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Telekomgate setzt Obermann unter Druck

Die Telekom Spitzel-Affäre zieht immer weitere Kreise. Wie „Spiegel Online“ und "Süddeutsche Zeitung" berichten, hat die Telekom im Jahr 2005 einen Maulwurf in die Redaktion des Magazins „Capital“ eingeschleust. René Obermann wusste seit 2007 von dem Fall, hat aber versucht, ihn zu vertuschen. Die "FTD" berichtet unterdessen, dass ihr ehemaliger Chefreporter Tasso Enzweiler schon 2000 von der Telekom mit Detektiven überwacht worden sei. Damals war noch Ron Sommer Telekom-Chef.

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Schon unter dem Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer habe die Telekom die Berliner Firma Control Risks Group (CRG) mit der Überwachung Enzweilers beauftragt, der in der „Financial Times Deutschland“ über die Telekom schrieb. Den Auftrag dazu gab laut „FTD“ der damalige Chef der Telekom-Konzernsicherheit, Harald Steininger. Als CRG nicht weiterkam, hat die Firma offenbar die Berliner Detektei Desa mit weiteren Nachforschungen beauftragt. Desa-Mitarbeiter versuchten sich laut „FTD“ mit versteckten Kameras unter einem Vorwand Zugang zu Enzweilers Redaktionsbüro  zu verschaffen. Den Informanten konnten die Detektive allerdings nicht ermitteln. Die Desa-Chefs Klaus-Dieter B. und Frank Hendrik J. wurden in der DDR ausgebildet. Ihre Aufgabe war die Sicherung von DDR-Botschaften im Ausland.
Die Spitzelaktion im Jahr 2005 richtete sich gegen den „Capital“-Journalisten Reinhard Kowalewsky.  Er war jener Redakteur, der Anfang 2005 in „Capital“ die Strategie des damaligen Telekom-Chefs Kai-Uwe Ricke enthüllte. Sein Informant im Telekom-Aufsichtsrat war offenbar der damalige Betriebsratschef Wilhelm Wegner.

Aufgestachelt durch die unliebsame Berichterstattung hat die Telekom eine Art Frühwarnsystem für Info-Lecks installiert. Sobald irgendwo ein Artikel erschien, der mit Insider-Informationen gespickt war, bekam die von der Telekom beauftrage Überwachungsfirma network.deutschland aus Berlin entsprechende Telefon-Verbindungsdaten von Journalisten und potenziellen Informanten. Laut „Spiegel Online“ sollen auf diese Weise aus 250.000 Datensätzen 8.000 potenzielle Gespräche mit Journalisten herausgefiltert worden sein. Die Ergebnisse seien aber nicht aussagekräftig gewesen und man entschloss sich, einen Maulwurf in der „Capital“-Redaktion zu installieren. Die Bespitzelung durch den Redaktionsmaulwurf bei „Capital“ á la Stasi war erfolgreicher und die Verbindung zum Aufsichtsrat Wegner konnte nachgewiesen werden.
Die Telekom hat mittlerweile bestätigt, schon 2007 von der Infiltration der „Capital“-Redaktion gewusst zu haben. René Obermann hat den damaligen Chef der Konzernsicherheit, Steininger, ausgewechselt. Gegen den Telekom-Beamten Klaus T., der laut „FTD“ die Spitzel-Einsätze koordiniert hatte, hat Obermann ein Disziplinarverfahren eingeleitet.
Der „Capital“-Redaktion wurde die Spitzel-Aktion aber bis vor wenigen Tagen verschwiegen. Auch als Obermann am vergangenen Wochenende wegen der Spitzel-Affäre vor die Presse trat, verlor er kein Wort darüber, dass er schon viel früher von dem Maulwurf-Einsatz wusste. Er hat wohl gehofft, den Vorfall geräuschlos aus der Welt schaffen zu können. Das hat nicht geklappt.

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