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Rolle rückwärts: Yang will Deal mit Microsoft

Kursverluste von 15 Prozent, Unmutsäußerungen vieler Aktionäre und eine drohende Klagewelle: Der Druck wurde Yahoo-Chef Jerry Yang dann doch zu viel. Nun rudert Yang zurück und will weitere Verhandlungen mit Microsoft nicht unterbinden. "Wir sind Microsoft gegenüber extrem offen", ließ der angeschlagene Konzern-Chef am Montagnachmittag verlautbaren. Und spielte gleich noch den Beleidigten: ""Wir waren begierig darauf, ein Geschäft abzuschließen und sie sind weggegangen."

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Nach den gescheiterten Übernahme-Verhandlungen mit Microsoft stürzen die Yahoo-Aktien zunächst ab. An der Frankfurter Börse verloren die Wertpapiere im Verlauf des  Montagvormittags 19,11 Prozent an Wert. Sie stürzten damit von 18,98 auf 14,65 Euro, umgerechnet 22,64 US-Dollar. Zum Start des Börsentags in den USA stürzte die Aktie um 18 Prozent, erholte sich dann aber, und fing sich bei minus 15 Prozent. Dennoch: Yahoo-Chef Jerry Yang steht bei Aktionären und Analysten in der Kritik. Eine Klagewelle der Kleinaktionäre droht.

Damit der Aktienwert nicht weiter in den Keller rutscht, musste Yahoo gestern handeln – und zwar schnell. Jerry Yang erkannte das und spielte am Montagnachmittag den Beleidigten: „Wir waren begierig darauf, ein Geschäft abzuschließen und sie sind weggegangen.“ Was im Umkehrschluss bedeuten soll, dass Yang sich doch wieder Verhandlungen mit Microsoft vorstellen kann.
Kommt es doch zu keiner Einigung zwischen den Konzernen, sind verschiedene andere Szenarien vorstellbar. Zum einen könnte Yahoo Microsofts Erzrivalen Google zu Hilfe holen und ihm seine Search-Advertising-Sparte überlassen. Jüngst probten die beiden Unternehmen das Zusammenspiel ihres Online-Werbe-Geschäfts in einer zweiwöchigen Testphase; ein Verkauf wäre denkbar. Yahoo hätte dann Zeit, sich auf seine Stärken zu konzentrieren, und etwa das Kreativpotential weiter ausbauen, das in seinem Inkubator Brickhouse schlummert. Dieser Variante steht jedoch das US-Kartellamt gegenüber, das Googles Take-Overs stets kritisch beäugt.

Zweites Szenario: Yahoo fusioniert mit Time Warners AOL, um für die Anleger wieder attraktiver zu werden. Fünf Prozent der AOL-Aktien gehören zudem Google, die bei dem Tauziehen sowieso auf Yahoos Seite stehen – schon allein, um Microsoft zu schwächen. Welches Szenario nun auch immer von der Konzernspitze bevorzugt wird: Jerry Yang wird sich anstrengen müssen, seinen Aktionären das Microsoft-Debakel plausibel zu erklären. Denn Yang war derjenige, der sich auf die 37 Dollar versteifte, die Yahoo pro Aktie von Microsoft forderte. Ein Großteil der Aktionäre hätte sich bereits mit 34 Dollar zufrieden gegeben. Und Microsoft bot immerhin 33 Dollar.

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