Alle gegen Alice: Zickenkrieg bei „Emma“

Der Streit bei der „Emma“ weitet sich aus: Das Verhalten der Magazin-Begründerin Alice Schwarzer gegenüber der zurückgetretenen Chefredakteurin Lisa Ortgies hat eine lautstarke Diskussion unter Deutschlands Feministinnen ausgelöst. Dabei wird deutlich, dass die Töne zwischen Alt und Jung schärfer werden und dass die beiden Generationen der Frauenkämpferinnen mehr trennt als vereint. Lisa Ortgies hatte nach nur zwei Monaten wegen Streitigkeiten mit Schwarzer aufgegeben.

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Ortgies sollte Schwarzer als Chefredakteurin bei Deutschlands feministischer Frauenzeitschrift folgen und „Emma“ in die Zukunft führen. Lange hielt es Lisa Ortgies unter Herausgeberin Schwarzer nicht aus: Immer wieder soll sich Schwarzer eingemischt und Ortgies’ Absprachen mit der Redaktion kurzerhand wieder rückgängig gemacht haben – ohne Ortgies davon zu informieren. Schwarzer gehörte vor 30 Jahren zu den Mitbegründerinnen der „Emma“ und führte das Blatt so lange auch als Chefredakteurin. Nach Ortgies’ Abgang hat die 65-Jährige die Führung wieder übernommen, nicht ohne bei ihrer vorher so hochgelobten Kurzzeit-Nachfolgerin kräftig nachzutreten. „Kinder in Hamburg“ und „ein kranker Vater“ hätten die Einarbeitungszeit von Ortgies erschwert, sagte Schwarzer und warf Ortgies mangelnde Führungsqualitäten vor. Sie eigne sich nicht „für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin“.

Schwarzers Vorgehen hat nun eine heftige Debatte unter Deutschlands Feminstinnen ausgelöst. Ausgerechnet Deutschlands große Frauenkämpferin würde es Frauen schwer machen, die Kinder, Familie und Karriere unter einen Hut bringen wollen. Alice Schwarzer sei „frauenverachtend, bösartig und gemein“, kritisiert „taz“-Chefredakteurin und Schwarzer-Biografin Bascha Mika. Schwarzer sei dabei, ihre eigene Glaubwürdigkeit zu zerstören. Eine Kritik, mit der Mika nicht alleine steht: „Alice nimmt die ,Goldene Feder’ vom Bauer-Verlag entgegen, der viel Geld mit Porno verdient. Sie macht Werbung für ,Bild’, eines der sexistischsten Blätter der Republik. Damit ist sie absolut unglaubwürdig“, sagt die Feministin Ingrid Kolb.

Vor allem die junge Generation wirft Schwarzer vor, sie könne nicht akzeptieren, dass längst eine neue Generation von Feministinnen aktiv geworden sei, die nur erfolgreich für eine soziale, ökonomische und politische Gleichheit der Geschlechter kämpfen könne, wenn sie keine „Ober-Chefin“ im Nacken hat, die frische Ideen als „Girlie“-Getue abkanzelt. In Schwarzers Augen freilich betreibt die neue Generation von Frauen nichts als „Wellness-Feminismus“ und trägt sogar zur „Verluderung“ des Feminismus bei.

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