die schlechtesten Marktanteile gegen die übermächtige Fußball-Konkurrenz einfuhren (abzüglich Nachrichten-Sendungen), wird es leider kompliziert:

Hier liegen also ebenfalls vornehmlich Programme an der traurigen Spitze der Charts, die auch ohne Fußball auf ihrem Sendeplatz gelaufen wären. Ist die Strategie „Business as usual“ also doch nicht der Hit? Interessant wird es, wenn man die deutschen Spiele aus dem Ranking herausfiltert – die Spiele also, die der Konkurrenz die wenigsten Chancen ließen. Tut man das, liegen auf einmal zwei „Anne Will“-Sendungen vorn: Die vom 15. Juni, die im jungen Publikum desaströse 1,6% eingefahren hat – und die vom 22. Juni, die mit 1,7% nur einen Hauch besser lief. Zumindest politische Talkshows sollte man also während einer Fußball-EM nicht zeigen. Und das ist doch immerhin mal eine Aussage. Und was die Konkurrenz-Strategien für kommende EMs und WMs betrifft: Da muss wohl doch wieder jeder Sender das machen, was er für richtig hält. Die goldene Strategie gegen den Fußball gibt es einfach nicht.

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