BDI kritisiert Expansion von ARD/ZDF

In den Streit um die Online-Pläne der Öffentlich-Rechtlichen hat sich jetzt auch der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) eingeschaltet. In einem Positionspapier fordert er eine strikte Begrenzung der geplanten Online-Expansion von ARD und ZDF. Zwar sind die im Verband organisierten Unternehmen nicht direkt von den Plänen betroffen; dennoch fürchten sie um ihre Werbeplattformen, wenn Webseiten privater Verlage durch die zunehmende Konkurrenz zu viele Klicks verlieren.

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Nach Verlegern, Privatsendern und TV-Produzenten verurteilt jetzt auch die Industrie die Online-Expansionspläne von ARD und ZDF. „Die bestehende Vielfalt privater Angebote erfordert keine zusätzlichen gebührenfinanzierten Angebote“, schreibt der BDI in einem Positionspapier und scheut sich nicht, klare Vorgaben zu formulieren. Demnach sollen Spielfilme in den Mediatheken nur 24 Stunden, sonstige Unterhaltungsformate nicht länger als drei bis sieben Tage abrufbar sein. Weiter fordert der BDI ein Gesetz, das den Öffentlich-Rechtlichen die Produktion von elektronischer Presse verbietet. Nur sendungsbezogene Texte sollen künftig toleriert werden, keinesfalls dürfe den privaten Anbietern durch das Angebot einer öffentlich-rechtlichen „Online-Tageszeitung“ Konkurrenz gemacht werden. Auch die Einführung des  sogenannten Drei-Stufen-Tests wird vom BDI unterstützt. Durch diesen könnte sichergestellt werden, dass Sendungen und Format dem Anspruch auf öffentliche Grundversorgung entsprechen.

Der Vorstoß des BDI in der seit Monaten schwelenden Debatte ist zunächst verwunderlich: Im Gegensatz zu privaten Verlagen und TV-Produzenten sind die gut 100.000 im Verband organisierten Industrieunternehmen von der Online-Offensive der Öffentlich-Rechtlichen nicht direkt betroffen. Indirekt wird aber die Einschränkung von Werbemöglichkeiten erwartet, wenn die werbefreien Öffentlich-Rechtlichen Webauftritte den Wettbewerb mit den privaten Anbietern verschärfen. „Damit würde für die Industrie eine wichtige Vermarktungssäule in Frage gestellt“ heißt es in dem Schreiben des BDI. Außerdem könnte die Online-Expansion für den Endverbraucher teuer werden. Der BDI rechnet mit zusätzlichen Kosten in Höhen eines dreistelligen Millionenbetrags, der  durch ansteigende GEZ-Gebühren an die Bürger weitergegeben werden könnte. Mit seinem Positionspapier übernimmt der Verband fast wörtlich die Argumentation der privaten Verlage gegen eine öffentliche-rechtliche Online-Expansion.

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