Mobiles Internet auf dem Vormarsch

Ein neues iPhone und ein neuer Eee PC stehen in den Startlöchern. Lang ersehnte Nachfolger zweier Technik-Bestseller, die eins belegen: Das mobile Internet ist nicht mehr zu stoppen – und wird zum Massenphänomen.

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Doppelte Leistung, halber Preis – so kündigt Apple-CEO Steve Jobs das neue UMTS-iPhone an, das in knapp vier Wochen auf den Markt kommt. Ein Affront für alle, die für viel Geld bereits ein Apple-Telefon der ersten Generation gekauft haben? Eine neue strategische Ausrichtung zum Massenprodukt, die Deutschlands Kommunikations-Elite abschrecken wird? Könnte man meinen. Ist aber nicht so. Die Nation, allen voran die Technikbegeisterten, ist nach wie vor im iPhone-Fieber. Exklusiv-Vertreiber T-Mobile rechnet bereits mit Lieferschwierigkeiten und richtet  Wartelisten ein – auch und gerade für Bestandskunden, die umsteigen wollen.

Die Zeiten, in denen besonders kleine und hübsche Technikwunder auch besonders teuer sein mussten, geht zu Ende. Nun gilt auch hier endlich das Gesetz der ständigen Leistungsverbesserung bei gleichzeitigem Preisrückgang. Bestes Beispiel dafür ist ein anderes Kult-Produkt: Der Anfang des Jahres erstmals erschienene Eee PC. Ein winziges Notebook, mit dem Hersteller Asus eine ganz neue Produktkategorie erfand: Das erschwingliche Zweitnotebook fürs Surfen unterwes.

Auch vom Eee PC erscheint nun ein Nachfolger. Ende dieser Woche soll mit dem Eee PC 900 die neue Generation des Rechnerzwergs in die Läden kommen, inklusive mehr Speicherplatz und Windows XP – dafür für 400 statt für 300 Euro. Immer noch ein Schnäppchen unter den Subnotebooks – einer Produktkategorie, in der man bislang vierstellige Summen für ein hübsches Gerät investieren musste.

Zugegeben, es ist ein Apple-mit-Birnen-Vergleich. Doch es gibt sie, die Gemeinsamkeiten zwischen Asus’ Notebook und Apples Telefon. Beide sind innovativ, einfach zu bedienen, schlank und schön – obwohl sie nicht unbedingt jede Funktion unterstützen, die heute möglich ist. Und beide Produkte lösten einen weltweiten Hype aus.

Der Unterschied ist bislang, dass Apple nur im Hochpreissegment agiert, während beim Eee PC der Reiz gerade darin besteht, minimalistische Technik endlich auch einmal zu Mini-Preisen zu bekommen. Jetzt wird auch das iPhone deutlich billiger. Einen direkten Zusammenhang zum Eee PC gibt es zwar nicht, wohl aber lässt sich ein Trend erkennen.

Der gemeinsame Nenner, mit dem sich diese Entwicklung am besten beschreiben lässt, ist der enorme Fortschritt des lange vor sich hindümpelnden mobilen Internets. Das nämlich will paradoxerweise gar kein „mobiles Internet“ mehr sein, sonder nähert sich immer mehr dem „richtigen Internet“, wie wir es von PC und Notebook kennen.

So schnell und günstig wie aus der DSL-Buchse wird das Netz überall dank UMTS und WLAN ins neue iPhone oder auf die Eee PCs kommen. Und mit besseren Displays und genialen Bedienungskonzepten – hier hat das iPhone Maßstäbe gesetzt – lässt es sich auch ohne große Tastatur und Maus bequem surfen. Nicht auf abgespeckten Handy-Versionen handverlesener Portal- und Partnerseiten, sonder in der ganzen Weite und Breite des World Wide Web.

Dieses Erfolgsrezept haben Vorreiter wie Apple oder Asus aber nicht gepachtet. Alternativen sind in Aussicht. Abseits der billig zusammengeschraubten Asien-Klons und Fernost-Imitate, die sowohl beim iPhone als auch beim Eee PC nicht lange auf sich warten ließen, haben sich die Großen der Branche Antworten auf die Bestseller der Konkurrenz überlegt, die sich durchaus mit diesen messen lassen können.

Was den Bereich der von Asus und dem Eee PC erfundenen Produktkategorie der Billig-Notebooks angehet, so gibt es zwei besonders vielversprechende Modelle, die gerüchteweise noch diesen Sommer in den Handel kommen sollen: Zum einen Acers „Aspire One“, zum anderen Dells „Inspiron Mini“.

Beide Hersteller wollen diese Geräte zukünftig auch mit einer neuen Chipgeneration ausstatten, Intels Atom-CPUs, die höhere Geschwindigkeit bei noch kompakterer Bauweise ermöglicht. Eine Festplatte sucht man, genau wie beim Vorbild Eee PC, bei diesen Mini-Laptops vergeblich – stattdessen kommt leichterer und schnellerer Flash-Speicher zum Einsatz. Und preislich will man Asus mit etwa 300 Dollar (Dell) bzw. 330 Euro (Acer) sogar noch unterbieten.

Anders verhält es sich bei den iPhone-Alternativen: Während die bislang eher durch ein an Apple angelegtes Design mit großem Touchscreen brillierten, verlangt das UMTS-Modell den Mitbewerbern nun auch inhaltlich mehr ab. Beste Chancen auf den inoffiziellen Titel des iPhone-Killers No. 1 hat Branchenprimus Nokia. Mit dem neuen Smartphone E71 wollen die Finnen, ähnlich wie Apple, sowohl designorientierte Individualisten als auch funktionsorientierte Business-Anwender ansprechen und – als wäre das nicht schon Anspruch genug – dank Push-E-Mail-Unterstützung auch noch die Vormachtstellung des Blackberry im Geschäftskunden-Segment angreifen.

Eher auf Design und Lifestyle setzt Samsung mit dem SGH-i900 alias „Omnia“, das, genau wie Apple und anders als Nokia, zugunsten eines großen Touchscreens und für besonders intensives Surf-Vergnügen auf Buchstaben- und sogar Nummerntastatur verzichtet. Mit TV-Ausgang und einer Fünf-Megapixel-Kamera ist es dem iPhone technisch in vielen Belangen sogar überlegen.

Weitere Modelle mit ähnlicher Ausrichtung werden sicherlich folgen, sobald das neue iPhone und der Eee PC-Nachfolger in den Regal stehen. Doch bis wieder ein Gerät das Licht des Marktes erblickt, das einen ähnlichen Hype wie diese beiden verursacht, dürfte wohl noch ein wenig Zeit vergehen.  

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