EM-Fernsehbilder der UEFA in der Kritik

Die meisten Spiele bei der Fußball-EM begeistern durch Tore und Dramatik, die Fernsehbilder geraten dagegen immer stärker in die Kritik. Das vom europäischen Fußballverband UEFA produzierte „Weltbild“, das alle TV-Sender abnehmen müssen, habe „Schwächen im Bildaufbau“, das Spielgeschehen werde vernachlässigt zugunsten „folkloristischer Impressionen“ von den Tribünen. Aus der Schweiz werden sogar Manipulationsvorwürfe gegen die UEFA erhoben: Sie zeige geschönte Bilder.

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Den Vorwurf, dass die UEFA Fernsehbilder zensiere, hat der Generaldirektor der Nationalen Rundfunkanstalt in der Schweiz, Armin Walpen, nun erhoben. Aufnahmen von Zuschauern, die beim Spiel Österreich gegen Kroatien Fahnen verbrannt hatten, seien nicht gezeigt worden. Im kroatischen Fanblock war reichlich und unübersehbar Pyrotechnik zum Einsatz gekommen. Auch ein Fan, der auf den Rasen des Stadions gelaufen war, sei nicht zu sehen gewesen. Der Verlust der redaktionellen Freiheit sei zu fürchten. Für Peter Studer, den ehemaligen Präsidenten des Presserats, „entpuppt sich die Uefa nicht nur als habgierig, sondern auch als kleinlich und kontrollwütig“. Unterstützung erhalten die Schweizer Kritiker aus dem Nachbarland Österreich. Dass diese Bilder von der Uefa nicht ausgestrahlt worden sind, sei nicht gut, sagt auch Hans Huber, Sportchef des ORF. „Wir werden der Uefa jetzt ganz genau auf die Finger schauen.“ Die UEFA, die bei der EM 2008 erstmals die Regie über die Bilder führt, wies die Vorwürfe zurück. Von Zensur könne „keine Rede sein“, so UEFA-Sprecher Wolfgang Eichler, „wir wollen Chaoten keine Bühne liefern“.

Einig sind sich die Kritiker über die Schwächen der Bildführung, trotz der Rekordzahl von 30 Kameras, die im Einsatz sind. Dieter Gruschwitz, Leiter der Sportredaktion des ZDF, beklagte die „Unsitte“ der UEFA, nach Zeitlupen und Naheinstellungen häufig zu spät zum Live-Bild zurückzuschalten. „Schwächen im Bildaufbau“ kritisiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, sie moniert „dauernde Abwendung vom Spielgeschehen“ zugunsten „folkloristischer Impressionen“ von den Tribünen. Die „dauernde Abwendung vom Spielgeschehen“ sei typisch für die UEFA-Tochter Umet, die für die Bilder verantwortlich ist. „Es ist eines der vielen Rätsel, welche die Dramaturgie der Fernsehinszenierung eines Fußballspiels einem immer wieder aufgibt. Obwohl technisch immer besser ausgerüstet, löst die Regie die Szenen nach einem starren Schema auf, das sich weniger an Tempo, Dramatik und Verlauf des Spiels selber orientiert, als dass es ihm seinen Rhythmus aufzuzwingen versuchte.“ Auch der „Tagesspiegel“ kritisiert „Verwirrung durch Technik“ und mangelnde Spielübersicht durch zu viele Nahaufnahmen.

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