Google startet Angriff auf Nielsen & Co.

Ein schlichter Eintrag auf einem Weblog versetzt die Marktforscher in Aufruhr. Branchengigant Google verkündete vor wenigen Tagen auf seinem hauseigenen Adwords-Blog mit schlichten Worten („Introducing Ad Planner“) sein neues Mediatool an. Ad Planner ist ein Programm, das Media- und Werbeagenturen in Zukunft ermöglichen soll, Internet-Seiten auf Zielgruppen auszurichten. Dieser Service ist nicht neu. Unternehmen wie Nielsen Online und comScore bieten solche Daten schon seit Jahren an.

Anzeige

Der Unterschied, der die Ankündigung zur Bombe werden lässt: Ganz nach Google-Gusto wird dieser Service kostenlos sein. Der Mediaplaner beschreibt seine Zielgruppe verarbeitet und Ad Planner spuckt Seiten aus, die gerne von der Zielgruppe besucht werden. Aufgedröselt nach Alter, Geschlecht, Einkommen, Unique usern – allem, was des Mediaplaners Herz begehrt. Die Closed-Beta-Version läuft bereits, Anmeldungen sind erwünscht.

So weit, so schlecht für die Konkurrenz. Sollte der Ad Planner sich als nützlich erweisen, wird kein Mediaplaner mehr auf die teuren Dienste von Nielsen Online und comScore angewiesen sein. Die beiden Marktforscher äußerten sich in der „New York Times“. Nielsen-Online-Marketingchefin gibt sich dabei betont gelassen und verweist auf die Qualität der Nielsen Daten. ComScore-Mitbegründer Gian M. Fulgoni: „Wäre ich eine Firma in Konkurrenz zu Google, dann wäre das Letzte, was ich tun würde, deren Produkte zu nutzen.“

Nun ja, das heißt, Microsoft, Yahoo und vielleicht Lycos sollten von dem Google Ad Planner Abstand nehmen. Blieben aber noch genügend Nicht-Konkurrenten übrig. Die Resonanz der Agenturen nach den ersten Tagen der Beta-Phase hört sich positiv an. „Ein Segen für Mediaplaner“ lobt die US-Branchenbibel „AdAge“ das Tool.

Weltuntergangsstimmung muss trotzdem nicht herrschen bei den klassischen Marktforschern. Erstens: Mit dem Google Ad Planner ist es vor allem möglich, eher kleinere Websites für die Zielgruppe aufzuspüren, eben die, die durch das Raster der Großen fallen. So könnte man sich den Kuchen vielleicht auftteilen, ohne dass es der zu bezahlenden Konkurrenz weh tut.

Zweitens: Der Datenschutz. Der könnte zum Stolperstein für den Google Ad Planner werden. Den woher Google die demographischen  Nutzerdaten nehmen will, die für die Auswertung notwendig sind, darüber herrscht Unklarheit. Aggregierte Suchmaschinen-Daten und Infos von Drittanbietern, murmelt Google. Der Verdacht liegt aber nahe, dass sich der Suchmaschinen-König über den Google-Statistik-Link, den 99 Prozent aller Websites eingebaut hat, die Daten verschaffen wird. Wenn die Beta-Phase vorüber ist, wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Prozess-Phase eingeleitet. Nicht im Cyberspace, sondern ganz real – vor Gericht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige