Zittern um die „Sportschau“

Die Meldung, dass die Deutsche Fußball Liga für die nächste Bundesliga-Saison "maßgeschneiderte Rechte" anbieten will, hat zu einem Rätselraten über die Zukunft der ARD-"Sportschau" geführt. Ein Szenario der DFL sieht vor, dass die "Sportschau" erst nach 22 Uhr laufen könnte. ARD-Programmdirektor Günter Stuve hat sich in der "Westfälischen Rundschau" zu Wort gemeldet und betont, es sei "noch alles offen". Gleichzeitig hat der Kabel-Betreiber Orion Interesse an der Bundesliga bekundet.

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Struve bestätigt mit seinen Worten indirekt die Planungen der DFL. „Es gibt unterschiedliche Modelle – mit und ohne eine zeitnahe Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen. Ich glaube aber, dass durchschnittlich 5,65 Millionen Fernsehzuschauer in dieser Spielzeit ein starkes Argument für den Erhalt der Samstag-Sportschau ist – bei Fußballfans, Vereinen und Sponsoren.“ Mit diesen Worten rührt Silberkopf Struve in der „Westfälischen Rundschau“ die Werbetrommel für das ARD-Aushängeschild „Sportschau“. Seine Ansage, zunächst einmal bleibe bis zum Sommer 2009 alles, wie es ist, klingt aber nicht direkt beruhigend in den Ohren passionierter Fußball-Gucker.

Die DFL will die Rechtevergabe für die Bundesliga-Saison 2009/2010 offenbar komplett neu strukturieren. Zuletzt wurden drei Rechtepakete vergeben: für Free-TV erhielt den Zuschlag die ARD, für Pay-TV der Kabelnetzbetreiber Unity-Media und für IPTV die Telekom. Unity erlitt mit dem eigens gegründeten Fußball-Bezahlsender arena spektakulär Schiffbruch und musste die Rechte zuletzt doch wieder an Pay-Platzhirsch Premiere weiterreichen. Nun fürchten die DFL-Verantwortlichen, dass sich Premiere zu sicher ist, zum Zuge zu kommen und den Preis drücken will.
Darum will die DFL die Rechte nun nach Übertragungswegen aufsplitten. Das bedeutet, es gibt Bundesliga-Rechte für Satelliten-Fernsehen, für Free-TV, für überregionale Kabel-Anbieter und , der Clou, für regionale Kabelanbieter. Je nach Wohnort und Art des TV-Empfangs könnten Zuschauer dann unterschiedliche Preise zahlen und verschiedene Decoder und Smartcards benötigen. Schon meldet sich der Hannoveraner Kabelnetzbetreiber Orion zu Wort und bekundet Interesse an den Bundesliga-Rechten. Orion deckt in Niedersachsen rund 3,2 Millionen Haushalte mit Kabelfernsehen ab. Die Hannoveraner dürften nicht die einzigen bleiben, die die Hand heben.

Als Sieger des Rechte-Kuddelmuddels geht wahrscheinlich die DFL vom Platz. Die hat jetzt mannigfaltige Möglichkeiten, alle Akteure gegeneinander auszuspielen. Entweder lässt sie sich von der ARD die frühe „Sportschau“ teuer bezahlen oder von Premiere die höhere Exklusivität, wenn die Free-TV-Zusammenfassungen auf den späten Abend verbannt werden. Und falls Premiere den Geldbeutel nicht weit genug öffnet, wird mit den regionalen Kabel-Anbietern gekuschelt.

Pokerface Nummero Uno am Rechte-Spieltisch ist der greise Ex-Medien-Mogul Leo Kirch, der für die DFL die Bundesliga vermarktet. Er hat Premiere  seinerzeit aufgebaut und  sein Medien-Imperium ist nicht zuletzt wegen der horrenden Verluste des Bezahlsenders in die Pleite gestürzt. Kirch ist fast blind, zuckerkrank und über 80, aber er Nerven aus Stahl und ein Kämpferherz. Der neuste Vorstoß der DFL trägt deutlich die Handschrift des alten Fuchses. Das Spiel vor dem Spiel könnte spannender werden, als so manche Partie auf dem Fußballplatz.

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