ProSiebenSat.1-Krise: Bartl will nicht sparen

Nach dem überraschenden Umbau der Führungsebene von ProSiebeSat.1 hat der neue Deutschland-Chef Andreas Bartl in einem ersten Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" Spargerüchte dementiert. Zuvor hatten verschiedene Medien berichtet, dass die Sendegruppe aufgrund schlechter Zahlen besonders beim Programm sparen werde. Auch die Annahme, der geschwächte Sender Sat.1 müsse sich künftig dem Willen von Pro-Sieben-Managern unterwerfen, wies Bartl zurück.

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Laut einem Bericht des „Spiegel“ sank der Wert des Unternehmens um rund ein Viertel auf etwa zwei Milliarden Euro. Rund 70 Millionen Euro müssen deshalb eingespart werden. „Wir sparen 2008 nicht beim Programm“, wie Bartl jetzt in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ betonte. Programmqualität hätte oberste Priorität, es gebe aber „keine Mechanik zwischen hohem Programmbudget und Programmerfolg. Das wichtigste Element ist Kreativität.“

Unter Bartls Führung wird deshalb ein „Board of Content“ geschaffen. Diese Kreativ-Ebene wird sich um die Programmstrategien der einzelnen Sender kümmern und ist zwischen dem Vorstand der Sendergruppe und den einzelnen Geschäftsführungen der Sender angeordnet. Drei Positionen der neuen Ebene stehen bereits fest: Michael Schmidt, bei ProSieben für Formatentwicklung und Comedy zuständig, wird die Unterhaltung der Sendegruppe koordinieren; der Chefredakteur von ProSieben, Thomas Zwiessler übernimmt die Verantwortung für Magazine und Infotainment und Joachim Kosack, bei Sat.1 zuständig für Fiction, wird diesen Bereich auch im neuen Kreativ-Team koordinieren. Alle drei üben ihre neue Funktion zunächst zusätzlich zu ihren Aufgaben bei den jeweiligen Sendern aus.

Am Wochenende war bekannt geworden, das ProSieben-Geschäftsführer Andreas Bartl Deutschland-Chef der Sendegruppe wird; Vorstandsvorsitzender Guillaume de Posch verliert damit die direkte Verantwortung für das Deutschlandgeschäft. In dieser neugeschaffenen Position soll Bartl die einzelnen Programmprofile klarer als bisher positionieren und die Probleme beim krisengebeutelten Sender Sat.1 in den Griff bekommen. Der 45-Jährige gilt als Programm-Profi, der vor zwei Jahren ProSieben nach einer Schwächephase wieder nach vorne brachte. Sein Aufstieg zum Deutschland-Chef wird allgemein als Teilentmachtung de Poschs gewertet; für Michael Hanfeld von der FAZ scheint es sogar offensichtlich, „dass die Tage des Vorstandsvorsitzenden Guillaume de Posch gezählt sind“.

Die Neustrukturierung der Führungsspitze könnte nach Medienberichten einen erheblichen Machtverlust für Sat.1 bedeuten – wenn bald ProSieben-Leute die Inhalte und die Ausrichtung des Berliner Senders bestimmen. „Wie viel Sat.1 will der Konzern überhaupt noch?“ fragt denn auch Christopher Keil in der „Süddeutschen Zeitung“. Andreas Bartel versucht hingegen zu beschwichtigen: „Es ist nicht geplant, Sat.1 zu einem neuen Pro Sieben zu machen. Wir brauchen zwei gleich starke Sender“.

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