Dramatisches Umsatzminus im Radio

Auf dem Radioday in Köln trommeln Deutschlands Radiosender und ihre Vermarkter am Donnerstag bei der Werbekundschaft für ihr Medium. Wie wichtig das ist, zeigen aktuelle Zahlen von Nielsen Media Research: In den ersten vier Monaten des Jahres 2008 sind die Brutto-Werbeumsätze des Radios um heftige 5,3 % nach unten gerauscht. Statt 417 Mio. Euro setzten sie Sender nur noch 395 Mio. Euro mit Werbung um. Das sind die schlechtesten Zahlen aller Mediengattungen.

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Damit droht der Branche zum ersten Mal seit 2002 ein Umsatzminus. Zwischen 2005 und 2007 wuchs der Brutto-Werbeumsatz jährlich noch um 15,7%, 4,5% und 6,8%. Mit dem nun von Nielsen ausgewiesenen Minus von 5,3 % liegt die Branche noch hinter der Plakatwerbung (-3,8%), den Fachzeitschriften (-3,7%) und den Publikumszeitschriften (-1,5%). Werbung im Fernsehen (+4,5%), in Tageszeitungen (+0,8%) und im Kino (+14,8%) wächst hingegen ebenso wie die Bannerwerbung im Internet (+44,2%).
Recht amüsant ist die Form, in der die Vermarkter ihre Krise verkaufen: „Radio gesamt weist mit 395 Mio. Euro Bruttoumsatz von Januar bis April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Minus von 5,3 Prozent auf und wächst damit unter Marktschnitt (+1,3 Prozent).“ heißt es in einer ARD-Pressemitteilung zum Radioday. Ein negatives Wachstum ist ja schließlich auch ein Wachstum. Bei der ARD-Werbung Sales & Services (AS&S) herrscht trotz der schlechten Zahlen aber noch Hoffnung: „In der Einzelbetrachtung liegen der April und auch der Mai jedoch eindeutig über Vorjahr. Dieser Trend wird über den Sommer hin anhalten. Wir sind daher zuversichtlich, das Radiojahr 2008 in Summe positiv abzuschließen“, sagt die designierte Geschäftsführerin der AS&S Radio, Esther Raff. Und tatsächlich: Im April lag der Markt laut Nielsen 9,4% über dem Vorjahr. Also doch alles nicht so schlimm? Die kommenden Monate müssen es zeigen.
Die beiden großen Vermarkter AS&S Radio und RMS verlieren im Übrigen beide recht deutlich: AS&S 5,8%, RMS 7,2%. Mit 251,61 Mio. Euro liegen die Privatsender der RMS zwischen Januar und April aber weiterhin deutlich vor den Kanälen der ARD (137,58 Mio. Euro). An der Spitze des Angebotsrankings führt inzwischen die Radio-Kombi Baden-Württemberg, ein Zusammenschluss lokaler Privatsender, mit 24,93 Mio. Euro. Trotz eines Umsatzverlustes von 4,0% zog man an Antenne Bayern (24,41 Mio.) vorbei, da dort satte 17,0% verloren gingen. Auf den Plätzen 3 bis 5 folgen mit radio NRW (23,69 Mio.), Hit Radio FFH (18,31 Mio.) und radio ffn (14,45 Mio.) weitere Privatradiosender, der umsatzstärkste öffentlich-rechtliche Kanal 1Live findet sich mit 13,63 Mio. Euro auf dem sechsten Platz, knapp vor SWR3 (13,63 Mio.). In der Sender-Top-Ten gibt es dabei nur drei Gewinner: Neben radio ffn (+2,3%) sind das Hit-Radio Antenne (+25,6%) und Bayern 3 (+8,6%).

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