Tributes.com: Social Network für Tote

Im Internet kann jeder unsterblich sein: Eine Homepage reicht, und schon lebt die Person zumindest virtuell weiter. Das Web eignet sich jedoch auch hervorragend zum gemeinsamen Trauern, findet Monster.com-Gründer Jeff Taylor. Deshalb startet der US-Amerikaner im Juni mit Tributes.com das erste Social Network für Tote. Größter Geldgeber der 4,3 Millionen Dollar teuren Plattform ist das Wall Street Journal. Die Zeitung will der Konkurrenz die lukrativen Todesanzeigen abspenstig machen.

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Das Trauer-Portal soll mehrere Kernfunktionen vereinen. So können die Hinterbliebenen in speziellen Gruppen zusammen Anteil nehmen, untereinander in Kontakt bleiben und für die Verstorbenen eine virtuelle Gedenk-Homepage einrichten. Dazu will Tributes.com eine Datenbank mit allen verstorbenen US-Amerikanern seit 1936 freischalten. Über das Portal können die Nutzer dann auch nach Freunden und Verwandten suchen, zu denen sie schon länger nichts mehr gehört haben.

Tributes-Chef Jeff Taylor ist ein Internet Gründer-Veteran. Seine bekanntesten Projekte sind das Social Network „Eons.com“ — für die Generation der Babyboomer, die für Facebook zu alt sind — und die Jobbörse „Monster.com“. Aus dem Karriere-Netzwerk stieg er 2005 aus. In seiner Monster-Zeit lernte der 47-Jährige jedoch eines: „Die Print-Zeitungen werden explodieren. Die Frage ist nicht ob, sondern wann das passiert.“ Seiner Meinung nach wandern alle klassischen Print-Angebote langfristig ins Web ab. „Mit Monster haben wir die Stellenanzeigen ins Internet transferiert. Dasselbe machen wir jetzt mit Todesanzeigen.“

In Anbetracht dieser Einstellung verwundert der Einstieg des „Wall Street Journals“ als Investor nur auf den ersten Blick. Denn die US-Wirtschaftszeitung verkauft und schaltet keine Todesanzeigen. Da liegt die Idee nahe, der Konkurrenz dieses lukrative Geschäft abspenstig zu machen und bei einer entsprechenden Web-Plattform mitzuverdienen.

Zweiter wichtiger Partner für Tributes sind die Bestatter. So hat Taylor bereits viele Kooperationen mit einzelnen Beerdingsinstituten abgeschlossen. Die Totengräber sollen eine Mitgliedschaft in der Web-Community als Teil ihrer All-Inklusive-Angebote aufnehmen. In diesem Fall würde Tribute garantieren, dass die Todesanzeige und die Gedenkhomepage des Verstorbenen mindestens fünf – und auf Wunsch auch zehn – Jahre online stehen.

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