De Posch verlässt ProSiebenSat.1

ProSiebenSat.1-Konzernchef Guillaume de Posch kehrt seiner Firma den Rücken. Er gehe "auf eigenen Wunsch", so eine entsprechende Mitteilung des Unternehmens am Dienstagmittag. Der Abschied kommt in einer für den TV-Konzern schwierigen Phase. Insbesondere im Kerngeschäft, dem Free-TV in Deutschland, läuft es derzeit nicht rund, die Werbeeinnahmen gehen zurück. Zudem drücken nach der SBS-Übernahme Milliarden-Schulden. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

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Aufsichtsrats-Chef Götz Mäuser will einen „erstklassigen Medienmanager“ für die Nachfolge de Poschs, eine „fokussierte Suche“ werde sofort eingeleitet. Über de Poschs Abgang zeigte sich Mäuser enttäuscht: „Wir haben Guillaumes Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen und wünschen ihm viel Erfolg in seiner weiteren Karriere“, so Mäuser.
Auch de Posch äußert sich zu seinem Ende bei ProSiebenSat.1: „In meinen fünf Jahren bei ProSiebenSat.1 haben wir es geschafft, das Unternehmen auf eine solide Basis zu stellen und seine Entwicklung zu einem bedeutenden europäischen Medienkonzern mit Sitz in München voranzutreiben“, so der Belgier, „für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, eine neue Herausforderung zu suchen.“ Wie solide die Basis tatsächlich ist, auf der ProSiebenSat.1 steht, ist allerdings recht strittig. Den Konzern drücken nach der auf Pump finanzierten Übernahme der Sendergruppe Scandinavian Broadcasting Systems (SBS) rund 3,5 Milliarden Euro Schulden.
Im ersten Quartal 2008 lief es zudem nicht rund bei ProSiebenSat.1, das operative Ergebnis brach um ein Viertel ein. Besonders im Kerngeschäft, dem deutschen Free-TV sanken die Einnahmen wegen einer Umstellung des Werbezeitenmodells deutlich. Die vier von der ProSiebenSat.1-Vermarktungstochter SevenOne Media betreuten Sender – ProSieben, Sat.1, kabel eins und N24 – setzten 2008 bisher weniger Geld mit Werbung um als im Jahr zuvor: Statt 1,188 Mrd. Euro wie 2007 blieben dem Konzern von Januar bis April 2008 laut Nielsen Media Research brutto nur noch 1,155 Mrd. Euro – ein Minus von 2,9%. Zum Vergleich: Konkurrent IP Deutschland mit den Sendern RTL, Vox, Super RTL und n-tv wuchs um 5,9% auf 1,108 Mrd. Euro und ist drauf und dran, ProSiebenSat.1 auf dem deutschen Werbemarkt zu überholen.
Für ProSiebenSat.1 beginnt nun unweigerlich eine neue Ära. Vor de Posch hat schon der langjährige Finanzvorstand Lothar Lanz das Unternehmen verlassen, sein Nachfolger Axel Salzmann ist erst in der vergangenen Woche angetreten. Ermutigend für die Ausrichtung des Hauses ist eine andere Personalie, die ProSiebenSat.1 mitteilte: ProSieben-Geschäftsführer Andreas Bartl, der seit Kurzem auch die Hoheit über die anderen deutschen Free-TV-Sender inne hat, wird in den Vorstand befördert. Dort kümmert er sich um den Geschäftsbereich „German Free-TV“. Schaden wird das dem Unternehmen nicht, Bartl ist ein absoluter Experte, lebt im Gegensatz zu seinem etwas drögen Noch-Chef de Posch Fernsehen und hat in der Vergangenheit oft genug seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Gerade in den andauernden Diskussionen um die beiden eher auf Rendite als auf tolle Inhalte schielenden Gesellschafter KKR und Permira kann ein ausgewiesener TV-Fachmann im Vorstand sicher nicht schaden.

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