Moli – Kontrollzentrum fürs Web2.0

Das US-Network Moli startet jetzt auch in Deutschland: Das Portal bündelt unter einer Adresse alle Social-Web-Aktivitäten seiner Nutzer. Die Mitglieder können so ihre Facebook-, MySpace-, Xing- der Flickr-Profile von einer einzigen Seite aus steuern. Das Besondere: Die Moli-Nutzer entscheiden dabei jeweils individuell, welche Informationen ihre Freunde von ihnen sehen dürfen - ein sehr überzeugendes Konzept! Denn Moli gibt seinen Nutzern die Kontrolle über ihre persönlichen Daten zurück.

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Die US-Plattform will seinen Kunden die Möglichkeit geben, die unterschiedlichen Lebensbereich wie Freizeit oder Karriere zu trennen. Fotos vom Familienfest oder Mitteilungen an Party-Freunde sollten wohl kaum derselben Personengruppe zugänglich gemacht werden wie Informationen über Beruf und professionelle Ambitionen.

Moli ist von Anfang an aber ein kommerzielles Vorhaben. Kunden werden ermuntert, ihre Geschäftskonzepte über das Portal zu verwirklichen oder Handel zu treiben. Auch für dieser Facetten lassen sich separate Nutzergruppen mit eigenen Zugangsrechten definieren. Eine Obergrenze gibt es nicht, jeder kann sich beliebig viele Profile zulegen. Erst eine zweite Webadresse kostet 1,99 Dollar. Wer ein virtuelles Geschäft betreiben will, kann als weitere zusätzliche Funktion einen Online-Shop für 3,99 Dollar pro Monat einrichten.

Kernzielgruppe von Moli – der Name ist eine Zusammenziehung von „Money & Living” – sind Menschen Ende zwanzig: dynamische und aktive Leute, jung genug, um keine Technikängste zu hegen, alt genug, um über erhebliche eigene Geldreserven zu verfügen. „Moli wendet sich an Selbständige, Einzelunternehmer und Privatpersonen” (Pressetext).

Ein Konzept, das aufzugehen scheint. Nach April-Zahlen des US-Marktforschers Alexa gehört Moli zu den am schnellsten wachsenden Netzwerken des Webs. In Deutschland läuft die Seite noch im closed Beta-Status. Offizieller Start der de-Version ist für den 17. Juni geplant.

Offiziell ist die Seite seit Januar online. Der Start lief allerdings alles andere als reibungslos. Moli, dessen Claim „Control your Privacy“ lautet, sorgte für einen PR-Gau: das Sabrina-Dent-Desaster. Die in Irland lebende Bloggerin zeigte sich auf ihrer Internetseite anfangs von Moli begeistert: „This is social networking for grownups” und nannte den Datenschutzvorstoß hellsichtig „post-Facebook”. Doch 15 Minuten nach ihrer Registrierung wurde Dent mit Spam-Mails bombardiert, weil Daten neuer Klienten offenbar weitergereicht werden. Ihre Blog-Rezension fiel negativ aus. Daraufhin wurde unverzüglich ein Kommentar gepostet, der unter Pseudonym Moli lobpreist. Über die IP-Adresse konnte ein führender Mitarbeiter von Moli identifiziert werden, der auch bei Digg, Techcrunch und GetSatisfaction geharnischte PR-Einträge lancierte.

Nicht genug, dass Moli nicht imstande ist, neue Nutzer vor unerwünschten Kontakten zu schützen; die Moli-Mitarbeiter, die für den Schutz der Privatsphäre ihrer Klienten verantwortlich sind, missbrauchen diese Verantwortung und – vielleicht noch beunruhigender – zeigen in ihrem Vorgehen, dass sie nicht einmal im Stande sind, ihre eigene Identität abzuschirmen. Ein PR-Supergau für das Unternehmen Moli.

Das alles ist umso erstaunlicher, wenn man die hohe Professionalität in Betracht zieht, mit der Moli zu Werke geht. Die Seite ist modern und klar gestaltet, sämtliche Texte in eigener Sache lassen sich gut lesen, insgesamt macht die PR einen überdurchschnittlich gelungenen Eindruck. Das Unternehmen ist derzeit auf Erfolgskurs. Mit einer neuen Finanzierung im Januar 2008 stehen rund 30 Millionen Dollar zur Verfügung. Moli mit seinen 60 Angestellten expandiert rasant. Neben der Zentrale in Florida (www.moli.com) und der Europa-Filiale in Dublin (www.ie.moli.com) hat das Unternehmen noch eigene Websites für Großbritannien (www.uk.moli.com). Indien und Vietnam kommen bald, danach sollen weltweit Länderportale, etwa in Asien und Australien, folgen.

Zu Molis Finanziers gehören der Hedge-Fond „Vantis Capital Management” sowie die Gründer der US-amerikanischen Baumarktkette „Home Depot”, Bernard Marcus und Kenneth Langone. Moli-Gründer Christos M. Cotsakos, der früher Chef des Online-Aktienhandelsunternehmens „E*Trade” und des Markt- und Konsum-Forschungsintituts „AC Nielsen” war, soll bereits 20 Millionen Dollar aus eigenem Vermögen und sechs Millionen von Privatinvestoren in Moli gesteckt haben.

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