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sh:z steht vor Eigentümerwechsel

Nach Informationen des „Spiegel“ steht der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (sh:z) zum Verkauf. Der sh:z gehört zu den großen deutschen Lokal- und Regionalzeitungsverlagen und kommt mit seinen 14 Tageszeitungen (u.a. „Flensburger Tageblatt“, „Schweriner Volkszeitung“) auf eine tägliche Auflage von etwas über 180.000 verkauften Exemplaren. Laut „Spiegel“ wird der Wert der kompletten Gruppe auf ca. 400 Millionen Euro taxiert.

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Neben den Tageszeitungen gehören diverse Anzeigen- und Wochenblätter sowie ein regionales Online-Portal (www.shz.de) zum Verlag. Das Unternehmen wurde in den vergangenen Jahren mit harter Hand zu hoher Rendite getrieben. 2005 kaufte der sh:z von Burda die „Schweriner Volkszeitung“, wo 120 Stellen gestrichen wurden. Überregionales  wird mittlerweile zu großen Teilen aus Flensburg zugeliefert und es gab und gibt immer wieder Ärger mit der Gewerkschaft Verdi, die von einem „Kahlschlag“ spricht. Laut „Spiegel“ erwirtschaftet die sh:z-Gruppe mittlerweile eine Traum-Rendite von um die 20 Prozent. Die Zahl könnte freilich auch von den verkaufswilligen Gesellschaftern gestreut sein, um potenziellen Käufern den Mund wässrig zu machen.

Anfang des Jahres wurde der sh:z eine neue Holdingstruktur verpasst. Das operative Geschäft wurde dabei in eine neue sh:z Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag GmbH & Co. KG ausgegliedert. Die bisherige GmbH wurde zur Holding umfirmiert und in medien holding:nord GmbH umbenannt. Das erleichtert den Verkauf an einem Stück.

Verkäufe von Zeitungsverlagen gehören mittlerweile zum Alltag im bundesdeutschen Mediengeschäft. Allerdings stellen die Käufer mitunter fest, dass das Geschäft mit bedrucktem Papier nicht einfacher wird. Der angelsächsische Finanzinvestor David Montgomery hat mit seiner Mecom den Berliner Verlag („Berliner Zeitung“, Berliner Kurier“) übernommen und gemeinsam mit der „Hamburger Morgenpost“ zu einer Zeitungs-Holding umgebaut. Dort knirscht es gewaltig. Anhaltende Proteste der Belegschaft gegen den verordneten Sparkurs und stagnierende Umsätze machen den Finanz-Jongleuren das Leben schwer. Beim Verkauf der „Süddeutschen Zeitung“ kamen Finanzinvestoren gar nicht erst zum Zuge, sondern die Südwestdeutsche Medienholding konnte die Zeitung komplett übernehmen. Zeitungen werden für Finanzinvestoren zunehmend uninteressant, weil sich die Renditen kaum noch steigern lassen und das Geschäft insgesamt rückläufig ist und die Papierpreise klettern. So verloren deutsche Tageszeitungen im 1. Quartal des Jahres insgesamt ca. eine halbe Million an Auflage auf 24 Millionen. Das ist immer noch ein Haufen totes Holz. Zu den Eigentümer-Familien der sh:z gehört die einflussreiche schleswig-holsteinische Familie Christiansen, die eine Immobilien- und Beteiligungsfirma betreibt. Die Gesellschafter suchen nun offenbar einen lukrativen Ausstieg, bevor der Niedergang der Gattung weiter an Dynamik zulegt.

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