Wenn Print, dann bitte so

"Human Globaler Zufall" ist da. Die Zeitschrift mit dem sperrigen Namen ist der Gewinner des Scoop-Wettbewerbs der Axel Springer Akademie. Für 500.000 Euro darf sich Sieger Dennis Buchmann den Traum seiner Zeitschrift erfüllen. Es ist ein tolles Magazin über die menschliche Seite der Globalisierung geworden, das zum Lesen und Betrachten einlädt.

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Wenn die viel beschworene Krise von Print Realität ist, dann ist „Human Globaler Zufall“ ein Mittelchen zur Linderung. Das Magazin, das sich der Ex-Praktikant Dennis Buchmann für den Axel-Springer-Entwicklungspreis Scoop ausgedacht hat, vereint alles, was Print bestenfalls ausmacht: lange Geschichten abseits der Aktualität, tolle Fotos, geniale Haptik mit hervorragendem Papier, schönes Layout und sogar ein rotes Lesebändchen. Dieses Bändchen symbolisiert den roten Faden, der sich durch jede Ausgabe des Magazins zieht.
Die Idee Buchmanns basiert auf der Theorie, dass jeder Mensch der Welt mit jedem anderen über sechs Ecken in Verbindung gebracht werden kann. Er macht sich nun daran, diese Theorie in Magazinform zu überprüfen. Also startet jede Ausgabe mit einer Reportage-Idee an irgendeinem Ort der Welt. Erst von dort aus wird geschaut, was sich für weitere Themen ergeben. So hat der Protagonist der ersten Reportage aus Ecuador einen indischen Fußball-Freund in Berlin. Der wiederum kennt jemanden in den USA, der den Hurrikan Katrina erlebt hat. Dessen Schwager ist Manager einer Zuckerrohrplantage usw. So geht es von Person zu Person und von Geschichte zu Geschichte. Das ist faszinierend, spannend zu lesen und… nicht im geringsten planbar. Darum ist die Produktion von „Human Globaler Zufall“ extrem teuer geraten. Statt der ursprünglich geplanten acht Hefte werden nur vier produziert. Dann ist die halbe Million Preisgeld schon weg. Teuer sind auch die aufwändigen Fotostrecken, die den Reiz des Magazins vor allem ausmachen. Selten so authentische, tolle Fotos in solcher Fülle in einem Magazin versammelt gesehen. Die zweite Ausgabe erscheint am 7. Juli, die beiden weiteren Hefte folgen im Laufe des Jahres.
Der Heftpreis liegt, gemessen am Aufwand der Produktion, bei günstigen 5 Euro. Vom der ersten Ausgabe wurden 100.000 Exemplare gedruckt. Unter humanglobalerzufall.de gibt es auch eine Web-Site. Die Autoren veröffentlichen dort Randnotizen zu ihren sechs Geschichten. In der Premieren-Nummer sind sogar Anzeigen drin. Wobei eine Direct-Response-Anzeige für Fernstudiengänge im Umfeld des edlen Magazins wie ein Fremdkörper wirkt. „Human Globaler Zufall“ wäre zu wünschen, dass er über vier Nummern hinaus kommt. Wenn Print, dann bitte so.

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