CDU sägt am Stuhl von Anne Will

Der Berliner CDU-Oppositionschef Friedbert Pflüger hat in „Bild“ gefordert, den ARD-Polittalk „Anne Will“ abzusetzen. „Die Sendung ‚Anne Will‘ zeichnet sich immer mehr durch Un- und Halbwahrheiten und bewusste Verzerrung von Sachverhalten aus“, so Pflüger. Er kritisiert konkret die Sendung von vergangenem Sonntag mit dem Linken-Chef Oskar Lafontaine. Immer wieder wird „Anne Will“ kritisiert. Nach der Sommerpause wollen die ARD-Intendanten über ihre Talk-Formate beraten.

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Die Redaktion von „Anne Will“ hat die Pflüger-Kritik in eienr Stellungnahme zurückgewiesen. Die Auswahl der Gäste sei ausgewogen gewesen, die Einspielfilme „explizit kritisch“. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die „Anne Will“-Redaktion mit massiver Kritiker auseinandersetzen muss. Der ARD-Programmbeirat mäkelte bereits im Oktober 2007: Wills Diskussionsschema sei „starr und wenig flexibel“, es gelinge ihr nicht, „auf Diskussionsverläufe flexibel zu reagieren“. Im März 2008 fand das Papier auf wundersame Weise den Weg in die „Süddeutsche Zeitung“. Zwischen Mai und Juni dieses Jahr ist ein weiterer so genannter Beobachtungsschwerpunkt des Programmbeirats zu Talkformaten in der ARD angesetzt. Den Programmbeobachtern dürfte dabei auch die viel kritisierte „Anne Will“-Sendung mit Oskar Lafontaine aufgefallen sein. In der Sendung ließ die Moderatorin dem rhetorisch geschickten Chef der Linken, viel zu breiten Raum für seine Ausführungen. Die Ergebnisse dieser aktuellen Beobachtungsrunde sollten im Intendantenkreis ursprünglich noch vor der Sommerpause beredet werden. Man hat sich in der ARD aber entschlossen, die Beratungen bis nach der Sommerpause zu verschieben. Wohl in der Hoffnung, dass sich bis dahin die Wogen etwas geglättet haben.

Auch der Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung tat sich im April mit harscher Kritik an „Anne Will“ hervor und warf der Moderatorin und der Redaktion vor, beim Thema Rentenversicherung Fakten nicht zu kennen. Peinlicherweise war es aber der Managerkreis, der die Fakten nicht korrekt drauf hatte. NDR-Intendant Lutz Marmor stellte sich demonstrativ hinter „Anne Will“ und der Managerkreis musste sich kleinlaut entschuldigen.

Trotzdem: Kritik an „Anne Will“ taucht immer wieder auf. Dafür gibt es zwei Gründe.

1. Die Sendung hat tatsächlich ein Qualitätsproblem. Die Gesprächsführung ist wenig stringent, die Gäste- und Themenauswahl nicht am Puls der Zeit.
2.  Als ein Nachfolge-Format für „Sabine Christiansen“ gesucht wurde, setzte sich der NDR mit seiner Hausmacht an diesem Sendeplatz am Sonntagabend nach dem „Tatort“ durch, obwohl der WDR mit Frank Plasbergs Talkshow „Hart aber fair“ das frischere Konzept im Rennen hatte.

Diese Entscheidung hat manchen in der ARD frustriert und Frust schafft die Motivation für Meckereien und Durchstechereien an die Presse. Nicht umsonst nennt jeder „Anne Will“-Kritiker „Hart aber fair“ sofort als Alternative.

Die Einschaltquoten bestätigen den Trend zur „Anne Will“-Kritik indes nicht. Zwar sanken die Quoten seit Start der Sendung kontinuierlich, bis sie im Januar 2008 mit einem Marktanteil von 12,4 Prozent den bisherigen Tiefpunkt erreichten. Seither steigen die Quoten aber wieder deutlich an. Im Mai 2008 schaffte „Anne Will“ bei den Zuschauern ab 3 sogar einen Marktanteil von 15,5 Prozent. Von den Quoten her scheint also alles in Ordnung zu sein. Allerdings hat es die Sendung nach dem „Tatort“ auch vergleichsweise leicht, gute Quoten zu erreichen. Der „Tatort“ ist ein Zuchauer-Magnet und viele bleiben nach dem Krimi einfach noch dran und schalten erst im Laufe der Sendung ab, werden aber für die Einschaltquote erfasst.

Aber egal wie die Quoten sich entwickeln. Jede Wette: spätestens nach der Sommerpause, wenn die ARD-Intendanten die Ergebnisse der Talk-Programmbeobachtung beraten, geht die Diskussion über „Anne Will“ wieder los.

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