Premiere rutscht in die Verlustzone

Premiere schreibt rote Zahlen: Der Pay-TV-Sender legte heute seine Ergebnisse aus dem ersten Quartal 2008 vor. Obwohl Premiere seinen Umsatz steigern konnte, fuhr der Sender beim Gewinn einen deutlichen Verlust ein. Das Unternehmen macht besonders die steigende Zahl der Schwarzseher für das schlechte Ergebnis verantwortlich. Gleichzeitig wurde heute auch schon eine mögliche Lösung des Problems präsentiert: Durch eine neue Preisstruktur wird es für Premiere-Kunden demnächst richtig teuer.

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Konnte Premiere im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von 4,5 Millionen Euro verzeichnen, erzielte der Bezahlsender in den ersten drei Monaten 2008 einen Verlust von 28,1 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen reduzierte sich von 37,8 Millionen Euro auf 2,8 Millionen Euro. Analysten hatten die schlechten Zahlen erwartet, gingen jedoch nur von einem Minus von 10 Millionen Euro aus. Der Umsatz konnte wiederum um zwölf Prozent auf 251,5 Millionen Euro erhöht werden, doch auch hier war 255,7 Millionen Euro erwartet worden.

Der Sender begründete die schlechten Zahlen besonders mit Lücken in seinem Verschlüsselungssystem. Die große Zahl von gehackten Receivern wirke sich negativ auf die Neukundengewinnung aus. Premiere gewann im ersten Quartal 2008 140.447 neue Abonnenten und damit 35, 3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. „Die Lücke in unserem Verschlüsselungssystem hat die Entwicklung von Umsatz und Abonnentenzahl empfindlich beeinflusst. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Lücke bis zum Ende des 3. Quartals 2008 schließen werden“, so Vorstandsvorsitzender Michael Börnicke. Das Unternehmen plant, die Verschlüsselungstechnik zu ändern und künftig auf das News-Corp.-eigene System NDS Videogard zu setzten. Außerdem konnte Premiere einen Sieg gegen den Vertrieb von gehackten Receivern erlangen. Das Landgericht Hamburg verhängte kürzlich eine einstweilige Verfügung gegen ein Unternehmen, das die Geräte zum Kauf angeboten hatte.

Aber nicht nur Schwarzsehern soll das Leben künftig schwer gemacht werden, auch legale Premierezuschauer haben unter den schlechten Zahlen zu leiden. Das Unternehmen stellte heute seine neue Angebots-Struktur vor. Doch was vordergründig als Vereinfachung verkauft wird, bedeutet für einige Kunden eine erhebliche Preiserhöhung. Manche Pakete werden künftig mit neuem Namen, gleichem Inhalt, aber zum doppelten Pres angeboten. Michael Börnicke verteidigt die Neuerungen: „Die neue Angebotstruktur schafft die Voraussetzung für nachhaltiges Abo-Wachstum und steigende Umsätze pro Abonnent, wir erwarten uns kräftige Impulse für das Neugeschäft.“ Mit den steigenden Umsätzen dürfte der Vorstandsvorsitzende wohl richtig liegen; ob die Preissteigerung zur Neukundengewinnung beiträgt, darf jedoch bezweifelt werden.

Trotz der Krise steht Premiere ein potenter Investor zur Seite, der sich von schlechten Zahlen offenbar nicht schrecken lässt: Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, will Rupert Murdoch seine Premiere-Anteile von 22,7 auf 26 Prozent erhöhen. Murdoch ist schon jetzt größter Einzelaktionär bei Premiere. Darauf ist sogar schon die EU-Kommission aufmerksam geworden. Diese nimmt Murdochs Engagement seit Pfingsten genauer unter die Lupe: „Weil es scheint, dass News Corp. de facto Kontrolle über das Unternehmen haben könnte“, so ein Sprecher der Kommission.

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