Bundesregierung drängt Telekom zur Fusion

Die Bundesregierung verstärkt den Druck auf Telekom-Chef René Obermann. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, soll die Deutsche Telekom noch in diesem Jahr einen ausländischen Konkurrenten übernehmen oder mit einem gleichwertigen Partner fusionieren. Die Bundesregierung, nach wie vor größter Anteilseigner der Telekom, soll sich sogar schon auf einen Lieblingskandidaten festgelegt haben: die France Télécom. Die T-Aktie war zwischenzeitlich noch einmal um 2,3 Prozentpunkte gefallen.

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„Das wäre der ideale Partner in Europa“, zitiert das „Handelsblatt“ das Finanzministerium. Falls es nicht zu der gewünschten Übernahme oder Fusion kommen sollte, müsse Obermann einen anderen europäischen Telekomanbieter ins Visier nehmen. Auf jeden Fall soll verhindert werden, dass sich der europäische Telekommarkt konsolidiert und die Deutsche Telekom nicht dabei ist. Das Drängen aus Berlin kommt nicht von ungefähr, die anderen Wettbewerber im Markt sind schon aktiv: Die spanische Telefónica ist bei Telecom Italia eingestiegen, vor einem Monat hatte France Télécom Interesse an der finnisch-schwedischen Telia Sonera signalisiert.

Obermann steht immer wieder in der Kritik, Investoren werfen ihm fehlende Visionen vor: Er habe es bislang nicht geschafft, dem Konzern eine Wachstumstrategie aufzuzeigen. Dagegen stärkt der Bund als Haupteigentümer der Telekom Obermann noch demonstrativ den Rücken. „Er hat unser vollstes Vertrauen“, heißt es in der Spitze des Finanzministeriums. Seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren reduzierte Obermann die Personalkosten, verbesserte den Kundenservice und kaufte im Ausland in kleinen Schritten zu. Dem Kurs der T-Aktie konnte er bislang aber zu keinem Höhenflug verhelfen.
 
Auch der US-Finanzinvestor und Telekom-Großaktionär Blackstone stellt sich im Vorfeld der am morgigen Donnerstag stattfindenden Telekom-Hauptversammlung hinter Obermann: „Er richtet die Telekom gerade komplett neu aus, und wir sind mit seiner Arbeit extrem zufrieden“, sagt Blackstone-Manager Lawrence Guffey trotz der schlechten Kursentwicklung der Telekom-Aktie. „Er ist einer der besten Vorstandschefs, die wir in unseren 50 Portfoliofirmen haben.“ Guffey sitzt für Blackstone im Telekom-Aufsichtsrat. Blackstone ist nach dem Bund größter Einzelaktionär bei dem Bonner Konzern.

Blackstone hatte im April vor zwei Jahren für 2,7 Milliarden Euro 4,5 Prozent der T-Aktien gekauft – zu einem Kurs von 14 Euro. Derzeit steht das Papier bei 11,66 Euro und ist für die Private-Equity-Gesellschaft immer noch ein Verlustgeschäft. Nur die üppigen Dividenden der Telekom sorgen dafür, dass sich der Finanzinvestor allmählich einer schwarzen Null nähert.

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