Ballmer: „Print stirbt in zehn Jahren“

Für Steve Ballmer gibt es keinen Zweifel: „In den kommenden 10 Jahren wird es keine Medieninhalte mehr geben, die nicht über ein IP-Netzwerk verbreitet werden. Es wird keine Zeitungen oder Magazine geben, die dann noch in Papierform erscheinen.“ Wie er sich darüber hinaus die Medienzukunft vorstellt, welche Neuigkeiten es im Fall Yahoo gibt, und warum er von Googles Mobile-Strategien irritiert ist, verriet der Microsoft-Chef gegenüber Redakteuren der „Washington Post“.

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„In 10 Jahren wird es weit mehr Content-Produzenten geben als heute. Was wir bislang gesehen haben, war nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Ballmer. Die Zukunft liegt für ihn ohne Frage im Netz: „Wenn wir wollen, dass TV interaktiver wird, müssen wir es über ein IP-Netzwerk verbreiten.“ Sein Sohn spiele Xbox Live mit Freunden aus aller Welt, aber er selbst könne vor dem Fernseher bisher nicht mit anderen zu seinem Lieblings-Basketball- oder Golfspiel interagieren, so Ballmer.
Auf die Frage, ob Microsoft nicht länger am Kauf von Yahoo interessiert sei, reagierte Ballmer abwartend: „Wir werden sehen, was passiert. Wir hatten keinen Kontakt zu Carl Icahn vor dessen Beteiligung, offensichtlich hat er seitdem mit ein paar unserer Leute gesprochen. Er ist eine Art unabhängiger Akteur in dieser Sache.“ Man selber diskutiere derzeit andere Formen möglicher strategischer Zusammenarbeit. Darüber hinaus sei es unmöglich einzuschätzen, ob Jerry Yang aufgrund eines ungenügenden Angebots abgelehnt hätte, oder ob ihm sein eigenes Ego als Yahoo-Gründer im Weg stand.
Googles Vormarsch in der Entwicklung von Software für Mobiltelefone und die Bemühungen des Suchgiganten um Mobilfunkfrequenzen sind für Ballmer rätselhaft. Er habe „keine Ahnung“, was Google plane. Manchmal sähe es so aus, als wolle Google ein Telekommunikationsunternehmen werden, auch wenn es bisher offenbar noch nicht geschehen sei. Dass Google zuletzt Milliarden in das WiMax-Netzgeschäft gesteckt hat, habe ihn und wohl auch andere Telekommunikationsunternehmen „sehr verwirrt“.
Microsoft selbst wolle nicht ins Mobilfunkgeschäft mit Direkt-Angeboten einsteigen. „Mir ist unklar, warum irgend jemand von uns auf den Zug aufspringen und mit dem Rest der Netz-, Mobil- und Telekommunikationsindustrie konkurrieren sollte. Zumindest wir gedenken nicht, das zu tun.“
Mit seiner Äußerung zur digitalen Zukunft liegt Steve Ballmer auf einer Linie mit Zeitungsredakteuren, die sich am Donnerstag im Rahmen des New Yorker Zukunftsforums „The Future Of Media“ geäußert hatten. „Vanity Fair“-Medienkolumnist Michael Wolff hatte zu Protokoll gegeben, dass er überrascht wäre, sollten Newsmagazine wie „Newsweek“ die nächsten fünf Jahre gegen die Masse an Online-Lesern bestehen können.
Keith Kelly, Medienreporter der „New York Post“ war laut „Huffington Post“ ebenfalls dieser Meinung: Die Tage von „Extra! Extra! Lesen Sie alles darüber!“ seien vorbei und würden nie zurückkehren. „Das ist für keinen von Vorteil, mit Ausnahme des Konsumenten, der eine Menge umsonst bekommt“, sagte Wolff. Im Internet „gibt es kein Wirtschaftsmodell und niemand wird wirklich dafür bezahlt“.
Steve Ballmer sieht die Chance für kostenpflichtige Angebote ebenfalls nur bedingt. Wenn ihn die eingeblendete Werbung nicht umbrächte, würde er auch selbst werbefinanzierten Produkten Vorrang geben. „Ich glaube, dass es ein paar Dinge geben wird, für die die Leute im Internet zahlen werden, aber das wird wohl eher die Ausnahme als die Regel bleiben.“ Er selbst konsumiere seine Lieblings-TV-Serie „Lost“ schließlich auch lieber mit erträglicher Werbung, als bei iTunes dafür zu bezahlen.

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