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20 Jahre „Spiegel TV“ – 15 Jahre Zuschauerrückgang

Gleich doppelt feiert „Spiegel TV“ dieser Tage seinen 20. Geburtstag: Am Sonntag lief eine Sonderausgabe des Magazins mit Highlights aus 20 Jahren bei RTL. Am Montagabend wird mit Hunderten gelandenen Gästen ein Fass in Hamburg aufgemacht. Als am 8. Mai 1988 die erste Ausgabe des „Spiegel TV Magazins“ bei RTL auf Sendung ging, hätte wohl […]

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Gleich doppelt feiert „Spiegel TV“ dieser Tage seinen 20. Geburtstag: Am Sonntag lief eine Sonderausgabe des Magazins mit Highlights aus 20 Jahren bei RTL. Am Montagabend wird mit Hunderten gelandenen Gästen ein Fass in Hamburg aufgemacht. Als am 8. Mai 1988 die erste Ausgabe des „Spiegel TV Magazins“ bei RTL auf Sendung ging, hätte wohl niemand wetten wollen, dass  man 20 Jahre später solche Geburtagspartys feiern kann. Ein zu großer Fremdkörper war die Sendung für den bunten und weitgehend Seriositäts-freien Sender. So war das damals noch sehr politische Magazin zunächst auch vor allem ein Imagegewinn für RTL. 500.000 Leute sahen im Gründungsjahr im Durchschnitt zu – für das 1988 noch längst nicht flächendeckend empfangbare RTL ein ordentlicher Wert.
Mit dem Ausbau der Empfangbarkeit von RTL stieg die Popularität von „Spiegel TV“ rasant an. Seinen Durchbruch erlebte die Sendung im Herbst 1989, dem Herbst des Mauerfalls, den man mit Berichten begleitete, die auch heute noch überaus sehenswert sind. War die 2-Mio.-Zuschauer-Hürde erst im Juli 1989 gefallen, wurde sie im Oktober und November gleich reihenweise übertroffen. Auch den Kritikern gefiel, was die „Spiegel TV“-Redaktion dort geschaffen hatte, als Belohnung gab es 1989 den Grimme-Preis.
Die 3-Mio.-Hürde fiel im Frühjahr 1990, die 4-Mio.-Hürde Anfang 1992 – der Jahresdurchschnitt wuchs gleichzeitig stetig an, von 2,10 Mio. im Jahr 1990, über 2,32 Mio. 1991 auf 2,97 Mio. 1992. Sensationell wurde es dann im Jahr 1993. Unglaubliche 4,33 Mio. Menschen schalteten im Durchschnitt sonntagabends ein, die erste Sendung des Jahres sahen sogar 6,39 Mio. Leute. Nur eine einzige Ausgabe blieb in dem Jahr unter 3 Mio. Zusehern. Doch der große Erfolg konnte nicht stabilisiert sein, das Magazin hatte seinen Zenit erreicht und verlor fortan von Jahr zu Jahr Zuschauer. Bis 1996 fiel man über 3,91 Mio. und 3,08 Mio. auf 2,91 Mio. Seher. Sendungen mit mehr als 3 Mio. Zuschauern waren Mangelware geworden, nur wenige Jahre nachdem sie selbstverständlich waren.
Zwischen 1998 und 2001 stabilisierten sich die Zahlen etwas zwischen 2,33 Mio. und 2,55 Mio. Zuschauern. 2005 wurde dann sogar die 2-Mio.-Hürde durchbrochen. Nur noch 1,94 Mio. Menschen interessierten sich für das Magazin – und das, obwohl es weiterhin den attraktiven Sendeplatz direkt hinter dem Sonntags-Spielfilm inne hatte. 2008 liegt der bisherige Durchschnitt nun bei nur noch 1,81 Mio. Zuschauern. Statt auf politische Enthüllungen setzt die Redaktion heute fast ausschließlich auf Boulevard. „Die Abrüster – Panzerknacker bei der Arbeit“, „Wenn der Mitmensch zum Feind wird – Querulanten im Alltag“, „Panik im Kaninchenstall – Ein Serienmörder geht um“ und „Veronas Welt – Düsseldorfs Bussi-Gesellschaft in der Krise“ sind nur einige Themen der vergangenen Wochen. Die letzte Ausgabe mit mehr als 3 Mio. Zuschauern ist inzwischen mehr als zwei Jahre alt, die Geburtstagssendung flimmerte nur bei 1,78 Mio. Menschen.

Noch bitterer für „Spiegel TV“: Mit den Gesamtzuschauerzahlen fallen in ähnlichem Tempo die Quoten in der werberelevanten Zielgruppe. Mit einem Zielgruppen-Marktanteil von 12,9% ist „Spiegel TV“ längst zum Quoten-Sorgenkind für RTL geworden. Vielleicht sollten Team und Unternehmen bei all den Feierlichkeiten auch ein wenig inne halten und sich auf ursprüngliche Stärken besinnen. Der Boulevard scheint zumindest nicht das zu sein, was potenzielle „Spiegel TV“-Zuschauer besonders interessiert.

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