Heuschrecken saugen ProSiebenSat.1 aus

Die Stimmung kochte bei der Hauptversammlung des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 in München. Aufgebrachte Kleinaktionäre warfen Hauptgesellschaftern und Management vor, das Unternehmen zu schröpfen. Grund für den Unmut: Trotz eines Rekord-Schuldenstands von 3,4 Mrd Euro will ProSiebenSat.1 270 Mio Euro an Dividende ausschütten. Die Dividende werden „aus der Substanz“ bezahlt, kritisierte Aktionärs-Vertreterin Daniela Bergdolt.

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Von den Millionen profitieren in erster Linie die beiden Mehrheits-Aktionäre Permira und KKR. Die beiden Finanzinvestoren hatten die hohe Dividendenzahlung nachhaltig gefordert. Damit geben sie dem landläufigen Bild der Finanz-Heuschrecke reichlich Futter. ProSieben-Sat.1-Chef Guillaume de Posch hatte denn auch Schwierigkeiten, die üppige Zahlung plausibel zu machen. ProSiebenSat.1 Sei ein „kerngesundes Unternehmen“, sagte er. Die Dividende habe ihren Grund in der „grundsätzlichen Leistungskraft der Gruppe“. Das sind mutige Worte, immerhin waren Umsatz und Gewinn im 1. Quartal des Jahres eingebrochen. Schuld waren vor allem die Schwäche von Sat.1 im deutschen Free-TV Markt und rückläufige Werbe-Buchungen wegen eines neuen Vermarktungsmodells. Vermarktungsvorstand Peter Christmann ist darum schon zurückgetreten.

Was sich derzeit bei ProSiebenSat.1 abspielt sieht aus wie aus einem Lehrbuch für Firmen-Heuschrecken. Permira und KKR haben die Firma übernommen, anschließend auf Pump die skandinavische Senderkette SBS dazugekauft und ziehen jetzt Cash ohne Ende ab. „Ich hatte gehofft, dass auch Private-Equity-Gesellschafter wissen, dass man die Kuh, die man melken will, nicht schlachten sollte“, sagte Kleinaktionärsvertreterin Bergdolt giftig. Andere Aktionärsvertreter empfahlen dem Management, mehr Schuldnerberatungen im TV anzusehen. Der Zorn ist verständlich. Mitte 2007 war eine ProSiebenSat.1-Aktie noch über 30 Euro wert. Jetzt sind es weniger als neun.

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