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G+J-Chef Kundrun: Bedrohung für Verlage

Der Streit zwischen ARD und ZDF und den Verlagen um das Engagement der Sender im Internet wird aktuell immer schärfer. „Eine vitale Bedrohung für die Verlage“ – so schätzt Bernd Kundrun, der Vorstandsvorsitzende des Hamburger Großverlages Gruner + Jahr („stern“, „Brigitte“), die Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen ein. In einem Interview von heute mit der Tageszeitung „Die Welt“ wendet er sich unter anderem gegen den „Aufbau großer Text-Archive“ durch die Sender.

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Kundrun, zugleich Vorstandsmitglied des G+J-Mutterkonzerns Bertelsmann, sieht die Verlage mit einer „lebenswichtigen Frage“ konfrontiert: Wie kann sich Print gegen einen Angreifer behaupten, „der Dauerverluste in Kauf nimmt, weil Gebühren automatisch fließen“? Kundrun erbost zudem, dass „viele Internetinitiativen der Öffentlich-Rechtlichen wie 1:1-Kopien der Angebote der Verlage aussehen“.

Allerdings macht er den gebühren-finanzierten Sendern auch Zugeständnisse: „Natürlich sollen sie ihre Marken ins Internet verlängern“ und „sendebezogen auch Texte anbieten können“.  Mehr Spielraum will er ARD und ZDF aber nicht einräumen.

Zudem erwartet Kundrun, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen „im Wettbewerb neutral verhalten“. Eine exklusive Kooperation – wie zwischen dem WDR und der WAZ angestrebt – schließt er ausdrücklich aus. Denn: „Jede Kooperation eines so mächtigen Verbundes kann den Wettbewerb enorm verzerren.“

Der Verleger des „stern“ wehrt sich auch ganz generell gegen eine Einschränkung der Spielräume für private Medien in Deutschland. In dem Interview mit der „Welt“ betont er selbstbewusst: „Die Politik ist in einem Land wie Deutschland nicht in der Lage, auf Dauer die Pressefreiheit wirksam einzuschränken.“ Warum? „Weil wir uns wehren.“

Übrigens: Gruner + Jahr investiert derzeit, laut Kundrun, weltweit „zwischen 40 und 60 Millionen Euro“ ins Internet; in Deutschland sind dieses – darf man sagen: nur? – jährlich zwischen 15 und 25 Mio. Euro.

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