Gratis-Titel: Post und Verleger kooperieren

Der Streit zwischen dem Verband der Deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Deutschen Post ist vorerst beendet: Die Post wird darauf verzichten, weiter im Feld des VDZ zu wildern und legt das geplante Anzeigenblatt "Online aktuell" auf Eis. Stattdessen wollen die beiden Kontrahenten nun kooperieren und sich gemeinsam etwa um Abonnenten, Logistikketten, Zielgruppen und neue Produkte kümmern. Vorausgegangen war eine Monate lange Auseinandersetzung.

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Die Post hatte angekündigt, ein eigenes Anzeigenblatt zum Thema Computer und Internet namens „Online aktuell“ vertreiben zu wollen. Vorbild ist das Post-eigene Anzeigenblatt „Einkauf aktuell“, das der Post 2008 rund 100 Millionen Euro Werbeeinnahmen bescheren wird. Der VDZ hatte angekündigt, gegen das neue Projekt, mit allen Mitteln vorgehen zu wollen und vor allem mit politischem Druck und einem eigenen Zustelldienst gedroht.

Die Einschüchterungen zeigen nun eine Wirkung. Die Post lenkt ein und wird „Online aktuell“ nicht wie geplant im Mai, sondern allerfrühestens im Herbst herausbringen. Mit dem VDZ einigte sich das Unternehmen auf eine ganze Liste gemeinsamer Projekte. „Die Kombination der Stärken beider Partner – Redaktion und Content auf Seiten der Verleger und logistische Qualität und Reichweite auf der Seite der Deutschen Post – sollten zu Erfolg versprechenden Produkten führen können“, glaubt Post-Vorstand Jürgen Gerdes.

Wer in dem Streit wen besiegt hat, steht noch nicht geschrieben. Zwar erscheint das Einlenken der Post als Punktsieg für den VDZ. Doch hat das Logistik-Unternehmen bereits jetzt mehr erreicht als Friede und einige vage Kooperationsaussichten. Ohne nennenswerten Aufwand ist es der Post gelungen, mit der Drohkulisse Anzeigenblatt den VDZ vom Gegner zum Partner zu wandeln – und mit diesem Schachzug den raffinierten Einstieg in den Print-Markt zu erlangen. Für künftige Kooperationen verfügt sie über ideale Voraussetzungen und kann sich den Kompagnon nun praktisch aussuchen.

Auch Blätter wie „Online aktuell“ würden als Gemeinschaftsprojekt herausgebracht werden. Als Verlags-Partner handelt die Branche nun Namen wie Springer, oder den experimentierfreudigen Holtzbrinck-Verlag. Ein Verlierer heißt in jedem Fall Klaus Madzia: Der erfolglose Gratiszeitungsredakteur hat in den letzten Monaten daran gearbeitet, das Zeitschriftenprojekt der Post aus der Taufe zu heben.

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