Dringend gesucht: die digitale Zauberformel

Konservativer gegen Innovator: Beim internationalen Mediendialog in Hamburg traf Holtzbrinck-Chef Stefan von Holtzbrinck auf Bertelsmann-CEO Hartmut Ostrowski. In einem Punkt war man sich schnell einig: Das Internet revolutioniert ihre Unternehmen. Doch wie umgehen mit einer Medienrealität, "in der Inhalte, die vor Jahren noch einen Dollar wert waren, heute nur noch einen Cent wert sind?", fragte von Holtzbrinck.

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Beide Unternehmensführer hielten eine Keynote-Rede. Stefan von Holtzbrinck erläuterte seine Strategie, die auf Innovation, Experimente und möglichst schlanke Strukturen setzt. Der Medienmanager sieht für sein Haus nur eine digitale Zukunft. Das betrifft zum einen die Online-Transformation der bereits eingeführten Marken wie „Nature“, „Handelsblatt“ oder „Zeit“. Bei ihnen setzt der Verlagserbe auf eine möglichst offene Content-Politik. Alle Inhalte gehen sofort und kostenlos online.
Zum anderen bedeutet diese Zukunftsstrategie Investitionen in potentielle neue Online-Geschäftsfelder. „Sobald sich ein Web-Angebot jedoch als strategisch interessant herausstellt, können wir es uns nicht mehr leisten“, sagt Holtzbrinck. Deshalb bleibt seinem „mittelständischen Unternehmen“ keine andere Option, als nach dem Gießkannenprinzip das Geld möglichst früh in eine Vielzahl interessanter Start-up-Konzepte zu stecken, und zu hoffen, dass sich einige der Firmen als Erfolgsmodelle erweisen.
Ein Vorgehen, das für den Zahlenmenschen Ostrowski ein Graus sein muss. Der Bertelsmann-CEO kennt für seine digitale Expansionsstrategie nur eine Leitlinie: „Wachstum“. Er fordert, dass alle Teile seines Unterhaltungsimperiums – ob RTL, Gruner + Jahr oder BMG – stets den Kunden folgen sollen. Immer auf der Suche nach einer langen und lukrativen Wertschöpfungskette. Dabei will Ostrowski nicht in neue Unternehmen investieren. Für ihn gilt: „Expand your brand“. Die bereits bestehenden Marken sollen ihren Content – Filme, Musik oder Texte – über alle verfügbaren Kanäle verkaufen.
Holtzbrinck dagegen versucht, frühzeitig zu erahnen, zu welchen Web-Angeboten es die Nutzer hinziehen könnte. An diesem Punkt will er die Neukunden mit neuen Angeboten bereits begrüßen und so den großen globalen Playern – wie Bertelsmann – abjagen.

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