Miese Grosso-Zahlen bei „Vanity Fair“

Condé Nasts „Vanity Fair“ will in Deutschland einfach nicht recht anlaufen. „Werben & verkaufen“ veröffentlichte Grosso-West Zahlen nach denen die Auflage des Magazins mit Heft 17 auf einen Tiefststand gefallen ist. Im Einzelhandel wurden demnach nur 44.286 Hefte abgesetzt, allerdings ohne den Bahnhofsbuchhandel. Hinzu kommt eine nicht enden wollende Fluktuation in der Berliner Redaktion. Die neue Führungsmannschaft und Marketing-Maßnahmen sollen die Misere richten.

Anzeige

Die deutsche „Vanity Fair“ sollte so etwas wie die Krönung für den erfolgsverwöhnten Chef von Condé Nast Deutschland, Bernd Runge, werden. Das Magazin wurde mit großem Tamtam im Februar 2007 als „neues Magazin für eine neues Deutschland“ eingeführt. Anders als im „Vanity Fair“-Mutterland USA entschied sich Verlagsboss Runge hierzulande für eine wöchentliche Erscheinungsweise. Außer in Deutschland erscheint die „VF“ nur noch in Italien jede Woche und ist dort deutliche leichtgewichtiger und stärker auf People-Themen abonniert als die Original-„VF“, die regelmäßig mit spektakulären Enthüllungen glänzt.

Nach dem Start hagelte es massive Kritik für das Magazin, das redaktionell von Ulf Poschardt verantwortet wurde. „Belanglos“, „austauschbar“, „schlecht recherchiert“,  lauteten die Vorwürfe. Zu dem Gemecker kamen Probleme mit dem Abverkauf. Mit immer wieder auf 1 Euro reduzierten Exemplaren und Sonder-Aktionen, bei denen DVDs beigelegt werden, schafft es die deutsche „Vanity Fair“, die vergleichsweise bescheidene Zielauflage von 120.000 verkauften Exemplaren zu übertreffen. Die offiziellen IVW-Auflagenzahlen sehen gar nicht mal schlecht aus. Im 2. Quartal 2008 meldete die deutsche „VF“ knapp 190.000 verkaufte Hefte, davon fast 91.000 im Einzelverkauf und knapp 32.000 Abos. Sobald man sich aber die Einzelauflagen von Heften anschaut, die nicht für 1 Euro verramscht oder mit DVD-Beigaben aufgepeppt wurden, sieht die Sache schon anders aus. 44.286 Exemplare Grosso-West für die Heftnummer 17 sind ein Desaster.
Condé Nast müht sich, die Probleme zu relativieren. Die Anzeigenbilanz sei „weiterhin positiv“, sagt man beim Verlag und verweist auf die veröffentlichten IVW-Zahlen. Die Anzeichen für die anhaltende Krise sind aber nicht zu übersehen. Da ist vor allem das sich immer schneller drehende Personal-Karussell auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Bereits wenige Monate nach Start der Zeitschrift zog Condé-Nast-Boss Runge seinen „VF“-Publisher Sven Schrader zum Männermagazin „GQ“ ab. Markus Schönmann übernahm auf Verlagsseite alleine die operative Verantwortung für den Titel. Anfang 08 wurde der glücklose Gründungs-Chefredakteur Ulf Poschardt in die Wüste geschickt und durch den bisherigen „Glamour“-Chef Nikolaus Albrecht ersetzt. „VF“-Online-Leiter José Redondo-Vega rückte auf den Posten des stellvertretenden Chefredakteurs vor. Im März wurde der bisherige „Glamour“-Publisher Wolfgang Winter zum neuen „VF“-Publisher ernannt, Schönman übernahm den Posten eines General Managers.

Auch unterhalb der obersten Leitungsebene gab und gibt es eine auffällig hohe Fluktuation von Ressortleitern und Redakteuren. Jüngste Neuzugänge waren die ehemalige „B.Z.“-Klatschreporterin Inga Grömminger und Werner Mink als Creative Director, der erneut von „Glamour“ kommt.

Die „VF“ und „Glamour“ haben sich seit dem Wechsel von Chefredakteur Albrecht  gesucht und gefunden. Die innige Beziehung der beiden bunten Blätter geht mittlerweile über den Austausch von Personal hinaus. In einer Marketing-Aktion erscheint „Vanity Fair“ mit Ausgabe 21 im Doppelpack mit „Glamour“ für schlappe 1,80 Euro. Für die Aktion schrumpft die große Marke „VF“ einmalig aufs „Glamour“-typische Pocket-Format. Der Auflage wird’s wieder gut tun. Von Substanz sind solche Marketing-getriebenen Auflagen-Schübe freilich nicht. Gleichzeitig soll die bereits angelaufene Werbekampagne in TV- Radio und auf Plakaten ausgeweitet werden. Der Erfolg muss her, koste es was es wolle.

Für Condé-Nast-Chef Runge ist die Causa „Vanity Fair“ eine Zwickmühle. Das Magazin läuft für jeden sichtbar unrund, aber er kann mit der weltweit wertvollsten Marke des Hauses Condé Nast in Deutschland keinen Rückzieher machen. Der Image-Schaden wäre zu gewaltig. Der Start als wöchentlicher Titel war auf jeden Fall ein Fehler. Die Entscheidung lässt sich ohne Gesichtsverlust für Runge aber schwer revidieren. Über kurz oder lang werden dem US-Verlag seine Bilanzen aber wichtiger sein als Ruhm und Ehre des Deutschland-Statthalters.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige