Telekom will Spitzel-Affäre aufklären

Die Telekom will die Spitzel-Affäre nach eigenem Bekunden so schnell wie möglich aufklären. "Jeglichen Hinweisen, die wir haben, werden wir intern nachgehen und der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen", sagte ein Telekom-Sprecher am Montag. Am Wochenende hatte der "Spiegel" enthült, dass die Telekom 2005 und 2006 eigene Aufsichtsräte hat bespitzeln lassen. Ausgeführt wurden die Spitzeleien nach "Handelsblatt"-Informationen von der Berliner Firma network.deutschland.

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Der Firmenchef Ralph Kühn hat den Fall ins Rollen gebracht, als er im April ein ein dreiseitiges Fax an Telekom-Justitiare schickte. Darin legte er detailliert die Bespitzelungs-Maßnahmen offen.
Der Mann von network.deutschland forderte eine sechststellige Summe von der Telekom und drohte mit der Veröffentlichung der Vorgänge. Dem „Spiegel“ wurde das Fax mittlerweile zugespielt. Ob von network.deutschland oder der Telekom, ist unklar. Die Telekom hat Anfang Mai die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben, die derzeit prüft, ob ein Ermittlungsverfahren aufgenommen wird.
Die Telekom hat bereits zugegeben, dass über ein Jahr lang Verbindungsdaten missbraucht wurden. Vor allem die Telefonverbindungen der Arbeitnehmervertreter im Betriebsrat wurden von den Schnüfflern aus Berlin überprüft. Konkret betroffen waren laut Presseberichten der Vorsitzende des Konzerngesamtbetriebsrates, Wilhelm Wegner, Lothar Holzwarth sowie der Vize-Chef des Aufsichtsrats, Lothar Schröder. Telekom-Chef Obermann versuchte am Montag die Wogen zu glätten und versicherte, die Daten von Kunden seien jederzeit sicher gewesen. Was soll er auch anderes sagen…
Die genannten Arbeitnehmervertreter wurden in den Jahren 2005 und 2006 offenbar verdächtigt, Insider-Informationen an die Presse weitergegeben zu haben. Anfang 2005 erschien in „Capital“ ein bericht über die gesamte mittelfristige Strategie des Unternehmens. Frank Dohmen und Klaus-Peter Kerbusk berichteten im August 2005 im „Spiegel“ ausführlich über Probleme bei der Telekom.  Außerdem berichtete das „Handelsblatt“ im Oktober 2006 über einen geplanten Stellenabbau gigantischen Ausmaßes. Der Bericht wurde zunächst dementiert,  kurze Zeit später musste Ricke den geplanten Abbau von 32.000 Stellen zugeben. Bittere Ironie: Auch Rickes Ablösung durch den damaligen T-Mobile-Chef René Oberman erfuhr die Presse zuerst aus Aufsichtsratskreisen. „Die Telekom war löchrig wie ein Schweizer Käse“, sagte Ricke zum „Spiegel“.
Ricke und der ehemalige Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sollen unter den Durchstechereien zur Presse massiv gelitten haben. Dass sie die Spitzeleien in Auftrag gegeben haben, bestreiten sie jedoch. Zu beweisen, wer network.deutschland tatsächlich beauftragt hat, dürfte schwierig werden. In solchen Fällen seien Aufträge ausschließlich mündlich gegeben worden, sagte ein Telekom-Manager dem „Handelsblatt“.

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