Peter Christmann verlässt ProSiebenSat.1

Peter Christmann, Chef-Verkäufer der ProSiebenSat.1 Group verlässt den TV-Konzenr Ende Juni. Grund: katastrophale Zahlen im 1. Quartal 2008. Um Sondereffekte bereinigt sanken die Umsätze um 2 Prozent auf rund 729 Millionen Euro. Der operative Gewinn (EBITDA) sackte um 25 Prozent auf 88,5 Millionen Euro ab. Schuld sind ein neues Verkaufsmodell für Werbung und miese Quoten bei Sat.1. Auch im 2. Quartal wird mit rückläufigen Umsätzen im deutschen Free-TV gerechnet. Ein "Actionplan" soll nun wenigstens das zweite Halbjahr retten.

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Peter Christmann übernimmt die Verantwortung für die schlechten Zahlen. Der Konzern wurde vor allem durch das deutsche Free-TV-Geschäft gebeutelt. Das betrifft direkt Christmanns Verantwortung als Sales- und Marketing-Vorstand. So gingen die Erlöse aus dem Free-TV, sprich: Fernseh-Werbung, um fast 5 Prozent auf 417 Millionen Euro zurück. Der operative Gewinn in dieser Sparte sank um 18,4 Prozent auf 57,6 Millionen Euro. Das ist schlecht. Sehr schlecht sogar. Die Gründe liegen auf der Hand: Wegen illegaler Rabatt-Geschäfte haben die Kartellbehörden die großen TV-Konzerne gezwungen, neue Verkaufsmodelle einzuführen. Christmann setzte bei ProSiebenSat.1 ein radikales Konzept durch und wollte sämtliche Rabatte durch Freispots abschaffen. Das sorgte bei der an Freispots gewöhnten Industrie und bei Media-Agenturen für Unsicherheiten und man hielt sich mit Buchungen zurück. Konkurrent RTL Group ging geschickter vor und erlitt prompt auch keine Umsatzdelle.
Zweiter Grund für die schlechten Zahlen ist die anhaltende Krise beim größten Sender der Gruppe, Sat.1. Geschäftsführer Matthias Alberti hat es noch nicht geschafft, dem Sender ein attraktives Programmprofil zu verpassen. In den ersten Monaten des Jahres kletterte der Sender-Marktanteil von Sat.1 zwar marginal von 10,5 auf 11 Prozent. Das ist aber immer noch himmelweit entfernt von Marktführer RTL, der konstant über 15 Prozent bei der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen liegt.
Ab Juni versucht es Sat.1 mit einem weiteren Sendeplatz für hausgemachte TV-Movies am Donnerstagabend. Die US-Serien, die dort bisher laufen, kommen beim Publikum nur bedingt an. Im Sommer laufen dann Wiederholungen. Zur neuen Saison ab Herbst dan auch wieder Frischware. Um den größeren Bedarf an Movies zu decken, lässt der Sender 2008 statt geplant 20 nun 30 eigene Filme drehen.
Ein schlechtes Zeichen ist zudem, dass auch die Erlöse aus dem Anruf-Geschäft beim  Gewinnspiel-Kanal 9Live zurückgehen. Unter aderem deshalb ist der operative Gewinn im Zukunfts-Geschäftsfeld Diversifikation gesunken, und zwar von 5,1 auf 4 Millionen Euro. Dabei wolte der Konzern doch mit solchen Geschäfte unabhängiger von der Werbung werden. Konzernchef Guillaume de Posch reagiert mit einem so genannten „Actionplan“ auf die Misere. Das bedeutet vor allem eines: sparen, sparen, sparen. Im laufenden Jahr sollen außerplanmäßig 70 Millionen Euro abgeknappst werden, vor allem im Vertrieb und in der Verwaltung. Die deutschen Sender mussen von dem Spar-Programm 50 Millionen Euro schultern. Außerdem wird das gescheiterte Verkaufsmodell geändert.
Wie das konkret aussehen soll, wollte oder konnte de Posch noch nicht sagen. Auf jeden Fall sollen der TV-Vermarkter SevenOne Media und der Online-Vermarkter SevenOne Interactive zusammenrücken. Einen Abbau von Arbeitsplätzen hat de Posch in diesem Zusammenhang ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Die Aufgaben von Christmann, der 13 Jahre im Konzern tätig war, übernimmt de Posch bis auf weiteres selbst.
Im Ausland läuft es ein bisschen besser. Die skandinavische SBS Broadcasting Group, die mit ProSiebenSat.1 fusioniert wurde, steigerte die Umsätze im 1. Quartal im Free-TV um 1,3 Prozent auf 176 Millionen Euro. Aber auch hier ging der operative Gewinn wegen Anlaufkosten für neue TV-Sender in Schweden und Norwegen um 28,6 Prozent auf 27,5 Millionen Euro zurück.
Die Börse reagierte prompt. Nach Bekanntgabe der Zahlen, rauschte der Kurs der ProSiebenSat.1-Aktie um 27 Prozent nach unten. So hatten sich die Finanzinvestoren Permira und KKR das sich sicher nicht vorgestellt, als sie ProSiebenSat.1 von Haim Saban gekauft haben. Und die Aussichten? Vorstandschef Guillaume de Posch konnte auf einer Telefonkonferenz wenig Hoffnung auf Besserung machen. Im 2. Quartal werden die Umsätze im deutschsprachigen Free-TV erneut zurückgehen, sagte er. Für die Sommer-Monate wollte de Posch keine Prognosen abgeben. Wegen der Fußball-EM sei es quasi unmöglich, seriöse Vorhersagen zu treffen.

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