Madzia macht Magazine für die Post

Klaus Madzia soll für die Deutsche Post ihr geplante Presse-Offensive redaktionell stemmen. Madzia ist u.a. ehemaliger Chefredakteur der eingestellten Zeitschrift "Net Business". Zuletzt hat er für Holtzbrinck das Billig-Tabloid "News" in Frankfurt und die kostenlose Büro-Zeitung "Business News" entwickelt. Beides Projekte wurden allerdings nicht fortgeführt. Die Deutsche Post will mit einem kostenlosen Magazin zu den Themen Computer, Telekommunikation und Internet groß ins Mediengeschäft einsteigen. Der Verleger-Verband sieht gelb und will sich dagegen mit allen Mitteln dagegen wehren.

Anzeige

Bei der von Post-Vorstand Jürgen Gerdes bereits angekündigten „Computer-Post“ soll es nicht bleiben. Auch andere Themen, wie Autos, würden sich für solche Zeitschriftenprojekte eignen, so Post-Mann Gerdes in der „financial Times Deutschland“. Im gleichen Atemzug sagt er, dass die Post nicht in Konkurrenz zu den Verlagen treten will und sich redaktionelle Kooperationen mit ihnen vorstellen kann. Das kann eigentlich nur als Witz gemeint sein. Selbstverständlich hat der Verlegerverband VDZ nach der Ankündigung sofort Schaum vor dem Mund. Es geht schließlich ums Kerngeschäft! VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner kündigte prompt erbitterten Widerstand gegen die Post-Pläne an. „Wir werden es nicht hinnehmen, dass ein staatlich mitbeherrschtes Logistikunternehmen mit einzigartigen Wettbewerbsvorteilen im Pressevertrieb die Bedingungen für eine vielfältige und wettbewerbsfähige Zeitschriftenpresse untergräbt“, sagte Fürstner. Der VDZ werde notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof klagen. Fürstner bezeichnete den Vorstoß der Post als „ordnungspolitischen GAU“ und drohte gleichfalls, der Post alle Aufträge zu entziehen und einen alternativen Zustelldienst für Presseerzeugnisse aufzubauen. Damit würden der Post Milliarden-Umsätze entgehen.
Auf Post-Seite agiert mit Lutz Glandt ein ehemaliger WAZ-Manager, der angetreten ist, das Mediengeschäft des gelben Riesen auszubauen. Erste Nullnummern des neuen Post-Computermagazins sollen bereits fertig sein. Inhalt sollen vor allem nutzwertorientierte Tipps für den Umgang mit dem Internet und lohnenswerte Websites sein. Nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber bei der Post wird darauf gehofft, damit Online-Anfänger anzusprechen. Internet-Cracks kann man mit so einem Produkt ohnehin nicht erreichen. Dass Klaus Madzia als redaktioneller Ober-Postler bereits Nullnummern produziert hat, spricht dafür, dass die Post eine eigene Redaktion aufgebaut hat und in Wahrheit nicht daran glaubt, die Verlage als Kooperationspartner zu gewinnen.

Den Verlegern ist bereits das von der Post publizierte Shopping-Heftchen „Einkauf Aktuell“ ein Dorn im Auge, das in einer Auflage von 17 Millionen Exemplaren verteilt wird, allerdings ohne redaktionelle Inhalte. Laut Gerdes macht die Post mit „Einkauf Aktuell“ in diesem Jahr über 100 Millionen Euro Umsatz. Das ist ein Haufen Geld, der den Verlegern in ihrem Säckel fehlt.
Allerdings prechen die Print-Verleger nicht mit einer einheitlichen Stimme. Während die einen gegen „Einkauf Aktuell“ wettern, was das Zeug hält, paktiert Glandts Ex-Arbeitgeber WAZ im Ruhrgebiet mit der Post. Dort tragen WAZ-Zeitungsausträger neben „Einkauf Aktuell“ auch Werbebriefe der Post aus. Warum? Weil die WAZ-Träger viel weniger verdienen als die Briefträger der Post. Für die wurde ja gerade ein relativ üppiger Mindestlohn festgelegt, der die privaten Briefzustelldienste, u.a. Axel Springers Pin Group, vom Brief-Geschäft fernhält. Die Post kämpft mit harten Bandagen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige