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Event-TV: Musik live im Web

Bislang galt bei Video-Angeboten im Internet die Devise: Egal wo, egal wann. Die einzelnen Clips sollten jederzeit abrufbar sein. Darin unterschied sich das Netz grundlegend vom Fernsehen mit seiner festen Programmstruktur. Mit „Urban.tv“ und „Tempodome“ wollen nun zwei Online-Angebote dieses Gesetz kippen. Beide Webseiten senden Musik-Filme und setzen auf eine festgelegte Programmstruktur.

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Pünktlich um 22.00 Uhr hob sich am 14. April der Vorhang zu einer webweiten Premiere. Die Rockband „Madsen“ trat im Hamburger Club „Übel und Gefährlich“ auf. Ihr Publikum stand diesmal allerdings nicht nur in der Halle, sondern saß zu großen Teilen zuhause vor den Rechnern.
Mit dem Madsen-Gig startet das neue Konzert-Portal „Tempodome“. Die Internet-Plattform will Live-Musik direkt ins Internet übertragen. Die Auftritte sollen dabei zu einmaligen Events werden, indem sie — gegen die sonstigen Webgewohnheiten — zu einer festen Zeit stattfinden. Ein Programmplaner verrät jeweils, wann das nächste Konzert startet.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch der neue Universal-Clip-Kanal „Urban.tv“. Das Plattenlabel präsentiert die Videos seiner Hip Hop, Soul und R`n`B-Künstler. Anders als bei YouTube & Co. zeigt die Plattform die Filmchen als Stream, mit einem festgelegten Ablauf. Schon eine Stunde im Voraus können die Nutzer sehen, wann welcher Clip läuft. Erst nach einer Anmeldung haben sie auch Zugriff auf ein Archiv. Zur Finanzierung setzt das Label auf Altbewährtes: „Die zu den Videos gehörenden Songs können auf Urban.tv als Realtone fürs Handy oder als Fulltrack gekauft werden“, sagt Universal-Sprecher Matthias Wolff. Obwohl sich auch bei „Urban.tv“ die Nutzer untereinander vernetzten können, ist die Plattform hauptsächlich als Abspielstation konzipiert.
Anders „Tempodome“. Sein Gründer Malte Blumenthal: „Wir machen die Übertragung interaktiv. Per Knopfdruck können die Zuschauer am PC untereinander und mit den Künstlern auf der Bühne kommunizieren und ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen. Die Musiker erfahren dies unmittelbar und können ihrerseits reagieren.“ „Klatschen“ kann das Online-Publikum dabei via Mausklick. Je mehr Nutzer auf den „Applausknopf“ klicken, desto mehr Beifall schallt aus den Bühnen-Lautsprechern. Begleitet wird jedes Konzert von einem virtuellen Touralbum, in das die Fans Fotos, Videos oder Texte einstellen können.
Zumindest in den ersten Monaten soll das Angebot für Bands und Zuschauer kostenlos sein. Danach denkt Blumenthal über ein Freemium-Model nach. Der normale Stream bliebe kostenlos, eine HD-Version des Konzertes müsste jedoch bezahlt werden.
 
Vor seinem Einstiegins Musik-Business, arbeite Blumenthal bis Mitte 2007 als Managing Director bei der Multimedia-Agentur SinnerSchrader. Mit „Tempodome“ könnte dem Hamburger das Kunststück gelingen, auf dem Speichermedium Internet eine spannende Event-Plattform zu platzieren, auf der sich — streng nach Plan — Fans zu gemeinsamen virtuellen Konzertbesuchen verabreden.

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